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Politik

FARC-Rebellen lassen Geiseln frei

Die linksgerichteten FARC-Rebellen in Kolumbien haben vier Geiseln auf freien Fuß gesetzt. In Kürze sollen zwei weitere Verschleppte freikommen. Regierungsberater Gaviria sieht die Guerilla vor der Kapitulation.

Die freigelassenen Geiseln Walter Lozano, links, und Alexis Torres, rechts, beim Verlassens des Hubschraubers in Villavicencio (Photo: ap)

Die freigelassenen Geiseln Walter Lozano (l.) und Alexis Torres (r.) bei ihrer Ankunft in Villavicencio

An einem unbekannten Ort in den Urwäldern im Süden Kolumbiens wurden die drei 2007 entführten Polizisten Walter Lozano, Juan Fernando Galicia und Alexis Torres sowie der Soldat William Dominguez Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz und von regierungsunabhängigen Organisationen übergeben. Brasilien hatte für die Aktion von Sonntag (1.2.2009) zwei Hubschrauber gestellt. Angehörige, die in der Stadt Villavicencio - 90 Kilometer östlich von Bogotá - auf die Freigelassenen warteten, feierten die Nachricht mit Tränen und Jubel.

Freigelassene bei guter Gesundheit

"Wir müssen für alle Gefangenen kämpfen, die im Dschungel bleiben, und zusammen müssen wir sie retten", sagte der Soldat Dominguez Castro, der im Januar 2007 von FARC-Rebellen entführt worden war. "Es waren 20 extrem harte Monate", erklärte der 27-jährige Polizist Galicia zu seiner Geiselhaft.

Kolumbiens Präsident Uribe (r.) und die Freigelassenen vor Journalisten in Bogotá(Foto: ap)

Kolumbiens Präsident Uribe (r.) und die Freigelassenen vor Journalisten in Bogotá

Die brasilianischen Hubschrauber waren in der südlichen Stadt Florencia gestartet. Die genauen Angaben zum Ort der Übergabe erhielten die Piloten erst bei einer Zwischenlandung in der Stadt San José de Guaviare von der mitfliegenden oppositionellen Senatorin Piedad Córdoba. Sie soll wie schon vor einem Jahr auch diese Freilassung vermittelt haben.

EU fordert Freilassung aller Geiseln

Die so genannten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) wollen in Kürze zwei weitere Verschleppte freilassen: den 2001 entführten damaligen Gouverneur des Departements Meta, Alan Jara, und den 2002 gekidnappten Ex-Abgeordneten Sigifredo López. Insgesamt haben die Guerilleros nach Einschätzung der Regierung noch mehrere hundert Menschen in ihrer Gewalt. Die Europäische Union rief die Rebellen-Gruppe auf, sämtliche Geiseln unverzüglich auf freien Fuß zu setzen. Die Entführungen seien ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte, betonte Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner in Brüssel.

Ingrid Betancourt und ihre Kinder im Juli 2008 (Foto: ap)

Ingrid Betancourt und ihre Kinder im Juli 2008

Eine der prominentesten FARC-Gefangenen, die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt, war bei einer kolumbianischen Geheimdienstaktion im Juli 2008 nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft befreit worden. Dies war ein weiterer Schlag gegen die FARC, die bereits durch den Tod ihres Vizechefs Raúl Reyes bei einem Angriff der kolumbianischen Armee geschwächt worden war. Außerdem desertierten in den vergangenen Monaten immer wieder FARC-Kämpfer.

Taktik oder Bereitschaft zum Kompromiss?

Der Direktor der kommunistischen Wochenzeitung "Voz", Carlos Lozano, sieht in dem jüngsten Schritt der FARC eine neue Bereitschaft der ältesten und größten Rebellengruppe des Landes zum Kompromiss mit der Regierung. Dagegen meint José Obdulio Gaviria, Berater des konservativen kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe, den "Beginn einer Kapitulation" erkennen zu können. Für Uribe selbst ist die Geiselfreilassung nur ein plumper Schachzug der FARC, um der Bevölkerung angesichts der näher rückenden Präsidentenwahl im Jahr 2010 Gesprächsbereitschaft und Kompromisswillen vorzugaukeln. "Der Wahlkampf beginnt und die FARC-Rebellen wollen wieder alle betrügen, indem sie vom Dialog reden. Darauf ist das Land schon oft genug hereingefallen, aber dieses Mal nicht", sagte der Staatschef.

Anschlag in Cali

Bei einem Autobombenanschlag mutmaßlicher FARC-Kämpfer sind am Montag in Cali zwei Menschen getötet und 18 verletzt worden, darunter sechs Kinder. Wie ein Behördensprecher mitteilte, wurden Polizisten wegen eines angeblichen Feueralarms zum Tatort gelockt. Dann zündete der Attentäter, der später von Sicherheitskräften erschossen wurde, den in einem Fahrzeug versteckten Sprengsatz. (se)

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