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Politik

Feinde reichen Feinden in Rom die Hand

Papst Johannes Paul II., der sich zu Lebzeiten wie kaum einer seiner Vorgänger um Dialog bemühte, schaffte auch bei seiner Beisetzung eine einzigartige Gelegenheit für Austausch. Und für hektische Diplomatie.

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Katzav (links), Chatami (Mitte) und Assad (rechts außen)


US-Präsident George Bush und Großbritanniens Premier Tony Blair saßen mit Bundespräsident Horst Köhler sowie 200 anderen Spitzenpolitikern, Monarchen, Kirchen- und Religionschefs bei der Totenmesse gemeinsam in den vorderen Reihen. Die Sitzordnung wurde vom Alphabet bestimmt - maßgeblich war der Name des jeweiligen Landes auf Französisch, der Sprache der Diplomatie.

Papst Beerdigung George bush Kofi Annan

George W. Bush, und seine Gattin Laura begrüßen Kofi Annan und dessen Gattin Ann

So kam es, dass der französische Staatspräsident Jacques Chirac fast direkt neben George W. Bush, dem Präsidenten der "États-Unis", Platz nahm – beide in der zweiten Reihe. In der gleichen Reihe stand auch der Stuhl des iranischen Präsidenten Mohammad Chatami, der zu Beginn den syrischen Staatschef Baschar al Assad mit einem Wangenkuss begrüßte. Vor US-Präsident Bush saß der spanische König Juan Carlos, dahinter der simbabwische Staatschef Robert Mugabe, der trotz eines Einreiseverbots der EU nach Rom gekommen war. Zwei Sitze weiter hatte der britische Thronfolger Prinz Charles seinen Platz.

Nahost-Streitparteien wünschen sich Frieden ...

Das Requiem half dabei, tiefe diplomatische Gräben zu überbrücken: Der israelische Präsident Mosche Katsav schüttelte Assad und Chatami die Hand, obwohl Syrien und Iran als Erzfeinde Israels gelten. Assad habe während der Totenmesse eine Reihe hinter ihm gesessen, sagte Katsav. Als während der Messe alle zum Friedensgruß aufgestanden seien, habe ihm Assad die Hand entgegen gestreckt. "Wir haben uns zugelächelt und uns die Hände gereicht", zitierte die israelische Zeitung "Maariv" auf ihrer Internetseite das Staatsoberhaupt. Die syrische Regierung in Damaskus bestätigte den Händedruck, aber "dieser den Umständen geschuldete Handschlag hat keine politische Bedeutung', zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Sana am Freitagabend einen Regierungsbeamten des Informationsministeriums.


... oder doch nicht?

Beerdigung Papst: Begrüßung zwischen Chatami und Bashar Assad

Irans Präsident Mohammad Khatami umarmt Syriens Präsident Bashar Assad

Nach dem Ende der Zeremonie sei der syrische Politiker wiederum auf ihn zugekommen und habe ihm die Hand geschüttelt, sagte Katzav. Katzav berichtete zudem von einem Gespräch mit dem iranischen Präsidenten Mohammed Chatami. "Der Präsident des Iran streckte mir die Hand entgegen. Ich schüttelte sie und entgegnete ihm in (dessen Muttersprache) Farsi: 'Möge Frieden mit Ihnen sein'", berichtete Katzav. Katzav wurde im Iran geboren.

Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija berichtete jedoch, ein namentlich nicht genannter hochrangiger syrischer Regierungsvertreter habe den Händedruck mit Katzav dementiert. Chatami wies diese Darstellung einen Tag später selbst zurück. "Diese Behauptungen sind falsch, wie andere Behauptungen der zionistischen Medien, und ich hatte kein Treffen mit irgendeinem Vertreter des zionistischen Regimes", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur IRNA Chatami.


Alte Feindschaften

Wie dem auch sei: Die letzten Friedensverhandlungen zwischen Israel und Syrien fanden im Jahr 2000 statt; damals ging es um die Zukunft der Golan-Höhen, die der jüdische Staat im Nahost-Krieg 1967 besetzt hatte. Syrien hatte sich wiederholt für eine Wiederaufnahme der Gespräche ausgesprochen. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon stellte jedoch Bedingungen und forderte, Syrien müsse sich zunächst aus dem Libanon zurückziehen und alle militanten Gruppen entwaffnen. Auch die Feindschaft zwischen dem Iran und Israel ist jahrzehntealt. Das islamische Land fordert offiziell eine Zerstörung Israels. Der israelische Präsident umarmte Medienberichten zufolge auch seinen algerischen Kollegen Abdelaziz Bouteflika. Zu Algerien unterhält Israel ebenfalls keine offiziellen Beziehungen.

Fauxpas oder harmlose Geste?

Rom Beerdigung des Papstes: Mugabe steht neben Prinz Charles

Prinz Charles neben Robert Mugabe, der eigentlich hätte gar nicht kommen dürfen

Prinz Charles hat dem international kritisierten simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe die Hand geschüttelt – wenn auch nicht ganz freiwillig. Der britische Thronfolger sei von dem neben ihm sitzenden Mugabe "überrumpelt" worden, erklärte die Londoner Residenz von Prinz Charles, Clarence House. Demach beugte sich Mugabe zu Charles herüber, um ihn zu begrüßen, Prinz Charles ergriff die ihm entgegengestreckte Hand.

Die Beziehungen zwischen Simbabwe und der früheren Kolonialmacht Großbritannien sind seit Jahren extrem gespannt. Die britische Regierung wirft Mugabe schwere Menschenrechtsverletzung vor. Mugabe steht seit der Unabhängigkeit Simbabwes im Jahr 1980 an der Spitze der ehemaligen britischen Kolonie. Der streng gläubige Katholik Mugabe reiste ungeachtet eines EU-Einreiseverbots nach Rom. (arn)

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