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Politik

Fehlentscheidung des Bundeswehrobersts?

Mit dem Befehl, entführte Tanklastzüge zu beschießen, hat ein Oberst der Bundeswehr möglicherweise seine Kompetenzen überschritten. Dies sei "sonnenklar", sagt ein führender NATO-Offizier.

Afghanischer Polizist untersucht das Gelände nach dem NATO-Angriff auf den entführten Tanklastzug (Foto: AP)

Nach dem NATO-Angriff geht die Untersuchung weiter

Die Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF hätten sich nicht in einer unmittelbaren Gefechtssituation befunden, sagte der Offizier laut "Süddeutscher Zeitung" vom Donnerstag (10.09.2009). Von einer klaren Fehlentscheidung ist dabei die Rede in Bezug auf den Beschuss der im Norden Afghanistans von Taliban entführten Tanklastzüge. Es sei "sonnenklar", dass der Oberst der Bundeswehr, Georg Klein, den Befehlsweg nicht eingehalten habe. Zu einer Entscheidung solcher Tragweite sei Klein nicht ohne Rücksprache mit dem ISAF-Hauptquartier befugt gewesen, ohne dass sich die Truppen in einer unmittelbaren Bedrohung befanden.

Bodentruppen nicht verfügbar

Soldaten sichern die Straße nach dem Luftangriff (Foto: AP)

Bundeswehr-Soldaten waren erst nach dem Beschuss der Tanklastzüge vor Ort

Das Bundesverteidigungsministerium hat den Einsatz aus der Luft dagegen verteidigt. Der Einsatz von Bodentruppen sei nicht möglich gewesen, heißt es in einem Bericht der "Osnabrücker Zeitung".

"Zu dem Zeitpunkt standen dem Oberst keine ausreichenden Kräfte zur Verfügung, da alle Kampftruppen anderswo im Einsatz oder bereits für eine andere Mission eingeplant waren", sagte ein deutscher Offizier dem Blatt.

Afghanischer Außenminister verteidigt Bundeswehr

Rückendeckung erhielt die Bundeswehr vom afghanischen Außenminister Rangin Spanta. Zwar müsse bei militärischen Aktionen der Schutz von Zivilisten im Vordergrund stehen, "aber das ist ein Krieg, und bedauerlicherweise kann so etwas passieren", sagte Spanta der "Süddeutschen Zeitung". Die Bundeswehr leiste in Afghansitan hervorragende Arbeit beim Wiederaufbau. Zudem seien die afghanische Polizei und Militärs noch nicht in der Lage, selbst für ausreichende Sicherheit zu sorgen. Die Taliban bemühten sich vor der Bundestagswahl mit aller Macht, "mit solchen Aktionen die deutsche Öffentlichkeit zu verunsichern", so Spanta.

Steinmeier weist Kritik aus dem Ausland zurück

Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier (Foto: AP)

Bundesaußenminister Steinmeier fordert, das Untersuchungsergebnis abzuwarten

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat derweil die Äußerungen seiner Kollegen aus Frankreich und England zu dem umstrittenen Luftangriff in Afghanistan zurückgewiesen. Steinmeier sagte der "Bild"-Zeitung: "Gerade von unseren NATO- und EU-Partnern erwarte ich, dass sie das Ergebnis der Untersuchung abwarten. Man kann doch kein Urteil fällen, ohne die Fakten zu kennen. Das habe ich meinen Amtskollegen auch sehr klar gesagt."

Der französische Außenminister Bernard Kochner hatte gesagt, der Angriff hätte der Zivilbevölkerung großen Schaden zugefügt. Sein britischer Amtskollege David Miliband erklärte, zivile Opfer seien "das Gegenteil von dem, weshalb wir dort sind." (fab/gri/afp/dpa)

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