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Politik

Eskalation der Gewalt

Nahost befindet sich wieder im Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt: 16 Israelis wurden bei Anschlägen getötet, Israel antwortet mit Militäraktionen. Ministerpräsident Sharon hat seinen Indien-Besuch abgebrochen.

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Vergebliche Kontrolle: Sie konnten den Anschlag nicht verhindern

Bei einem israelischen Luftangriff auf das Haus eines Führers der radikalen Hamas-Organisation sind am Morgen (10.9.03) in der Stadt Gaza mindestens zwei Palästinenser getötet worden. Während Hamas-Führer Mahmud el Sahar bei dem Angriff nur verletzt wurde, starb sein Sohn Chaled in den Trümmern des Hauses. Die Hamas hatte sich zuvor zu zwei palästinensischen Selbstmordanschlägen bekannt, bei denen gestern (9.9.)mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen waren. Wegen der verheerenden Anschläge bricht der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon seinen Besuch in Indien vorzeitig ab.

Bei den beiden palästinensischen Selbstmordanschlägen an einer Bushaltestelle östlich der Stadt Rischon LeZion und auf ein Cafe im israelischen Westteil von Jerusalem waren am Dienstag (9.9.) mindestens 17 Menschen getötet worden. Dutzende wurden verletzt. Die radikal-islamische Hamas-Organisation kündigte weitere Anschläge an.

Kureia: Trauer über "unschuldige Seelen"

Ein Sprecher von Ministerpräsident Ariel Scharon sagte, die Anschläge seien ein Beweis dafür, dass die Autonomiebehörde nichts gegen die Gewalt unternehme. Der palästinensische Parlamentspräsident Ahmed Kureia, der als zukünftiger Ministerpräsident im Gespräch ist, verurteilte den Terror. "Wir sprechen unsere Trauer und unseren Schmerz über die unschuldigen Seelen aus, die ein Opfer der Gewalt geworden sind", sagte Kureia in einer Erklärung. Er verurteilte "alle Gewaltakte gegen Zivilisten, gleichgültig, ob sie sich gegen Palästinenser oder - wie heute - gegen Israelis richten". Die palästinensische Führung verurteile die Gewalt, "weil sie keiner der Parteien Sicherheit und Freiheit bringen wird", sagte Kureia.

Der Sprecher des Weißen Hauses Scott McClellan verurteilte die Anschläge aufs Schärfste. Es handele sich um "verwerfliche Anschläge". "Wir brauchen einen palästinensischen Ministerpräsidenten und eine Regierung, die engagiert den Terrorismus bekämpfen und Terrororganisationen auflösen", sagte McClellan.

Hamas: "Rache" für israelische Angriffe

Seit Tagen hatte man in Israel damit gerechnet, dass die radikalen Palästinenser-Organisationen sich für die fortgesetzten Angriffe der israelischen Armee auf ihre Führer rächen würden. In der vergangenen Woche griff die israelische Armee mehrere Male führende Mitglieder der Hamas-Organisation im Gaza-Streifen an. Bei einem Raketen-Angriff auf ein Gebäude in Gaza-Stadt wurde am letzten Samstag (6.9.) das geistige Oberhaupt der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, verletzt. Die Hamas schwor blutige Rache. "Wir haben es oft genug gesagt: Die Israelis werden für ihre Terror-Aktionen gegen Unschuldige einen hohen Preis zahlen müssen und dafür, dass sie versucht haben unseren geistigen Führer Scheich Jassin zu ermorden", sagte Hamas-Sprecher Asis Rantisi.

Viele Terror-Warnungen

Vor allem für Jerusalem war erhöhte Alarmbereitschaft ausgelöst worden. An allen Kreuzungen waren die Sicherheitskräfte verstärkt worden, die Fußgängerzone, die Kaffees und Einkaufzentren waren den ganzen Tag über fast menschenleer. Auch die Verkehrsknotenpunkte im ganzen Land und die Schulen wurden verstärkt bewacht und abgesichert. Trotzdem konnten die Anschläge nicht verhindert werden: "Wir haben viele Terror-Warnungen und sind seit letztem Samstagabend (6.9.03) in erhöhter Alarmbereitschaft", wie Polizeichef Schlomo Aharonischki erklärte, "aber dieser Anschlag zeigt, dass man nicht alles hermetisch abschließen kann."

Vorbereitung auf neue Eskalation

Verteidigungsminister Schaul Mofas sagte nur wenige Stunden vor den Anschlägen vor dem Ausschuss für Auswärtige- und Verteidigungsangelegenheiten der Knesset, dass sich Israel auf eine Eskalation der Gewalt im Nahen Osten vorbereite. Er habe den Streitkräften Anweisungen gegeben, sich zu wappnen. (sams)

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