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Berlin Blog

Fahrrad, Tram, E-Auto - warum E-Mobilität in Berlin noch keine Chance hat

Unser Autor war das erste Mal mit dem E-Auto in Berlin unterwegs. Nun fragt er sich, warum nicht alle diese Wagen fahren. So viel vorweg: Es hat nicht nur mit deren Reichweite zu tun.

Kürzlich habe ich was relativ irres gemacht. Weil es mal wieder geregnet hat, war ich nicht mit dem Fahrrad, sondern mit der Straßenbahn in der Stadt unterwegs. Ich fahre sonst eigentlich immer mit dem Rad, wie vor einiger Zeit schon beschrieben.

Außerdem nutze ich manchmal Carsharing. In der Bahn scrolle ich also, mir war ein bisschen langweilig, durch die Kartenansicht eines dieser Carsharing-Anbieter. Und was sehe ich? Eine Station weiter steht ein Elektroauto und, nun kommt das eigentlich irre, ich steige aus der Bahn und in das Elektroauto. Ich bin vorher nie eins gefahren. Und das ist doch spannend, oder nicht?

Raus aus der Bahn, rein ins Auto

Was soll ich sagen, es macht einen Heidenspaß. Das auch E-Autos vielleicht, wie Benziner und Diesel-Fahrzeuge, schlecht für's Klima sein sollen, hat mich dabei weniger interessiert. Hinterfragt wurde das erst später, nach einer Studie aus Schweden. Und im Video, das unten an diesem Text zu sehen ist.

Und ich mache das seitdem immer wieder, ich miete mir Elektroautos. Ich bin ein Fan. Warum? Weil die Wagen schnell sind, leise, ein bisschen futuristisch und eben neu. Alles Neue ist reizvoll. Jedenfalls stehen knapp 500 dieser Fahrzeuge heute in Berlin zur Miete zur Verfügung. Im Prinzip hat jeder Anbieter diese Wagen im Angebot. Aber 500? Ist das nicht wahnsinnig wenig?

Wo sind die alle?

Ich frage mich, ob Berlin nicht davon profitieren könnte, mehr E-Autos auf den Straßen zu haben. Stichwort: Schadstoffbelastung in der Luft, Allergien. Aber wo sind die alle? Warum fahren hier nicht viel mehr dieser Spaßbringer?

Es gibt mehrere Gründe dafür und tatsächlich treffen die sogar auf mich zu. Sie verhindern sogar, dass ich mein Geld in einen solchen Wagen investieren, sprich: einen kaufen würde.

Zuerst ist das Problem, dass ich keine Ahnung habe, wo ich so einen Wagen auftanken soll. Mit einem langen Kabel aus dem Küchenfenster runter zur Straße und dann 17 Stunden warten? So wäre das in etwa, würde ich einen e-Golf an meine Haushaltssteckdose stöpseln. Es gibt andere Lösungen, wie Schnellladeboxen für zu Hause. Aber wo soll ich die in einem Mietshaus anbringen? Bleiben also nur die Ladestationen in meiner Umgebung.

Nun wohne ich im Stadtteil Weißensee. In meiner unmittelbaren Nähe scheint eskeine einzige zu geben, im weiteren Umkreis vielleicht fünf und im gesamten Großraum Pankow insgesamt 14. Und das Gebiet ist wirklich groß.

Will ich ein E-Auto? Ja. Würde ich eins kaufen? So nicht.

Ein weiteres Problem ist natürlich die Reichweite. Wenn ich, wie zu Beginn meines Fanseins, aus der Straßenbahn steige und alberne 3 Stationen mit dem E-Auto fahre, weil es Spaß macht, ist das was anderes, als mit einem vergleichbaren Fahrzeug einmal quer durch Deutschland zu fahren. Denn richtig reisetauglich sind wohl die wenigsten Wagen. Ich wünsche mir also so etwas, wie eine eierlegende Wollmilchsau: ein bequemes, schnelles, reichweitenstarkes, erschwingliches und überall ladbares Fahrzeug. Gibt es sowas schon? Ich fürchte nicht.

Denn ginge die Entwicklung in diese Richtung, sähen die Zahlen in Berlin vielleicht etwas anders aus. 2009 gab es nur 22 Elektro-PKW in der Stadt. Heute fahren knapp 1450 herum. Im Vergleich dazu sind aber 1.2 Millionen PKW insgesamt gemeldet.

Als Fan und Fahrer bleibt man also weiter ein Exot. Schade eigentlich.

Video ansehen 02:11

Wirtschaft_plus: provokant. persönlich

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