Ex-Spion Skripal zu Hause vergiftet | Aktuell Europa | DW | 28.03.2018
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Großbritannien

Ex-Spion Skripal zu Hause vergiftet

An der Haustür des Ex-Doppelagenten in England fand die Polizei "die bislang höchste Konzentration" des Nervengifts. Russland verlangt offiziell Kopien der britischen Ermittlungsakten.

England Giftanschlag auf Sergej Skripal in Salisbury (Getty Images/AFP/G. Caddick)

Ermittler vor Skripals Haus in Salisbury

Der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal ist laut britischen Ermittlern offenbar zu Hause vergiftet worden. Spezialisten hätten dort die höchste Konzentration des Nervengiftes gefunden, teilte die britische Anti-Terror-Einheit mit. Der 66-jährige Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia waren Anfang März bewusstlos auf einer Parkbank in der Stadt Salisbury gefunden worden. Sie werden seither in einem Krankenhaus behandelt.

Spuren des Nervengifts seien auch an anderen Stellen gefunden worden, "aber in geringerer Konzentration" als in Skripals Haus, erklärte die Polizei. Die Ermittler hatten nach dem Mordanschlag die Parkbank, einen Pub und ein Restaurant sowie das Grab von Skripals Ex-Frau abgesperrt und auf Giftspuren überprüft.

Großbritannien macht Russland für den Anschlag verantwortlich. London geht davon aus, dass bei der Tat ein Gift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Die Regierung in Moskau weist jede Verwicklung zurück und spricht von einer massiven Provokation.

Russland verlangt Akteneinsicht

Russische Behörden baten Großbritannien inzwischen offiziell um Einblick in die Ermittlungen zu dem Giftanschlag. Die Tochter des Ex-Agenten, Yulia Skripal, sei russische Staatsbürgerin, hieß es in einer Mitteilung des Staatlichen Ermittlungskomitees in Moskau. Die britischen Behörden wurden aufgefordert, Kopien ihrer Akten zu dem Mordanschlag auf Vater und Tochter zu übermitteln.

Am Mittwoch hatte das Außenministerium in Moskau erneut von Großbritannien verlangt, Beweise zu liefern. Solange diese nicht vorlägen, betrachte Russland den Vorfall als einen "versuchten Anschlag auf das Leben unserer Staatsbürger", hieß es in einer Erklärung.

USA weisen 60 russische Diplomaten aus

Die britische Regierung und 26 weitere Staaten hatten als Reaktion auf das Attentat die Ausreise von insgesamt mehr als 140 russischen Diplomaten angeordnet. Allein Washington verwies 60 russische Geheimdienstler des Landes. Großbritanniens Premierministerin Theresa May begrüßte in einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump die "starke Antwort" der USA und der 26 anderen Staaten, darunter auch Deutschland und Frankreich.

Trump und May gaben als gemeinsamen Ziel an, "russische Spionagenetzwerke" in den USA und Großbritannien zerschlagen zu wollen, "um geheime russische Aktivitäten einzudämmen und weitere Angriffe mit Chemiewaffen auf dem Boden beider Staaten zu verhindern."

jv/jj/kle (dpa, afp, rtr)