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Nahost

Faruk Husni zeigt Reue

Der umstrittene ägyptische Kandidat für die Nachfolge von UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura hat für seine anti-israelischen Äußerungen um Verzeihung gebeten.

Ägyptens Kulturminister Faruk Husni, Foto: ap

Bittet um Verzeihung: Faruk Husni

Er verstehe, dass die Vorwürfe schockiert hätten, schreibt Faruk Husni in einem Gastbeitrag in der französischen Tageszeitung "Le Monde" vom Donnerstag (28.05.08). Er bedauere seine Worte. Sie entsprächen nicht dem, woran er glaube. "Nichts ist mir fremder als Rassismus (...) oder der Wille, sich verletzend über die jüdische Kultur oder eine andere Kultur zu äußern", heißt es in dem Artikel. Er sei ein "Mann des Friedens", schreibt der ägyptische Kulturminister.

Ägyptens Kulturminister Faruk Husni, Foto: dpa

Hat Husni von Bücherverbrennung gesprochen oder nicht?

Husni hatte im vergangenen Jahr im ägyptischen Parlament unter anderem die Verbrennung israelischer Bücher befürwortet. "Bring mir diese Bücher, und wenn es sie gibt, werde ich sie vor deinen Augen verbrennen", sagte er einem Abgeordneten, der die Sorge äußerte, in der Bibliothek von Alexandria könnten auch hebräische Bücher stehen.

Verspätete Aufregung

Schon lange war Husnis Kandidatur für den Posten des Generaldirektors der UNESCO bekannt. Aufmerksamkeit hatten seine Äußerungen aber erst erregt, nachdem Mitte Mai die französischen Intellektuellen Bernard-Henri Lévy und Claude Lanzmann sowie der amerikanische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel in einem Gastbeitrag in "Le Monde" Husni als "geistigen Brandstifter" bezeichnet hatten. Husni habe unter anderem öffentlich erklärt, dass die israelische Kultur aggressiv, rassistisch und überheblich sei, schrieben sie.

In Deutschland hatte sich in den vergangenen Tagen ein parteiübergreifender Widerstand gegen Husnis mögliche Wahl formiert. Auch der Deutsche Kulturrat und der Zentralrat der Juden in Deutschland warnten davor, den ägyptischen Kulturminister zu wählen. Israel hat hingegen seine Kampagne gegen die Kandidatur des ägyptischen Kulturministers bereits beendet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu traf mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak eine entsprechende Abmachung.

Noch mehr Kandidaten

Aktueller UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura (Archiv, ap)

Wer wird Nachfolger von Koichiro Matsuura?

In der UNESCO-Verwaltung stößt die Aufregung auf Unverständnis: "Es gibt sieben Kandidaten, die bekannt sind. Und es können bis zum 31. Mai noch weitere dazukommen", sagte Sprecherin Sue Williams. Neben Ägypten haben Litauen, Bulgarien, Tansania, Algerien und Benin Bewerber ins Rennen geschickt. Auch Russlands russischer Vize-Außenminister Alexander Jakowenko hat sich beworben. Im Gespräch sei auch, dass Österreich seine EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner antreten lasse, sagte Williams. Zudem soll es möglicherweise einen schwedischen Kandidaten geben.

Die Aufregung um Husni ist offensichtlich darauf zurückzuführen, dass er als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt. Ägypten soll sich bereits die Unterstützung von Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien gesichert haben. Auch afrikanische Staaten und Brasilien haben sich intern für ihn ausgesprochen, heißt es von Seiten der UNESCO. Die Bundesregierung hält sich ihre Entscheidung noch offen. "Wir werden das Ende der Frist abwarten und das Bewerberfeld dann sorgfältig sondieren", teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Die Frist für die Einreichung von Kandidaturvorschlägen endet am 31. Mai. Die offizielle Kandidatenliste soll bis zum 8. Juni veröffentlicht werden. Der UNESCO-Exekutivrat, der sich aus 58 Vertretern der Mitgliedsstaaten zusammensetzt, soll im September einen Bewerber empfehlen, über den dann in der Generalkonferenz mit allen 193 Mitgliedsstaaten im Oktober abgestimmt wird. (ina/HF/aa/dpa)

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