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Aktuell Asien

Ex-Minister vor Journalisten verhaftet

Nach dem Putsch in Thailand hat sich erstmals ein ehemaliges Regierungsmitglied gegen die Armee gestellt. Vor Journalisten kündigte Ex-Erziehungsminister Chaturon Widerstand an. Spektakulär ließ er sich abführen.

Mehr als 100 Journalisten und Fotografen waren Zeugen, als die Armee den bis zum Putsch amtierenden thailändischen Erziehungsminister Chaturon Chaisaeng abführte. Chaturon hatte zuvor im Club der Auslandskorrespondenten in Bangkok eine Pressekonferenz gegeben. Der Minister hatte den Journalisten gerade gesagt, dass er der Vorladung der Armee nicht nachkommen werde.

Er rechne mit seiner Verhaftung. "Ich bin bereit, mich vor Gericht zu verantworten", sagte er. Dieser Putsch habe die Demokratie außer Kraft gesetzt, dagegen müsse weiter friedlich Widerstand geleistet werden. Während Chaturon nach der Pressekonferenz thailändischen Journalisten Interviews gab, betraten Soldaten den Raum und nahmen den Politiker fest. Dem ehemaligen Erziehungsminister drohen nun zwei Jahre Haft.

Armee geht hart gegen Elite vor

Der Chef der thailändischen Armee, Prayuth Chan-ocha, hatte nach einem monatelangem Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition geputscht. Der von den Thailändern hoch verehrte König Bhumibol Adulyadej hatte Prayuth zum neuen Regierungschef ernannt. Die Junta griff sofort hart durch: Sie bestellte mehr als 150 Politiker, Aklademiker und Aktivisten zum Rapport. Oppositionsführer Abhisit Vejjajiva wurde mittlerweile wieder freigelassen. Auch die ehemalige Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra ist nach Angaben der Armee wieder auf freiem Fuß.

Viele sind jedoch immer noch in Militärgewahrsam, darunter auch der bekannte Kolumnist Pravit Rojanaphruk. Der Journalist hatte die Verhängung des Kriegsrechts und den Militärputsch scharf verurteilt. Bevor er der Einbestellung Folge leistete, ließ er sich vor dem Armeegebäude mit zugeklebtem Mund fotografieren. Seine Zeitung "The Nation" - eine der großen englischsprachigen Blätter in Bangkok - protestierte und verlangte in einem Brief an die Junta eine öffentliche Erklärung. Das Blatt stehe voll hinter Pravits Artikeln. Wenn es keine Rechtfertigung gebe, solle Pravit sofort freigelassen werden.

cr/SC (dpa, ap, rtr)