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Kultur

Mit Facebook geht viel – auch daneben

Immer wissen, was Freunde gerade machen, Veranstaltungen organisieren und Geld verdienen, das alles geht mit Facebook. Aber inzwischen ist auch eine gewisse Medienkompetenz gefragt, sonst treten unerwünschte Folgen auf.

Facebook-Logo (Foto: dpa)

Die soziale Online-Plattform ist heute längst nicht mehr nur Teil des sozialen Lebens seiner Mitglieder, sondern auch Teil ihres politischen und ökonomischen. US-Präsident Barack Obama setzte Facebook im Jahr 2008 erfolgreich im Präsidentschaftswahlkampf ein, Aktivisten der arabischen Revolutionen in Ägypten und Tunesien nutzten es, um der Zensur zu entgehen und sich zu organisieren.

Thank you Facebook-Straßen-Graffiti in Tunis im April 2011 (Foto: Thomas Rassloff für DW)

Graffiti in Tunis

Auch in Deutschland wird die soziale Plattform längst für die Organisation von politischen und privaten Veranstaltungen genutzt. Am 1. Oktober 2011 soll zum Beispiel ein Gesetz zum Alkoholverbot in Hamburgs U-Bahnhöfen verabschiedet werden, schon jetzt wird auf Facebook zu einer Party gegen das Verbot aufgerufen.

Dass aber alles, was auf diesen Online-Plattformen passiert, auch schnell eine Eigendynamik entwickeln kann, die schwierig zu kontrollieren ist, hat unter anderem eine 16 Jahre alte Schülerin aus Hamburg zu spüren bekommen. Sie hatte vergessen bei einem Post ein Häkchen von "öffentlich" auf "privat" umzusetzen und somit die ganze Facebook-Community zu ihrem Geburtstag in den Stadtpark eingeladen, bei der 2000 Menschen erschienen sind. Facebook hat inzwischen eben eine enorme Reichweite entwickelt. Mit weit mehr als 600 Millionen Mitgliedern, Tendenz steigend, und in mehr als 70 verschiedenen Sprachen verfügbar, hat Facebook seinen festen Platz in der Alltagskommunikation.

Geld verdienen mit einem Klick

Neuerdings können Mitglieder mit einem Klick über Facebook auch Geld verdienen. Über den "Gefällt mir"- Button auf vielen Fanseiten können Facebook-Nutzer Creditpunkte sammeln und diese später in Geld umtauschen. Einen solchen Service bietet unter anderem "fanSlave" an. Der Dienstleister wirbt im Auftrag von Unternehmen Facebook-Mitglieder und bezahlt sie dann dafür, dass sie den "Gefällt-mir"-Button auf den Facebook-Seiten von Unternehmen anklicken. "Wir tun das auch im Interesse der Nutzer. Wir bieten 20-30 Fanseiten täglich an und der User entscheidet, welche er anklickt", sagt Nico Baur, Marketing Chef von fanSlave in Europa. "Der Vorteil für Unternehmen ist, dass alle ihre Informationen auf den Seiten der Fans auftauchen, und die sie dann gegebenenfalls auch an Freunde weitergeben."“

Screenshot Facebook Like button

Daumen hoch - fürs mögen und Geld verdienen

Facebook kann jeder kostenfrei nutzen, aber umsonst ist es trotzdem nicht. Das sei Teil des Deals, so Medienpsychologe Dr. Leonard Reinecke: "Die Plattform wird kostenfrei zur Verfügung gestellt, dadurch verfügt aber der Anbieter über die Nutzerdaten und deren Aufmerksamkeit, die an Werbekunden weiterverkauft werden." Häufig ist dem Facebook-Nutzer aber nicht ganz klar, welche Daten er gerade von sich preis gibt. User können zwar über das Steuerungs-Menü entscheiden, wie öffentlich oder privat ihr Profil sein soll, wer hier was lesen oder sich welche Fotos ansehen kann, aber ständig kommen neue, aktivierte Menü-Punkte hinzu, wie die Gesichtserkennungsfunktion, ohne dass der Nutzer explizit von Facebook darauf hingewiesen wird.

Medienkompetenz für Facebook

Auch die Online-Spiele auf Facebook sind nicht ganz kostenlos. Bei der Nutzung solcher externen Applikationen geht der Nutzer ein Vertragsverhältnis mit Dritten ein, warnt Facebook-Marketing Berater Karl-Heinz Wenzlaff: "Durch die Teilnahme gibt der Nutzer seine Zustimmung an Dritte, dass seine Daten anderweitig benutzt werden dürfen. Er verkauft unwissend seine Daten." Darauf macht Facebook unter seinen Datenschutzrichtlinien zwar aufmerksam, allerdings im Kleingedruckten. Unbewusste Datenübertragung auf solche Partnerseiten können User im Menü "Anwendungen/Websites" unter "umgehende Personalisierung" unterbinden.

Screenshot der Privateinstellungen des sozialen Netzwerks Facebook

Einstellungsoptionen für User

Die Balance zwischen Schutz der Privatsphäre und offenem Austausch mit seinen Freunden, ist die größte Herausforderung für den Facebook-Nutzer. Er muss sein Profil pflegen und die Privatsphäre-Einstellungen kontrollieren. Medienpyschologe Leonard Reinecke ist der Meinung, dass viele Prozesse im Social Web sehr komplex und schwer nachvollziehbar seien und sich an vielen Stellen adäquate Nutzungsformen und Normen verbreiten müssten. Nutzer auf Facebook beginnen die Nutzer aber meist erst ihr Verhalten zu überdenken, wenn sie eine negative Erfahrung gemacht haben, so Reinecke, das seien psychologische Effekte, die auch aus ganz anderen Risikobereichen bekannt seien.

Unangebrachte Inhalte oder Belästigungen auf der eigenen Seite können die Nutzer direkt an Facebook melden. Die Funktionen, die Facebook bietet, kann der Nutzer auch zum Schutz vor Facebook selbst nutzen. Über Veränderungen in den Einstellungen kann er auf seiner Statusmeldung aufmerksam machen. Mit dem Newsletter und anderen Online-Portale kann sich jeder über Entwicklungen auf Facebook informieren. Der Nutzer muss eine Medienkompetenz erwerben, um mit dem Netzwerk sicherheitsbewusst umgehen zu können.

Autorin: Julia Bayer

Redaktion: Marlis Schaum