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Aktuell Europa

Fieberhafte Suche nach Komplizen

Nach der Anschlagsserie von Paris laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die meisten Spuren weisen in die belgische Islamisten-Szene. Bei Grenzkontrollen unterlief der französischen Polizei eine schwere Panne.

Rund 48 Stunden nach den verheerenden Anschlägen in Paris ist mindestens ein Verdächtiger auf der Flucht. Die belgische Justiz schrieb den 26-Jährigen Abdeslam Salah international zur Fahndung aus. Die Zeitung "Le Monde" berichtete auf ihrer Website, Salah sei am Samstag von der Polizei im nordfranzösischen Cambrai nahe der belgischen Grenze im Zuge der verschärften Grenzkontrollen überprüft worden. Im Auto hätten noch zwei Mitfahrer gesessen. Zu dem Zeitpunkt war den Behörden bereits seit Stunden bekannt, dass Salah den Wagen gemietet hatte, den die Bataclan-Attentäter genutzt hatten. Salah ist ein Bruder eines der Selbstmordattentäter aus dem Pariser Konzertsaal Bataclan, in dem allein fast 90 Menschen getötet wurden.

Hausdurchsuchung bei Paris

Die spanische Zeitung "El Pais" berichtete auf ihrer Webseite, Frankreichs Ermittlungsbehörden hielten es auch für möglich, dass sich Salah nach Spanien abgesetzt haben könnte. Demnach sei Spanien ebenso wie Belgien über das Informationssystem des Schengen-Raums alarmiert worden, auf eine mögliche Einreise des Verdächtigen zu achten. Dessen Flucht nach Spanien sei aber "nur eine Möglichkeit", hieß es in dem Zeitungsbericht.

Die Polizei durchsuchte zudem eine Wohnung im Pariser Vorort Bobigny, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld der Ermittlungen berichtete. Einem Augenzeugen zufolge seien zudem Anwohner befragt worden. Nähere Details zu der Hausdurchsuchung und deren Ergebnissen wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Fahndungsfoto Abdeslam Salah (Foto: DPA)

Nach dem 26-jährigen Abdeslam Salah wird mit internationalem Haftbefehl gefahndet.

Attentäter wollte ins Stadion

Befürchtet wird, dass eine ganze Gruppe von Attentätern oder deren Helfern abgetaucht sein könnte. "Am besorgniserregendsten ist die Information, dass möglicherweise noch eine Tätergruppe in Frankreich unterwegs ist", sagte auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntagabend im ZDF.

Mittlerweile gilt als gesichert, dass die Attacken von insgesamt drei Terrorkommandos verübt wurden. Sie schlugen koordiniert an sechs Orten in der französischen Hauptstadt und im Vorort Saint-Denis zu. Dabei benutzten sie Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow und trugen identische Sprengstoffwesten. Sieben Attentäter starben bei den Anschlägen. Die Terroristen wollten anscheinend auch ein Blutbad vor laufenden Kameras während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland anrichten. Im Stadion saßen fast 80.000 Zuschauer.

Ein Deutscher unter den Opfern

Bei der beispiellosen Anschlagsserie waren am Freitag mindestens 129 Menschen getötet worden, gut 350 wurden teils schwer verletzt. Unter den Toten ist mindestens ein Deutscher. Der 28-Jährige habe seit längerem in Paris gelebt, verlautete aus dem Kriseninterventionsteam München. Unklar blieb, ob es weitere deutsche Opfer gab.

Als Drahtzieher der minutiös geplanten Terrorserie gilt die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Über drei der mindestens sieben getöteten Angreifer sind inzwischen erste Details bekannt. Einer der identifizierten Bataclan-Attentäter war ein polizeibekannter Islamist mit französischem Pass. Zwei der getöteten Attentäter lebten zuletzt im Großraum Brüssel. Es handele sich um Personen mit französischem Pass, wie die dortige Staatsanwaltschaft mitteilte. Bei einer Razzia im Brüsseler Einwanderer-Stadtteil Molenbeek wurden am Samstagabend sieben Menschen festgenommen. In den vergangenen Jahren waren Einwohner des Viertels bereits wiederholt in islamistische Anschläge verwickelt. Die Bürgermeisterin von Molenbeek, Francoise Schepmans, sprach von einem "Netzwerk" in dem Stadtteil.

Rätsel um Pass und Waffenfund

Bei den Überresten eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden. Nach griechischen Angaben wurde der Besitzer des Ausweises am 3. Oktober als Flüchtling in Griechenland registriert. Der 25-Jährige soll dann vier Tage später in Serbien eingetroffen sein. Allerdings konnte der Tote noch nicht eindeutig anhand seiner Fingerabdrücke identifiziert werden. Ob es sich um eine gezielt hinterlassene Fälschung handelt, ist noch offen. Spekuliert wird, dass dieser Mann und ein weiterer Attentäter als Flüchtlinge getarnt in die EU eingereist sein könnten.

Rätsel gibt außerdem ein Mann aus Montenegro auf, der vor gut einer Woche von der Polizei in Oberbayern unter anderem mit Kalaschnikow-Sturmgewehren, Handgranaten sowie Sprengstoff im Auto gestoppt wurde. Angeblich war er damit auf dem Weg nach Paris. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen wird geprüft.

cr/djo (dpa, afp, rtr)