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Wirtschaft

Facebook-Blues packt Internetbranche

Der Börsengang von Facebook war schon ein Desaster, und der Aktienkurs ist es auch. Von Goldrausch keine Spur, statt dessen gigantische Verluste. Darunter leidet die ganze Branche.

Monitors show the value of the Facebook, Inc. stock during morning trading at the NASDAQ Marketsite in New York June 4, 2012. REUTERS/Eric Thayer (UNITED STATES - Tags: BUSINESS)

USA Wirtschaft Börse Nasdaq will Facebook Anleger entschädigen

Was wurde nicht alles geschrieben vor dem heiß ersehnten Börsengang von Facebook im Mai. Vom Goldrausch in der Internetbranche, bei Anlegern und bei Banken war die Rede. Freunde des weltgrößten sozialen Netzwerks entfachten einen Hype, wie es ihn seit der Dotcom-Euphorie vor der Jahrtausendwende nicht mehr gab. Umso schmerzhafter der Kater nach dem enttäuschenden Debüt an der Wall Street - die Zweifler haben die Oberhand gewonnen. Kann man mit den Geschäftsmodellen von Facebook, dem Schnäppchenportal Groupon oder dem Internetspiele-Anbieter Zynga Geld verdienen? Das können die Silicon-Valley-Konzerne bisher nicht wirklich beantworten. Ernüchterung macht sich breit - schlecht für Unternehmen, die ihre Schlagkraft vor allem aus der Begeisterung ihrer Mitarbeiter, Anteilseigner, Kunden und Nutzer ziehen.

Nächster Tiefschlag?

Treue ist für Facebook gerade jetzt besonders wichtig. Heute (16.08.2012) läuft die Haltefrist für Mitarbeiter-Aktien aus. Werfen auch sie - wie schon andere Aktionäre zuvor - ihre Papiere auf den Markt, dürfte dies die bereits stark gebeutelte Aktie weiter drücken. Bis Jahresende können rund 1,88 Milliarden zusätzliche Aktien von Mitarbeitern in den Handel gebracht werden, am 16. August sind es zunächst etwa 271 Millionen. Ein Facebook-Angestellter kündigte bereits an, wenigstens einen Teil seines Besitzes zu verkaufen: "Die Frage ist: Wie viel?"

Facebook-Papiere haben binnen drei Monaten schon die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Bei ihrem Handelsdebüt Mitte Mai kosteten sie bis zu 45 Dollar, Anfang August waren es nicht einmal mehr 20. Der Börsenwert des Unternehmens von Mark Zuckerberg fiel damit zeitweise um 50 Milliarden Dollar - so viel, wie die Deutsche Telekom derzeit ungefähr insgesamt in die Börsen-Waagschale wirft.

Von Nachhaltigkeit keine Spur

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Mitarbeiter gern davon Gebrauch machen, ihre Aktien nach der vereinbarten Halteperiode zu Geld zu machen. Die Groupon-Aktie etwa brach an dem Tag, als die erste Frist auslief, um neun Prozent ein. Bei Zynga waren es acht Prozent. Bei Facebook kommt noch ins Spiel, dass unklar ist, wie sich die Aktionäre verhalten, die sich noch vor dem IPO am Sekundärmarkt mit Papieren eingedeckt haben - damals noch zu geringeren Preisen als zum Ausgabepreis von 38 Dollar.

Bisher lassen Facebook, Groupon und Zynga eine Antwort darauf vermissen, ob sie dauerhaft stark wachsen können. Groupon enttäuschte erst am Montag wieder mit einem vorsichtigen Gewinnausblick. "Es scheint, als hätten sie nicht genügend Kontrolle über verschiedene Aspekte ihres Geschäfts", sagt Analyst Sameet Sinha. Tim Chang von Mayfield Fund dreht das Rad noch weiter: "Das Beängstigendste ist ein Modell wie bei Groupon, wo der Umsatz leicht erwirtschaftet wird, aber genauso schnell einbrechen kann. Er schnellt in die Höhe, kann aber auch ziemlich schnell wieder verschwinden."

Nicht nur Schwarzmalen

Bisher standen vor allem Risikokapitalgeber geschlossen hinter den Anbietern sozialer Medien. Jene, die früh auf Facebook oder auch den Musikanbieter Pandora Media setzten, haben gut Kasse gemacht. Doch der Blues, der die Branche gepackt hat, führt auch bei ihnen zu Zurückhaltung. "Wir erleben mehr Disziplin bei Investitionen", sagt Sequoia-Capital-Partner Roelof Botha. Kapitalgeber schauten genauer hin, ob eine Firma Wettbewerbsvorteile habe und gäben erst nach umfangreicher Prüfung ihr Geld her.

Reine Schwarzmalerei für die Branche wäre aber auch falsch, denn einige kleinere soziale Medien schlagen sich durchaus gut. Dazu zählen in Deutschland weniger bekannte Firmen wie das Karrierenetzwerk Linkedin, die Immobilien-Bewertungsseite Zillow, der Bewertungs- und Empfehlungsdienst Yelp oder der Software-Anbieter Splunk. Sie machen der Branche Mut, da sich ihre Geschäftsmodelle auszahlen - allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau als Facebook.

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