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Wirtschaft

Exportweltmeister trotzt dem Eurokurs

Rezessionsangst und Leitzinssenkungen lassen den Dollar sinken, doch der hohe Eurokurs macht auch deutschen Unternehmen zu schaffen. Dennoch befürchten Ökonomen keine gravierenden Auswirkungen.

Dollar und Euro-Noten

Der starke Euro schadet dem Export nicht

Der Euro jagt von Rekord zu Rekord. Am Donnerstag (13.03.2008) erreichte er mit einem Kurs von mehr als 1,56 US-Dollar einen erneuten Höchststand. Die Dollarschwäche resultiert aus Befürchtungen einer Rezession in den USA, aber auch aus der Erwartung einer weiteren Leitzinssenkung durch die US-Notenbank. Die Europäische Zentralbank zeigt wegen gestiegener Inflation dagegen keine Bereitschaft, das Zinsniveau zu senken. Das macht Geldanlagen in Europa zunehmend attraktiv.

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, Quelle: AP

Die Europäische Zentralbank denkt noch nicht über eine Zinssenkung nach

Seit dem Ausbruch der amerikanischen Hypothekenkrise im vergangenen Sommer hat der Euro zum Dollar über 20 Cent oder rund 15 Prozent an Wert gewonnen. Was viele USA-Touristen freut, ist für deutsche Unternehmen, die in die USA exportieren ein Problem, weil sich ihre Produkte dadurch verteuern. Große Schlüsselbranchen wie Autohersteller und Maschinenbauer fürchten um ihre Exportchancen. Viele Unternehmen beschleunigen nach Verbandsangaben ihre Pläne für eigene Werke in den USA, um den Wechselkursnachteil auszugleichen.

Der Vorstandsvorsitzende des Flugzeugtriebwerkbauers MTU, Egon Behle, klagt, der sinkende Dollarkurs könne "das Wachstum auf Euro-Basis neutralisieren". Das zeigt sich an den Auftragsbeständen des Unternehmens, die gegenüber 2007 um 0,9 Prozent gesunken sind, bereinigt um den Dollarkurs aber um 5,1 Prozent gestiegen wären.

Kaum Auswirkungen auf den Export

Dennoch erwartet der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) für 2008 trotz des Höhenflugs des Euro und der Finanzmarktprobleme ein Export-Plus von fünf Prozent auf 1017,5 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr war der Wert der Ausfuhren um 8,5 Prozent auf 969 Milliarden Euro gestiegen. Der Euro werde die Exporte in die USA zwar weiter belasten, zugleich werde aber der Einkauf von Vorprodukten billiger. Zum Jahresende erwartet der Verband eine leichte Entspannung und ein Einpendeln des Euro zwischen 1,40 und 1,50 US-Dollar.

Dollar- und Euro-Noten an einem Wechselschalter, Quelle: AP

Tauschgeschäft: Für 15 Dollar bekommt man aktuell rund 10 Euro

Auch bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) sieht man die Auswirkungen als nicht so gravierend an. Schließlich gingen 60 Prozent des deutschen Exports und Handels in andere EU-Länder. "Hier erwarten wir weiterhin eine dynamische Entwicklung", sagt Elfi Schreiber vom bfai. "Die deutschen Ausfuhren in die USA haben sich 2007 um sechs Prozent auf 73,4 Milliarden Euro verringert".

Ölpreis ebenfalls auf Rekordniveau

Unterdessen findet auch der Höhenflug des Ölpreises kein Ende. Der Preis für einen Barrel US-Leichtöl stieg am Donnerstag (13.03.2008) zwischenzeitlich auf den neuen Höchststand von 110,70 Dollar. Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, sieht neben der "sehr, sehr hohen Nachfrage" vor allem "Spekulationen" als treibende Kräfte bei der Ölpreisentwicklung. Sie sieht aber durchaus Vorteile in der Eurostärke: "Wir können nur hoffen, dass erst einmal der US-Dollar so schwach bleibt und wir nicht die volle Wucht der Auswirkungen erleben. Sollte der Ölpreis so hoch bleiben, wird das im zweiten Halbjahr Auswirkungen auf die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland haben". (fmg)

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