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Fußball

FC Bayern gewinnt DFB-Pokal-Finale

Die beiden besten deutschen Mannschaften liefern sich ein bis zum Schluss offenes DFB-Pokal-Endspiel. Die Entscheidung fällt erst im Elfmeterschießen. Der BVB verliert damit das dritte Endspiel in Folge.

Die Dortmunder Fankurve war mucksmäuschenstill. Vor der mächtigen schwarz-gelben Kurve im Berliner Olympiastadion war soeben nach langen 120 Minuten und dem Elfmeterschießen die Entscheidung gefallen - im 73. deutschen Pokalfinale. Mit 4:3 (0:0) n.E. setzte sich der deutsche Fußballmeister FC Bayern München gegen seinen schärfsten Rivalen Borussia Dortmund durch. Für den BVB war es das dritte verlorene DFB-Pokalfinale in Folge, für die Bayern der 18. Titel und das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Für das Bild des Abends sorgte der scheidende FCB-Trainer Pep Guardiola, der den Klub nach der Saison in Richtung Manchester City verlässt: Ungewohnt emotional ging er in die Knie und verdrückte ein Tränchen, bevor ihn die Spieler hochleben ließen. "Vorher muss er seinen Beruf machen, nun kann er auch mal Mensch sein", kommentierte Thomas Müller den Gefühlsausbruch seines Coachs beim Fernsehsender Sky.

Douglas Costa verwandelte den entscheidenden Elfmeter für die Bayern, außerdem trafen Arturo Vidal, Robert Lewandowski und Thomas Müller vom Punkt. Joshua Kimmichs Strafschuss wurde von BVB-Keeper Roman Bürki gehalten. Für Dortmund waren Shinji Kagawa, Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus erfolgreich. Sven Benders Schuss konnte Manuel Neuer parieren, Sokratis' Schuss ging an den Pfosten.

"Es ist enorm bitter. Wir haben alles dafür getan, dass sie kein Tor schießen", resümierte der enttäuschte BVB-Keeper Bürki. "Es war Pech. Manuel hat die richtige Ecke geahnt." Trainer Thomas Tuchel resümierte: "Wir haben erwartet, dass wir das Spiel gewinnen. Das haben wir nicht geschafft. Nach der Niederlage gegen Liverpool ist das eine erneute Enttäuschung. Es gibt viele Schlüsse zu ziehen." Der sichtlich enttäuschte Coach haderte mit sich selbst: "Ich konnte beim Elfmeterschießen nicht hinsehen. Ich ärgere mich, dass ich so lange gebraucht habe, um mich festzulegen. Es ist mein Fehler gewesen, ich hätte andere bestimmen sollen."

Halbzeit eins: Viel Taktik, keine Tore

Das mit 74.322 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion strahlte zuvor bei bestem Fußballwetter in den Vereinsfarben beider Teams in rot-weiß und schwarz-gelb. Die Fans beider Lager hatten weitestgehend friedlich die deutsche Hauptstadt erobert, die stimmgewaltigen Dortmunder waren dabei wieder einmal deutlich in der Überzahl. Es sollte ein langer Pokalabend werden, das deutete sich bereits in der ersten Halbzeit an - Thomas Müller hatte in den ersten 20 Minuten zwei gute Chancen, verzog aber jeweils. Ansonsten war es ein sehr ausgeglichenes Spiel zweier Teams auf Augenhöhe, das lange von der Taktik geprägt war.

Guardiola hatte zunächst mit einer Personalie überrascht: Ins Abwehrzentrum beorderte er Nationalspieler Kimmich neben Weltmeister Jérôme Boateng, Javi Martínez stand verletzt nicht im Kader. Nur zuschauen konnten die verletzten Bayern-Kollegen Arjen Robben, Mario Götze und Holger Badstuber sowie der Dortmunder Ilkay Gündogan. Sie sahen im ersten Durchgang keine Tore, dafür erhitzte Gemüter. Franck Ribéry geriet etwa mit Gonzalo Castro aneinander, fasste den Dortmunder sogar ins Gesicht - beide wurden mit der Gelben Karte bestraft.

Halbzeit zwei: Spiel nimmt Fahrt auf

Die zweite Halbzeit begann mit einem Knall - aus der Dortmunder Fankurve. Bengalische Feuer wurden gezündet, eine dichte schwarze Rauchwolke verhinderte den pünktlichen Beginn des zweiten Durchgangs, denn Schiedsrichter Marco Fritz wartete solange ab, bis die Sicht wieder frei war. Danach waren gerade einmal sechs Minuten gespielt, als das DFB-Pokalfinale so richtig in Schwung kam: Mats Hummels rettete in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Torschützenkönig Robert Lewandowski. Eine Minute später sorgte Thiago Alcantara für rasende Herzen, als er aus zwei Metern über das Tor schoss - allerdings aus einer Abseitsposition heraus. Der FC Bayern kam durch Müller zur nächsten Chance, bevor auch der BVB einen ersten gefährlichen Konter fuhr: Marco Reus bediente den schnellen Pierre-Emerick Aubameyang, der den Ball aus zwölf Metern über das Tor jagte.

Deutschland DFB Pokal Finale FC Bayern München - Borussia Dortmund (Foto: Reuters/H. Hanschke)

Bitter für den BVB: Es war die dritte Niederlage nacheinander im DFB-Pokalfinale

Nun stieg auch die Stimmung im Stadion. Einmal mehr war es Hummels, der Schlimmeres für seine Dortmunder verhinderte: Müller war in der 65. Minute schon allein auf dem Weg zum Tor von Roman Bürki, da störte ihn Hummels mit einer präzisen Grätsche entscheidend, der anschließende Schuss von Lewandowski ging knapp über das Tor. Eine weitere Grätsche gegen Ribéry kostete Hummels dann das Spielende: Angeschlagen und mit einer Gelben Karten vorbelastet, musste er in der 78. Minute ausgewechselt werden - konsterniert verließ der BVB-Spielführer nach tadelloser Leistung den Platz. Sein großer Wunsch, keine Spekulationen zu nähren, mit dem Kopf schon beim deutschen Meister zu sein, wurde ihm immerhin erfüllt. Von der Bank aus verfolgte er dann die nächste Großchance seiner Mannschaft: Nach einem großartigen Sololauf des Griechen Sokratis kam der Ball zu Aubameyang, der den Ball aus aussichtsreicher Position über das Tor schoss.

Entscheidung im Elfmeterschießen

In der Verlängerung wurde dann vor allem eines deutlich: Die Saison war lang, das Finale äußerst kraftraubend. Gleich mehrere Spieler dehnten sich bei jeder Spielunterbrechung und versuchten, die schmerzenden Muskeln zu entlasten. Dann brachen die letzten Minuten an. Der FC Bayern, der spät gewechselt hatte, übernahm die Initiative. Bürki rettete mit einer weiteren Parade das 0:0, während Aubameyang Krämpfe plagten. Sokratis setzte gegen den frisch eingewechselten flinken Kingsley Coman noch einmal geschickt den Körper ein und so schleppte sich der BVB irgendwie ins Elfmeterschießen, wo schließlich der FC Bayern die Oberhand behielt.

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