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Kultur

Evgeny Nikitin: "Ich trug nie ein Hakenkreuz"

Der Bass-Bariton verließ die Bayreuther Festspiele kurz vor der Eröffnung. Der Grund: ein tätowiertes Hakenkreuz auf seiner Brust. Zum ersten Mal nach dem Vorfall spricht der russische Sänger darüber.

Sänger Eugen Nikitin

Bayreuth Festspiele - Ehemaliger Sänger Eugen Nikitin

Deutsche Welle: Ihre Tätowierung hat einen solchen Skandal ausgelöst, weil Sie dadurch in Verbindung mit rechtem Gedankengut gebracht wurden. Haben Sie oder hatten Sie diesbezügliche Verbindungen?

Evgeny Nikitin: Ich war nie im Leben Anhänger irgendeiner politischen Partei oder Gruppierung, weder der rechten noch der linken. Nationalsozialismus in jeglicher Ausprägung ist mir zutiefst zuwider. Ich bitte Sie! Beide meiner Großväter sind schließlich im Zweiten Weltkrieg an der Front gefallen!

Tattoo-Skizze

Dieses Bild soll die Skizze der umstrittenen Tätowierung sein. Es stammt vom 23.Juli 2012 - vom Petersburger Mariinsky Theater, wo Nikitin arbeitet.

Was bedeutet denn diese Tätowierung?

Sie hatte nie etwas mit dem Hakenkreuz zu tun. Das sollte ein achteckiger Stern werden, mit einem Wappen in der Mitte. Das Wappen habe ich mir selbst ausgedacht. Diese Tätowierung haben wir aber in mehreren Etappen gemacht: erst das Wappen, dann, Schritt für Schritt, den Stern drum herum. Der Stern besteht aus zwei überlappenden Quadraten. Die haben eben eine so große Fläche, dass wenn man sie auf einmal tätowieren lässt, es einfach weh tut. So wurde das Motiv über längere Zeit, Streifen für Streifen, tätowiert. Und auf einer der Etappen hätte man mit viel Fantasie die künftigen Strahlen dieses Sterns als Teile eines Hakenkreuzes interpretieren können. Aber, wie gesagt: Das war ein Zwischenstand. Es war nie als Hakenkreuz gedacht, das sieht man auch auf neueren Fotos.

Sie trugen also nie ein Hakenkreuz auf der Haut?

Auf gar keinen Fall. So etwas wollte ich nie, und erst recht hätte ich nie mit einem Hakenkreuz vor der Kamera posiert! Auch der neue "russische Faschismus" ist mir verhasst. Ich bin ein Künstler, ein Opernsänger, kein Neonazi.

Sänger Eugen Nikitin mit einem Wappen-Tattoo, das dort zu sehen ist, wo vorher das umstrittene Tattoo zu sehen war

Auch dieses Bild veröffentlichte das Mariinsky-Theater

In Ihrer jüngst veröffentlichten Erklärung sprachen Sie jedoch von "Jugendsünden" und "größter Blödheit“ in ihrem Leben. Von welchen "Sünden" war denn die Rede, wenn Sie keine begangen haben?

Mit "Jugendsünden" meinte ich, dass ich überhaupt mit den Tätowierungen angefangen habe. Das war eine große Torheit, unter der ich jetzt sehr leide. Ich hätte die heute alle am liebsten weggemacht.

Wenn Sie aber keine Schuld tragen: Warum entschuldigen Sie sich? Warum haben Sie ihren Vertrag gekündigt und Bayreuth verlassen?

Alles ging blitzschnell, die Ereignisse entwickelten sich rasend. Ich glaube, die Entscheidung, die wir an jenem Morgen getroffen haben, war die optimale für den Moment. Meine Erklärung haben wir selbst zusammengestellt mit dem Festspielbüro.

Wer war an dieser Geschichte interessiert?

Diejenigen, die die Bayreuther Festspiele und die Festspielleitung schädigen wollten. Vielleicht auch sonst jemand, ich weiß es nicht.

Nikitin mit einem Tattoo auf der rechten Brust, das an ein Hakenkreuz erinnert.

Dieses Bild aus der ZDF-Sendung "Aspekte" löste die Debatte aus

Gab es künstlerische Probleme während der Arbeit? Streit mit dem Regieteam etwa?

Nein, es gab keine Probleme. Ich glaube, es ist uns mit Jan Philipp Gloger eine wunderbare Inszenierung gelungen, und ich wünsche allen Kollegen, auch Katharina und Eva Wagner und Christian Thielemann, sehr viel Erfolg!

Hatte die Festspielleitung die Bilder Ihrer Tattoos vorher gesehen? Wurde mit ihr darüber gesprochen?

Auf eine Bitte des Festivals habe ich sämtliches "Bildmaterial" an meinem Körper (und das ist ja einiges) abfotografiert und ihnen übersandt. Die wollten es bei der Ausarbeitung von Maske und Kostüm berücksichtigen. Natürlich wurde dabei nichts Kriminelles entdeckt.

Würden Sie nach allem, was passiert ist, wieder in Bayreuth arbeiten?

Wenn der liebe Gott das so will – ja.

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