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Geopolitik

Finden Washington und Moskau in Afghanistan zusammen?

Afghanistan könnte eine gute Plattform zur Zusammenarbeit zwischen Moskau und der neuen Führung in Washington werden. Russische Experten erläutern, welche Bedeutung Afghanistan für den Kreml heute hat.

Präsident Wladimir Putin Russland mit Präsident Ashraf Ghani Ahmadzai Afghanistan (picture-alliance/A. Druzhinin/RIA Novosti)

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani zusammen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin

Nach dem Machtwechsel in Washington sehen russische Beobachter neue Chancen für eine russisch-amerikanische Kooperation in der Afghanistan-Frage. Russland hatte zunächst den Eindruck hinterlassen, es sehe den Einsatz der USA und der NATO in Afghanistan positiv. In den ersten Jahren arbeiteten Washington und Moskau aktiv zusammen. Doch die Verschlechterung der bilateralen Beziehungen zum Ende der 2000er Jahre führte dazu, dass Russland und der Westen am Hindukusch immer weniger an einem Strang zogen. So kritisierte Washington beispielsweise geheime Verhandlungen russischer Diplomaten mit Vertretern der radikalislamischen Taliban in Afghanistan. Laut dem russischen Außenministerium hat es solche Verhandlungen nie gegeben.

Die russische Afghanistan-Politik habe sich schon Ende 2015 die Aufnahme eines Dialogs mit den Taliban zum Ziel gesetzt, sagte im Gespräch mit der Deutschen Welle der Zentralasien-Experte Arkadij Dubnow. Damals habe der Sonderbeauftragte des russischen Präsidenten für Afghanistan, Samir Kabulow, von gemeinsamen Interessen mit den Taliban gesprochen.

Dubnow zufolge hat der Kreml in den letzten Jahren die Bedrohungen, die von Afghanistan ausgehen, neu bewertet. Früher habe die russische Führung befürchtet, dass sich die Instabilität Afghanistans auf die Nachbarstaaten in Zentralasien ausweiten und dadurch eine Bedrohung für Russland entstehen könnte. "Heute stellt man in Moskau fest, dass von der Taliban als politischer Kraft in Afghanistan - auch wenn sie radikaler Natur ist - keine Gefahr für Zentralasien ausgeht, was Russland als seinen Einflussbereich betrachtet", so Dubnow.

Mi 25 Helikopter (picture-alliance/dpa/J. Jalali)

2016 hat die afghanische Armee vier russische Mi-25-Hubschrauber erhalten

Moskaus Interessen in Afghanistan

Ihm stimmt Alexej Malaschenko, Forschungsdirektor am Institut "Dialog der Kulturen" und Experte des Moskauer Carnegie-Zentrums, zu. "Man muss nicht befürchten, dass von Afghanistan irgendeine Instabilität nach Russland überschwappen kann. Diese Gefahr besteht einfach nicht", sagte Malaschenko der DW.

Seiner Meinung nach sollten Russlands Aktivitäten bezüglich Afghanistans nicht überbewertet werden. Moskau sei sich durchaus bewusst, dass Afghanistan eines der problematischsten Länder in der Region ist. Der Kreml habe nichts dagegen, sich mit Vermittlung und Friedenssicherung zu befassen, solange dies nichts koste. "Russland hat keine wesentlichen Interessen in Afghanistan", meint der Experte. Für ein relativ armes Land wie Russland sei es zudem unmöglich, überall aktiv zu sein. "Moskau muss schon die Kosten für die Eurasische Wirtschaftsunion, für die Krim, für das Donbass-Gebiet, für Abchasien und für Syrien tragen", so Malaschenko. Hinzu komme, dass auch die wirtschaftlichen Interessen Moskaus in Afghanistan gering seien. Der Handel erreiche nur ein Volumen von einer Milliarde US-Dollar. "Es gibt dort kaum russische Investitionen", unterstrich Malaschenko.

Afghanische Regierung unter Druck

Trotz alledem wolle Moskau das Vakuum nach einem Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan füllen, glaubt Arkadij Dubnow. Das sei aber nicht der einzige Grund, warum seiner Meinung nach Moskau wieder stärker nach Afghanistan blicke. Der Experten glaubt, der Kreml versuche, die verschiedenen extremistischen Gruppen in Afghanistan gegeneinander auszuspielen. "Man weiß, dass die Taliban und die Terroristen des "Islamischen Staates", in dessen Reihen Männer aus den Ländern Zentralasiens kämpfen, im Norden von Afghanistan verschiedene Interessen verfolgen und dass man diese Unterschiede noch verstärken kann, indem den Taliban Unterstützung gewährt wird, darunter in Form von Waffen", sagte Dubnow.

Ihm zufolge ermöglicht andererseits der Aufbau eines Dialogs mit den Taliban, Druck auf die Regierung des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani auszuüben, den Moskau für eine Marionette Washingtons hält - zumindest eine der Obama-Administration.

Erwartungen an Washington

Vom neuen US-Präsidenten Donald Trump erwartet Moskau nun neue Akzente in der Afghanistan-Politik. Den Kreml interessiert insbesondere, ob Washington bereit sein wird, seine restlichen 9000 Soldaten aus Afghanistan abzuziehen und die Unterstützung für den jetzigen afghanischen Präsidenten aufzugeben. "Wenn die neue US-Administration nicht weiter bedingungslos auf Ghani setzen wird, dann wird Moskau möglicherweise Washington ein neues Format für ein gemeinsames Vorgehen bei der Regelung der Afghanistan-Frage anbieten", vermutet Dubnow.

Afghanistan könnte Thema russisch-amerikanischer Verhandlungen werden, glaubt Malaschenko. Sollte der "Islamische Staat" die Strategie verfolgen, auf Dauer in Afghanistan aktiv zu sein, könnte das Land zu einem Gebiet werden, wo Moskau und Washington im Kampf gegen den Terrorismus zusammenarbeiten könnten. "Das wäre eine gute Plattform zur Zusammenarbeit und für Verhandlungen", so Malaschenko.

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