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Politik & Gesellschaft

Facebook: Big Brother im Netz

Datenschützer warnen vor den Gefällt-mir-Buttons im Netz. Diese registrieren Surfverhalten und Vorlieben und übermitteln diese an die Betreiber Sozialer Netzwerke. Ein alternativer Button missfällt Facebook und Co.

Facebook mit 'Gefällt-mir-nicht-Button' (Grafik: DW)

"Gefällt-mir-nicht"-Buttons erlaubt Facebook nicht

Wer sich im World Wide Web bewegt, hinterlässt eine virtuelle Spur auf jeder Webseite, die er besucht und mit jedem Link, den er anklickt. Registriert werden diese Bewegungen im Internet von kleinen, unauffälligen Buttons, die mittlerweile auf vielen Internetseiten eingebettet sind: Den Gefällt-mir-Buttons. Sie sind meist unter einem Artikel oder Produkt platziert. Möchten Internetbenutzer auf eine Website, die ihnen gefällt, auf ihrem Facebook- oder Twitter-Profil hinweisen, klicken sie einfach auf die Buttons – und die Seite wird auf ihrem Profil verlinkt. Freunde oder Anhänger haben dann Zugriff auf die Seite und müssen die Empfehlung nicht selber im Internet suchen.

Profil-Information für die Werbung

Bildschirm mit Google-Seite (Foto: AP)

Auch Google speichert Daten

Das mag praktisch sein. Verbraucherschützer aber finden wenig Gefallen an den Gefällt-mir-Buttons. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein etwa hat Mitte August alle Stellen in seinem Bundesland aufgefordert, Gefällt-mir-Buttons von sämtlichen Seiten zu entfernen. Denn die Buttons senden Informationen über das Surfverhalten und Vorlieben einzelner Internetnutzer an Facebook, Twitter und Google und zwar egal, ob diese den Button angeklickt haben - oder eben nicht: Solange das Facebook- oder Twitter-Profil in einem anderen Browserfenster geöffnet ist, erhalten die Betreiber der Sozialen Netzwerke sämtliche Informationen darüber, welche Seiten von den Facebook-Nutzern besucht wurden. Wer nach Flügen nach Thailand sucht oder Schuhe kauft, der hat so schnell die passende Werbung auf seinem Facebook-Profil, dass es regelrecht unheimlich ist. Das finden die Datenschützer bedenklich.

Gefällt-mir-Buttons werden in immer mehr Websites eingebaut. Denn die Betreiber versprechen sich mehr Klicks, Aufmerksamkeit und Werbeeinnahmen durch die Verlinkung über die Sozialen Medien. Die Informationen über das Surfverhalten werden zwei Jahre lang gespeichert. Wer sich also heute bei Facebook oder Google anmeldet, der wird sofort mit einer zweijährigen Altlast von Surfgeschichte in Verbindung gebracht. Was Facebook, Twitter und Google mit den Daten machen? Das weiß keiner so genau, bekannt ist nur, dass sie Informationen aus den Nutzerprofilen nach Interessen an Werbekunden verkaufen.

Heise und der 2-Click-Button

Fuß tritt auf Laptop (Foto: Fotalia)

Freiheit im Netz? Die Betreiber schauen zu

Dem Ganzen will der Heise Verlag entgegentreten. Der deutsche Verlag hat Anfang September einen eigenen Button entwickelt, den 2-Click-Button. Dieser ist vom Internet losgelöst, meldet Heise. Wer einen Artikel verlinken möchte, klickt auf den Button. Ein extra Fenster öffnet sich, mit der Information, dass die Daten an Facebook und Twitter gesendet werden. Erst wenn der Nutzer durch einen weiteren Klick seine Zustimmung gibt, wird der Kontakt zu Facebook und Twitter hergestellt – und die Daten gesendet. Daher der Name: 2-Click-Button. Die Bauanleitung für den Button bietet Heise gratis im Internet an.

Facebook legte prompt Beschwerde ein: Der Heise-Button sehe dem Original zu ähnlich. Das Internet-Unternehmen drohte, den 2-Click-Button zu sperren, gar den Verlag gänzlich auf eine Sperrliste zu setzen, erklärte der Heise-Verlag. Folglich hat dieser jetzt den Button umgebaut. Der neue 2-Click-Button gefalle Facebook zwar nicht wirklich, wird Tina Kulow von Facebook Deutschland von Heise zitiert. Aber: "Nur ein Like-Button der grafisch so tut als ob er einer ist, ist nicht ok." Soll heißen: Der Button gefällt nicht, dagegen tun kann Facebook aber erstmal nichts.

Autorin: Naomi Conrad (rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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