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Sport

Feste, Festnahmen und Verletzte zum WM-Auftakt

Am Tag der WM-Eröffnung ist die Polizei in Brasilien rigoros gegen Demonstranten vorgegangen. Zahlreiche Teilnehmer wurden festgenommen, mindestens zwölf Menschen sind leicht verletzt.

In mehreren brasilianischen Großstädten gab es am Tag der WM-Eröffnung gewaltsame Zusammenstöße zwischen Protestierenden und Sicherheitsbeamten. Die zuständige Militär-Polizei ging mit Tränengas und Pfefferspray, Schockgranaten und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor. Mindestens 12 Menschen wurden dabei verletzt. Die Zahl der Festgenommenen ist zweistellig.

In Belo Horizonte kippten Demonstranten einen Polizeiwagen auf sein Dach, in Porto Alegre randalierten rund 30 Maskierte und in Brasília wurden nach unbestätigten Berichten zwei Demonstranten festgenommen. Hauptschauplätze waren die beiden größten Städte des Landes, São Paulo und Rio de Janeiro.

Demonstrationen an Itaquerão und Copacabana

Im Zentrum von Rio hatten schon am Mittag rund 1000 Menschen gegen die WM protestiert. Auf ihrem Zug in den Stadtteil Lapa kam es zu Tumulten und Festnahmen.

An der Copacabana setzten sich die Proteste am Nachmittag während des Fan-Festes fort. Kurz nach dem Eröffnungsspiel, das die Gastgeber nach Rückstand mit 3:1 gegen Kroatien gewannen, drohte die Situation kurzzeitig zu eskalieren, als ein Polizist von einer Flasche getroffen wurde. Im weiteren Verlauf wurde mindestens ein weiter Demonstrant festgenommen.

Sao Paolo Ausschreitungen 12.6.2014 (Foto: Reuters)

Die Polizei ging wie hier in Sao Paulo rigoros gegen WM-Gegner vor

In São Paulo hatte sich eine erste Kundgebung bereits gegen 10 Uhr Ortszeit (15 Uhr deutscher Zeit) nahe dem WM-Stadion im Ostteil der Stadt formiert. Rund 100 Demonstranten versuchten von dort aus die angrenzende Bundesstraße Radial Leste zu blockieren, die wichtigste Verbindung zwischen dem Stadion und dem zuständigem Polizeiquartier. Nachdem die Protestierenden alle Aufforderungen der Polizei ignorierten, sich von der Straße fernzuhalten, lösten die Beamten die Kundgebung nach rund zehn Minuten gewaltsam auf. Dabei wurden mindestens zehn Menschen verletzt, darunter fünf Journalisten. Neun leicht Verletzte wurden ambulant in Krankenhäusern behandelt.

Protest gegen Entlassungen nach Streik

Einige Teilnehmer des aufgelösten Protestes machten sich auf, um eine zweite Kundgebung zu unterstützen. Nur eine Station weiter stadteinwärts forderten rund 4000 Mitglieder der U-Bahn-Gewerkschaft die Wiedereinstellung von 42 ehemaligen Angestellten, die wegen ihrer Beteiligung am Streik vor einer Woche entlassen worden waren.

Weltmeisterschaft Fußball Brasilien 2014 Brasilien vs Kroatien Fans Manaus (Foto: Reuters)

Fans beim FIFA-Fan-Fest in Manaus

Die Situation eskalierte offenbar, als Mitglieder des Schwarzen Blocks Müll anzündeten und versuchten, Verkehrsschilder aus ihrer Verankerung zu reißen. Auch hier feuerte die Polizei Tränengasgranaten und Gummigeschosse auf die Demonstranten. Viele von ihnen flüchteten während des Tumults in das angrenzende Gewerkschaftsgebäude, das die Polizei umstellte. "Wir wollten keine Straße blockieren, sondern nur durch das Viertel marschieren", sagt Gewerkschaftspräsident Paulo Pasin. "Ich habe mir wirklich Sorgen um die Menschen hier gemacht." Wegen weiterer Tumulte am Nachmittag mussten in São Paulo zwischenzeitlich zwei U-Bahn-Stationen geschlossen werden.

Weitere Proteste angekündigt

Die vielen Demonstrationen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch wesentlich mehr Brasilianer den WM-Beginn gefeiert haben. In der Hauptstadt Brasilia haben laut der staatlichen Nachrichtenagentur 40.000 Menschen die Partie auf dem FIFA-Fan-Fest verfolgt. An der Copacabana waren es demnach 20.000. Ebenso viele besuchten die inoffizielle WM-Party im Stadtteil Tijuca.

Nach dem Eröffnungsspiel ist es bislang ruhig geblieben. Offenbar hat der dramatische Auftaktsieg der Seleção die Gemüter beruhigt. In den nächsten Tagen und Wochen dürften jedoch weitere Demonstrationen die WM-Spiele begleiten: "Wir werden während der Copa weiter protestieren", kündigt eine Demonstrantin in São Paulo an, "wir werden das Movimento Passo Livre (Bewegung für kostenlose Fahrscheine, d. R.) unterstützen, die eine Aktion in Kürze plant."

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