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Politik

Fehlende Information zum Zypern-Plan

Seit dem 24. März bemüht sich die Zypern-Konferenz in der Schweiz um die Klärung offener Fragen zur Wiedervereinigung der Insel. Der Ausgang der Volksabstimmung Ende April dazu ist unklar.

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Dafür oder dagegen?

Neben den zyprischen Konflikt-Parteien sitzen auch die Regierungschefs Griechenlands und der Türkei, Kostas Karamanlis und Tayyip Erdogan, mit am Verhandlungstisch. Die Gespräche finden im Schweizer Bürgenstock bei Luzern statt. Nach Abschluss der Tagung wird UN-Generalsekretär Kofi Annan über noch offene Fragen entscheiden, um am 20. April 2004 den Wiedervereinigungsplan zum Gegenstand getrennter Volksabstimmungen zu machen.

Beide müssen Opfer bringen

Die Menschen auf der Mittelmeer-Insel Zypern sind aber verunsichert. Sie wünschen sich zwar prinzipiell nach wie vor ein Ende ihrer Teilung. Die Bedingungen für eine Wiedervereinigung kommen ihnen aber immer verschwommener vor. Die meisten Menschen kennen lediglich ein paar Schlagworte aus dem Plan von UN-Generalsekretär Annan. Sie fühlen sich verunsichert und deshalb ist der Wille zur Wiedervereinigung in den vergangenen Monaten schwächer geworden. Denn das Ende der Trennung wird beiden Seiten Opfer abverlangen.

Zypern: Treffen mit Denktash, Papadopoulos und Alvaro De Soto

Denktash, Papadopoulos und und UN-Sonderbeautragter Alvaro De Soto am 22.3.2004.

Die griechischen Zyprer, die 1974 Haus und Hof verlassen mussten, um ihr Leben zu retten, werden ihren Besitz nicht ohne weiteres zurückerhalten. Außerdem sollen sich Name, Flagge und Hymne ändern: "Wir wollten eine Wiedervereinigung, aber so nicht. Das wäre ja, als ob wir unsere Tradition aufgeben würden. Wir wollen jetzt lieber den Status behalten, den wir haben", erklärt etwa die 18-jährige griechisch-zyprische Andrey Courdai.

Die große Ungewissheit

Die türkischen Zyprer wissen auch nicht so genau, was auf sie zukommt. Sie sollen bestimmte Gebiete räumen. Denn das türkisch kontrollierte Territorium wird sich von 38 auf 28 Prozent der Fläche verringern. Etwa 90.000 vertriebene Griechen könnten künftig in diese Regionen zurückkehren. Ob die Menschen im Norden das Referendum zur Wiedervereinigung mit Ja beantworten, ist zweifelhaft.

Schuld an der Verunsicherung sind die Verhandlungsführer Rauf Denktasch für die Zypern-Türken und Tassos Papadopoulos für die Zypern-Griechen, die ab und an mit versteinerter Miene vor die Presse getreten sind und die jeweils andere Seite beschuldigten, nicht flexibel genug zu sein und letztlich die Wiedervereinigung nicht zu wollen. Dabei wurden weder die Punkte mitgeteilt, über die man sich bereits einig ist, noch Einzelheiten, über die noch gestritten wird.

Vielschichtiges Problem

Dieses Spiel gehört zur Verhandlungstaktik, erklärt der Bürgermeister des türkischen Teils von Zyperns Inselhaupstadt Nikosia, Kutlay Erk: "Das Zypern-Problem ist ein altes, vielschichtiges Problem. Man sollte von den Verhandlungen nicht erwarten, dass sie ohne Krise ablaufen. Jede Partei setzt sich zunächst für die Interessen des eigenen Teilstaates ein. Das ist ganz legitim. Aber am Ende wird es eine Lösung geben." Erk ist dennoch fest davon überzeugt, dass die Mehrheit im Norden am 20. April für die Wiedervereinigung stimmt.

Umfragen zufolge sprechen sich derzeit aber nur 20 bis 30 Prozent der 750.000 Insel-Griechen für eine Vereinigung nach dem Plan von UN-Generalsekretär Annan aus, weiß Katie Clerides von der "Demokratischen Sammlungsbewegung" Südzyperns: "Die Nein-Stimmen überwiegen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Bevölkerung nicht genau weiß, was sich hinter dem Annan-Plan versteckt. Es gibt eine ganze Reihe von Bereichen, worüber sich die Leute nicht im Klaren sind. Zum Beispiel die Entschädigungen. Sie befürchten, dass die Dinge, die ihnen als Entschädigung versprochen werden, auf lange Sicht keinen Wert haben."

Informationsmagel

Die Menschen leiden tatsächlich unter Informationsmangel - nicht nur was die Frage der Entschädigungen angeht. Sie fürchten vor allem, dass große Teile der türkischen Armee mit dem Recht zu intervenieren auf der Insel stationiert bleiben - was so nicht stimmt. Die verantwortlichen Politiker verstehen es aber augenscheinlich nicht, den Annan-Plan transparent zu machen. Und so kursieren eben Gerüchte - die den gesamten Wiedervereinigungsprozess zunichte machen könnten.

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