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Museumseröffnung

Europa hat eigenes Museum

In Brüssel öffnet das "Haus der Europäischen Geschichte" an diesem Samstag. Die EU ist museumsreif wurde in Brüssel gespottet. Tatsächlich ist die Ausstellung sehenswert, findet unser Reporter Bernd Riegert.

An keinem Ausstellungsstück, an keiner Vitrine hängt in diesem Museum irgendeine Texttafel. Stattdessen bekommt jeder Besucher einen kleinen Tablett-Computer in die Hand gedrückt, der Informationen in einer der gewünschten 24 europäischen Amtssprachen anzeigt. Allein die Sprachenvielfalt unterscheidet das "Europäische Haus der Geschichte" von vergleichbaren nationalen Einrichtungen. Das Tablett kann natürlich noch mehr, gibt Videos oder Audios wieder und entschlüsselt die langen metallenen Buchstabenbänder, die sich durch die gesamte Ausstellung an den Geschossdecken entlangziehen. Kommt man mit dem Gerät in die Nähe der Buchstaben, wird ein europäisches Zitat samt Übersetzung und Autor angezeigt.

Brüssel Europäisches Haus der Geschichte (DW/B. Riegert)

Vielsprachig: Kuratorin Taja Vovk van Gaal mit Multi-Media-Museumsführer

"Übergreifende Entwicklungen" in Europa

Diese "Spruchbänder" verdichten sich im Treppenhaus des Museums zu einem verquirlten Knäuel aus filigranem Metall. "Wir nennen das den Wirbelsturm der Ideen", sagt die leitende Kuratorin Taja Vovk van Gaal über die zentrale Installation des Museums. "Die Frage, ob es so etwas wie eine europäische Geschichte überhaupt gibt, ist immer noch ungelöst. Deshalb haben wir versucht, die Prozesse und Phänomene zu zeigen und zusammen zu führen, die in Europa geboren wurden, die sich in Europa verbreitet haben und auch noch heute relevant sind." Die Museumsmacher erzählen deshalb, sagt Vovk van Gaal, nicht einfach Geschichte anhand einer Zeitleiste, sondern zeigen übergreifende Entwicklungen, Interaktionen und deren Folgen. Das reicht von der industriellen Revolution über die Weltkriege, die europäische Einigung bis zum heute aktuellen Populismus. Deshalb ist auch der Brexit, das britische Ausstiegs-Referendum, bereits Teil des EU-Museums.

Brüssel Europäisches Haus der Geschichte (DW/B. Riegert)

Der Brexit als Museumsstück: T-Shirt der "Vote Leave"-Kampagne

Ziel war es nicht, aus allen 28 Mitgliedsstaaten die nationale Sicht auf Europa wieder zu spiegeln. Ein wissenschaftliches Beraterteam hat sechs Jahre an dem Konzept getüftelt. Konflikte in Europa stellt dieses Museum anders dar als andere. So geht es beim Ersten und Zweiten Weltkrieg hauptsächlich um die Opfer, nicht so sehr um die deutschen Täter. Es gibt keine einzige Karte mit Frontverlauf und Schlachtplänen, sondern es sind zum Beispiel Erinnerungen an das Warschauer Ghetto, Feldpostkarten von einfachen Soldaten oder Vertriebene aus Osteuropa zu sehen.

Europäisches Bewusstsein schaffen

Brüssel Europäisches Haus der Geschichte | Hans Gert Pöttering (DW/B. Riegert)

Hans-Gert Pöttering: Das Museum ist sein Baby

Schwerpunkt des Museums ist die europäische Einigung in den letzten 60 Jahren, Kalter Krieg, Fall der Mauer, Ausbau und Kritik an der EU. Museumsreif sind auch die etwa 38.000 Seiten an europäischen Gesetzen, die im Laufe der Jahrzehnte geschrieben wurden. Die Idee zum EU-Museum hatte im Jahr 2007 der damalige Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU). Er sieht im Museum eine Chance, europäisches Bewusstsein zu schaffen - gerade in der krisenhafte Lage, in der sich die EU derzeit befindet.

Kritik an einem zentralen Europa-Museum weist Pöttering zurück: "Wir wollen keinen europäischen Zentralismus, sondern wir wollen, dass die Identität unserer Heimat und die Identität Europas kein Gegensatz sind, sondern zusammengehören. Einheit in der Vielfalt." Das Museum zeige auch, so Pöttering, warum trotz aller Kriege und Konflikte in Europa am Ende doch Frieden möglich war und ist.

Brüssel Europäisches Haus der Geschichte (DW/B. Riegert)

Meine Spuren in Europa: Museumsbesucher basteln eine persönliche Karte

Die Besucher können in einer Computerinstallation ihre eigene Verknüpfung mit Europa sichtbar machen. Anhand einiger Fragen zu Familien, Herkunft und Aktivitäten wird auf einem riesigen Bildschirm eine personalisierte Europa-Karte erzeugt und abgespeichert. Auf Knopfdruck lässt sie sich mit anderen Karten vergleichen. Je mehr Besucher das Programm nutzen, desto vielfältiger wird diese "Vision zu Europa". Finanziert wird das "Haus der Geschichte", das in einer 1935 erbauten Zahnklinkik untergebracht ist, vom Europäischen Parlament und der EU-Kommission.

Mit 56 Millionen Euro Baukosten sei das Museum verglichen mit nationalen Projekten eher ein Schnäppchen, meint Hans-Gert Pöttering. Kritiker hatten scherzhaft von einem "Pöttering-Mausoleum" gesprochen. Der ehemalige Parlamentspräsident und heutige Chef des Museums-Kuratoriums weist diese Kritik zurück. "Ich bin ja noch nicht tot." Das Museum, so Pöttering, werde von allen Seiten im Parlament mitgetragen. Er habe nur den Impuls gegeben.

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