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Reise

Going Underground: Berlin von unten

Bunker, Tunnel und Gewölbe locken immer mehr Menschen in die Welt unter dem Asphalt der Hauptstadt Berlin. Was macht die Unterwelt so faszinierend?

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Seit langem gelten die geheimnisumwobenen Katakomben von Paris und Rom als Touristenattraktion. Bereits in den 1980er Jahren erkundete die Pariser Jugendszene die Welt unter Tage. Die ersten Entdecker der Berliner Unterwelt kommen aus der Technoszene, die dort seit Mitte der 1990er Jahre ihre Partys feierte. Inzwischen zieht es ein breites Publikum unter die Erde.

Die Besucher strömen

Der Verein "Berliner Unterwelten" vermeldet einen starken Anstieg der Besucherzahlen. Jeden Samstag gehen 200 bis 300 Personen bei Führungen in die Bunkeranlagen Gesundbrunnen und Am Blochplatz. Die Schutzräume stammen aus dem Zweiten Weltkrieg.

"Wir vermuten, dass die Menschen Berlin von unten kennen lernen wollen, weil sich die Stadt an der Oberfläche so schnell verändert", sagt Referent und Gründungsmitglied Reiner Janick. Was sie dort finden? Labyrinthe aus kahlen Räumen und Gängen mit kalten Betonwänden. Damals zeigten selbstleuchtende Phosphorstreifen bei Stromausfall den Weg.

Berliner Geschichte unterirdisch

Manch einer, der sich häufiger als ihm lieb war, im Luftschutzbunker aufhalten musste, kehrt sicher nicht zurück an die Orte der Angst. Den neugierigen Nachgeborenen wird jedoch einiges geboten. Darfür muss man nicht immer unter die Erde. In der Ausstellung "The Story of Berlin" im KuDamm-Karree können Besuchern in einem Atomschutz-Bunker einen Blick in die Unterwelt werfen. Die intakte Anlage von 1972 kann im Notfall 3500 Menschen aufnehmen. "Seit den Anschlägen in Amerika vom 11. September 2001 gehen die Menschen viel ernsthafter mit dem Thema um", sagt die Geschäftsführerin der Ausstellung, Heike Hachmeister.

Eine steigende Nachfrage nach der Berliner Unterwelt registriert auch Eberhard Elfert mit seiner "Kulturmanagement"-Agentur. Er organisiert Führungen und Veranstaltungen unter den Straßen Berlins. "Die Menschen fasziniert es, wenn an manchen Orten die Zeit stehen geblieben ist", sagt Elfert. Viele suchen ein Refugium in hektischen Zeiten.

Nachts durch die Kanalisation

Sogar die Berliner Verkehrs- und Wasserbetriebe spüren das wachsende Interesse an ihren unterirdischen Röhren. Die nächtlichen Tunnelwanderungen sind oft ausgebucht. Lange Wartezeiten nehmen die Besucher auch in Kauf, wenn sie einmal im Jahr bei der Reinigung der Kanäle zuschauen dürfen. "Meine Theorie ist, dass sich der Städter besonders für das interessiert, was er durch die zunehmende Technik nicht mehr richtig versteht", sagt der Pressesprecher der Wasserbetriebe, Stephan Natz. (cg)

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