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Aktuell Kultur

Fall Gurlitt: Experte will Kunstraub-Fonds

Mehr Transparenz in Sachen Raubkunst: Das haben Kunst-Experten in München auch von Sammlern und Auktionshäusern gefordert. Ein Fonds könnte langfristig wichtige Provenienz-Forschung in Deutschland sichern.

Die Idee ist kühn: Kunsthandel und Sammler sollen in einen Kunstraub-Fonds einzahlen, damit mehr Geld für die Herkunftsforschung von Gemälden und Kunstgegenständen zur Verfügung steht - analog zum Zwangsarbeiter-Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft. Unterbreitet hat diesen Vorschlag jetzt der Raubkunst-Experte Uwe Hartmann auf einer Fachtagung in München, Veranstalter war das dortige Zentralinstitut für Kunstgeschichte.

Mit dem eingezahlten Geld könnten auch aus Sicht der Kulturpolitikerin Isabel Pfeiffer-Poensgen dringend benötigte Stellen für Provenienzforscher geschaffen werden. Bisher bekommen Herkunftsforscher an Museen nur befristete Arbeitsverträge. Auch Wissenschaftler und Provenienzforscher aus Frankreich, Österreich und den USA nahmen an der Tagung teil, der Hörsaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Grund für das große Interesse dürfte sein, der das Interesse auch an der langwierigen Provenienzforschung in die Höhe schnellen ließ.

Zentrale Koordination

Ingeborg Berggreen-Merkel, Leiterin der Taskforce Schwabinger Kunstfund auf der Raubkunsttagung am 30.6.2014 in München(Foto: DW/ H. Mund)

Die Leiterin der Taskforce "Schwabinger Kunstfund", Ingeborg Berggreen-Merkel

Die Bundesregierung habe die finanzielle Förderung der Provenienzforschung deutlich erhöht, betonte die Leiterin der Taskforce "Schwabinger Kunstraub" Ingeborg Bergreen-Merkel bei ihrem Vortrag. Insgesamt seien zusätzlich vier Millionen Euro bereitgestellt worden. Außerdem werde ein neues "Zentrum für Kulturgutverluste" die bundesweite Forschung bündeln und ab 2015 als zentrale Anlaufstelle für Anfragen aus dem Ausland zur Verfügung stehen.

Die politischen Weichen dafür würden noch vor der Sommerpause des Bundestages gestellt, versprach Isabel Pfeiffer-Poensgen. Die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder zog ein positives Fazit auf der Tagung: Der Fall Gurlitt habe das öffentliche Interesse an der wichtigen Herkunftsforschung deutlich gesteigert. Es gebe mehr Forschungsanfragen, mehr Offenheit der öffentlichen Museen und Sammlungen, ihre Depots auf Raubkunst hin untersuchen zu lassen. "Es bedurfte natürlich eines gewissen Drucks aus dem Ausland", fügte sie hinzu und präsentierte beeindruckende Zahlen: Seit 2008 seien 145 Forschungsprojekte ermöglicht und erfolgreich abgeschlossen worden. 90.000 Gemälde und Kunstgegenstände wurden auf ihre Herkunft untersucht, ebenso wie eine Million Bücher und Antiquaria.

Fassade der ehemaligen NSDAP-Parteizentrale in München. Heute hat hier das Zentralinstitut für Kunstgeschichte seinen Sitz

Geschichtsträchtiger Ort: früher Parteizentrale der Nazipartei NSDAP, heute beherbergt er Universitätsinstitute

Pfeiffer-Poensgen forderte auf der Tagung, die im Gebäude des ehemaligen NSDAP-Parteizentrums in München stattfand, ein größeres Engagement der deutschen Auktionshäuser und Kunsthändler bei der Suche nach Nazi-Raubkunst. "Leider sind die Türen des Kunsthandels für die Forscher oft verschlossen. Wenn er seine Türen öffnen würde, wäre das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft."

hm/hz (dpa)

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