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Kultur

Falsche Chalets

Denken Sie mal an die Schweiz. Die Luft riecht frisch. Ein Bächlein plätschert. Nur mit der Sennhütte auf der Alm stimmt was nicht. Fenster und Türen sind aufgemalt. Dahinter: ein massiver Betonbunker.

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Alles nur Fassade?!

Ob rustikaler Fensterladen, Dachrinne oder geraffte Gardine - alles hier ist nur gemalt. Auch der Balkon lässt sich mit zwei Handgriffen ablösen. Zum Vorschein kommt dann eine Schießscharte. Der Fotograf Christian Schwager hat in der Schweiz mehr als hundert getarnte Bunker fotografiert. 134 kuriose Bauten sind in dem Bildband "Falsche Chalets" der Schweizer Edition Patrick Frey zu bestaunen.

Streng geheim

Eigentlich könnten seine Fotos auch einem Werbeprospekt für die Schweiz entspringen. Vor Alpenpanorama sehen wir vermeintliche Wohnhäuser, Ställe und Schuppen. Schön sieht das aus. Ein bisschen langweilig zwar, aber auf den Fotos scheint meistens die Sonne. Man bekommt Lust dort herumzuspazieren. Beim zweiten Blick erst erkennt man, dass ab und zu auch mal ein Kanonenrohr aus einem vermeintlichen Stall herausschaut.

Bunker - Christian Schwager Falsche Chalets

Ab und zu schaut ein Kanonenrohr hervor

Jahrzehntelang waren die getarnten Bunker streng geheim. Erst mit der Reform "Armee 95" verloren rund 14.000 militärische Objekte wie Panzergräben, Unterstände und Bunker ihre Bedeutung. Gebaut von 1941 bis zum Ende des Ost-West-Konflikts sollten die Bauten die Landesverteidigung garantieren. Um weder potentziellen Feinden noch der Heerschar der Touristen ins Auge zu stechen, wurden sie der Umgebung angepasst.

Alles nur aufgemalt

Mit der Baurealität der jeweiligen Umgebung ging das Militär in den 1950er Jahren verhältnismäßig salopp um. Die vom Technischen Dienst der Festungswachtkoprs rekrutierten Maurer, Schlosser und Maler versuchten sich mal mehr und mal weniger geschickt an der Kopie echter Bauwerke. So kamen die auf Betonwände gemalten Fenster durch Klarlack zu einem gewissen Glanz. Der Fantasie für die liebevolle Detailgestaltung wurden kaum Grenzen gesetzt. Hauptsache, der Bunker sah am Ende vollkommen unscheinbar aus.

Bunker - Christian Schwager Falsche Chalets

Heute wirken die militärischen Bauten unfreiwillig komisch. Alles sieht friedlich und verspielt aus. Schwer vorstellbar, wie eine Nutzung der Festungsbauten im Ernstfall ausgesehen hätte. Die Zukunft der historischen Relikte ist ungewiss. Gebaut ohne zivile Genehmigungsverfahren, kommt eine private Nutzung meist nicht in Frage. Einige Bunker dienen heute als Museum. Ein Abriss der übrigen kommt nicht in Frage. Das wäre viel zu teuer. Schließlich sind die Bunker aus meterdickem Beton gebaut.

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