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Sport

FIFA auf der Anklagebank

Die brasilianische Polizei verdächtigt FIFA-Funktionäre, Schwarzhandel mit WM-Tickets zu betreiben. Ein Topmanager des FIFA-Vertragspartners "Match Services" wird vorübergehend festgenommen.

Es war eine

spektakuläre Aktion:

Mitten im Luxushotel "Copacabana Palace" in Rio de Janeiro führten Beamte der brasilianischen Kriminalpolizei am Montagnachmittag den Direktor des FIFA-Vertragspartners "Match Services" in Handschellen ab. Dem 64-jährigen Engländer Raymond Whelan wird vorgeworfen, in den illegalen Handel mit WM-Tickets zu Wucherpreisen verstrickt zu sein. Nach stundenlangen Verhören wurde der Hauptverdächtige der Ermittlungen am Dienstagmorgen wieder auf freien Fuß gesetzt. In einer Presseerklärung beteuerte "Match Services", dass Whelan unschuldig sei. Die Kriminalpolizei vermutet allerdings, dass auch noch andere FIFA-Funktionäre an den Geschäften beteiligt sind.

Nach einem Bericht der brasilianischen Tageszeitung "Estadao" fanden die illegalen Verkäufe direkt im Hotel "Copacabana Palace" statt, wo die FIFA-Delegation und auch FIFA-Präsident Joseph Blatter einquartiert sind. Die brasilianische Polizei hatte bereits am vergangenen Dienstag elf verdächtige Personen festgenommen und zahlreiche Tickets beschlagnahmt. Die Polizei habe die Information von einem der festgenommenen Verdächtigen im Rahmen einer Kronzeugenregelung bekommen.

Der Schwarzmarkthandel soll bereits seit der WM 2002 in Japan und Südkorea existieren. Bei den teuer verkauften Eintrittskarten handele es sich um ermäßigte oder kostenlose Tickets, die die FIFA an ihre Mitgliedsverbände vergebe, heißt es in den Berichten brasilianischer Tageszeitungen. Bei der WM in Brasilien soll der Schwarzhändlerring pro Spiel rund 300.000 Euro Gewinn gemacht haben.

Ein Polizist (r.) nimmt in Rio de Janeiro Raymomd Whelan fest (Foto: EPA/Ramires Ferreira)

Rio de Janeiros Polizei nimmt Raymond Whelan (L), den Direktor des FIFA-Vertragspartners "Match Services", fest

Zögerliche Reaktionen

Die FIFA kommentierte den Vorfall in einem kurzen Statement auf ihrer Internetseite: "Wir haben die Festnahme von Ray Whelan zur Kenntnis genommen", heißt es dort. Die FIFA werde weiterhin

in vollem Umfang mit den örtlichen Behörden zusammenarbeiten

und alle gewünschten Informationen zur Verfügung stellen. Die "FIFA legt Wert auf die Feststellung, dass sie jeden illegalen Verkauf von Tickets rigoros bekämpft".

Noch in der vergangenen Woche hatte der Weltfußballverband bestritten, dass die Organisation in den illegalen Verkauf von WM-Tickets verwickelt sei. Die von der Polizei festgenommenen Verdächtigen seien nicht bei der FIFA akkreditiert. Es gebe keine Verbindungen zum Verband. Auch die von der brasilianischen Kriminalpolizei angeforderte Liste mit den Namen der FIFA-Vertreter in Brasilien während der WM ließ auf sich warten.

FIFA-Präsident Joseph Blatter gab sich ahnungslos. "Ich komme gerade vom Fußballturnier 'Football for Hope' in der Favela Caju, es war wunderbar", erklärte er, als er von der brasilianischen Presse beim Verlassen des Hotels abgefangen wurde. "Lasst uns über Fußball reden."

Verdeckte Ermittlungen

Fifa-Chef Sepp Blatter (Foto: dpa/Kyodo)

Fifa-Chef Joseph Blatter: Wie viel wusste er von den dubiosen Geschäften?

Seit drei Monaten ermittelt die brasilianische Polizei wegen Unregelmäßigkeiten beim Verkauf der gefragten WM-Tickets. Insgesamt 50.000 Telefongespräche wurden dafür abgehört, auch beim FIFA-Vertragspartner "Match Services AG", der von der FIFA mit der Exklusiv-Vermarktung der Tickets beauftragt ist.

Bereits beim Confed Cup im Jahr 2013 in Brasilien gab es Ärger beim Ticketverkauf. Auf der FIFA-Internetseite bittet die Firma "Match Services" ihre Kunden um Entschuldigung für die "technischen Probleme", die während des Vorverkaufs wiederholt aufgetreten waren. Zu den aktuellen Vorfällen hat die Firma bis jetzt nicht Stellung genommen.

An der Firma "Match Services", die über Niederlassungen in Zürich, Johannesburg und Rio verfügt, ist auch Joseph Blatters Neffe, Philipp Blatter, beteiligt. Dieser ist nach Angaben der Zeitung "Estadao" einer der größten Aktionäre der Firma "Infront Sports & Media AG", welche wiederum fünf Prozent Anteil an "Match Services" hält.

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