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Deutschland

Ex-Bundespräsident Roman Herzog ist tot

Altbundespräsident Roman Herzog ist tot. Der siebte Bundespräsident Deutschlands verstarb im Alter von 82 Jahren. Herzog hatte von 1994 bis 1999 das höchste deutsche Staatsamt inne - der "Ruck" machte ihn berühmt.

"Ein Präsident zum Anfassen wollte ich nie sein, wohl aber ein Präsident zum Ansprechen und zum Verstehen", sagte Roman Herzog bei seiner Abschiedsrede als Bundespräsident am 1. Juli 1999. Verstehen wollte er die Deutschen - und sie gleichzeitig zur Erneuerung ihres Landes auffordern. Das machte er in seiner legendären Ruck-Rede am 26. April 1996 in Berlin deutlich: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen", sagte Herzog. Alle müssten Opfer bringen. "Der Verlust wirtschaftlicher Dynamik, die Erstarrung der Gesellschaft, eine unglaubliche mentale Depression", mit diesen Stichworten fasste Herzog die damalige Krise zusammen. Und er appellierte an die Kraft und den Leistungswillen der Deutschen, sich am eigenen Schopf aus der Krise zu ziehen.

Schwieriger Start

Bei seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 23. Mai 1994 bekam der Kandidat der Union erst im dritten Wahlgang die notwendige Mehrheit gegen den Herausforderer Johannes Rau von der SPD. Es war ein schwerer Start für Herzog. Auch weil er für die CDU/CSU die zweite Wahl war. Ursprünglich hatte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl einen anderen Kandidaten in die Bundesversammlung schicken wollen, den sächsischen Justizminister Steffen Heitmann. Dieser hatte sich jedoch schnell durch bedenkliche Äußerungen zur deutschen Vergangenheit disqualifiziert und aufgrund des öffentlichen Drucks seine Kandidatur zurückgezogen.

Ehemalige Bundespräsidenten (picture-alliance/dpa)

Ex-Staatsoberhaupt Herzog mit Amtskollegen (2010): Horst Köhler (v.l.n.r.), Richard von Weizsäcker und Walter Scheel

Als Roman Herzog nach drei Wahlgängen schließlich Bundespräsident wurde, wandte er sich bewusst an diejenigen, die ihm ihre Stimme aus guten Gründen nicht hätten geben können: "Ich werde mich bemühen, das Amt so zu führen, dass sie es am Ende bereuen, mich nicht gewählt zu haben", sagte er und erntete dafür Gelächter und Applaus.

Bodenständig und nüchtern

Seine unverkrampfte Wortwahl und seine Ironie wurden in seinen Reden zu seinem Markenzeichen. "Er ist nie glamourös geworden, sondern stets bodenständig geblieben", charakterisierte ihn Exkanzler Helmut Schmidt in einer Laudatio 2003. Gleichzeitig sei er aber mutig in seinem Denken und unabhängig gewesen. Und "Roman Herzog konnte sehr nüchtern sich selbst und andere einschätzen", meinte Schmidt.

Herzog wurde 1934 in Landshut in Bayern geboren und trat 1970 als Professor für Staatslehre und Politik in die CDU ein. 1973 ging er in die Politik, zehn Jahre wurde er zum Verfassungsrichter ernannt. Ab 1987 war er Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Auch wenn er sein Leben lang seiner bayerischen Heimat verbunden geblieben sei, "ist er doch gleichzeitig ein Kosmopolit geworden", sagte Helmut Schmidt.

"Ich bitte um Vergebung"

Im Ausland genoss Roman Herzog als Bundespräsident hohes Ansehen. Dort habe er sehr vieles für die internationale Stimmung tun können. "Darauf habe ich immer besonderen Wert gelegt, und das ist auch weitgehend geglückt", sagte Herzog der Deutschen Welle im Mai 1999. Besonders die osteuropäischen Länder lagen ihm am Herzen. Zum 50. Jahrestag des Warschauer Aufstandes gegen das nationalsozialistische Besatzungsregime am 1. August 1994 verneigte er sich, wie er in seiner Rede sagte, vor den Kämpfern des Aufstandes wie vor allen polnischen Opfern des Krieges: "Ich bitte um Vergebung für das, was ihnen von Deutschen angetan worden ist." Damit sprach er vielen Polen aus dem Herzen und erntete weltweit ein positives Echo.

Das Erinnern an die Nazi-Diktatur blieb eines seiner zentralen Anliegen. Anfang Januar 1996 machte er mit der Zustimmung aller Parteien den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. An diesem Tag wurde 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreit, "deshalb meine Mahnung zum Erinnern und zur Weitergabe der Erinnerung", so Herzog am 19. Januar 1996 im Deutschen  Bundestag.

Bei seiner Abschiedsrede als Bundespräsident im Sommer 1999 witzelte er ironisch, dass er absichtlich kein politisches Vermächtnis hinterlassen wolle. Erstens habe er das, was ihm wichtig sei, schon am 24. Mai 1999 im Reichstag zum Ausdruck gebracht, zum 50. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland und zweitens "scheide ich ja heute nur aus dem Amt und nicht aus dem Leben". Jetzt ist Roman Herzog im Alter von 82 Jahren gestorben.

 

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