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Europa

"Es ist an der Zeit, den Krieg zu vergessen"

Die regionale armenische Mehrheit erklärte Berg-Karabach 1991 für unabhängig von Aserbaidschan, es folgte ein blutiger Krieg. Seit 1994 gibt es einen Waffenstillstand. Doch der Konflikt ist ungelöst.

Vier alte Männer sitzen in Stepanakert auf einer Bank (Quelle: AP)

Im Zentrum von Stepanakert, der Hauptstadt Berg-Karabachs

Gandzasar - Berg der Schätze. Das ist die Übersetzung aus dem Armenischen für eines des ältesten Kloster im Südkaukasus. Eine prachtvolle Kathedrale aus dem dreizehnten Jahrhundert, umrahmt von einer einzigartigen Bergkulisse, steht auf der Spitze eines Hügels. Unten im Tal liegt das Dorf Vank. 16 Zivilisten und 36 Soldaten aus diesem Dorf kamen während des Krieges um Berg-Karabach ums Leben. Sie sind hier auf einem Friedhof hinter der Klostermauer begraben. Die Porträts der Kämpfer sind in voller Größe in den Grabsteine gemeißelt.

"Das sind die Beschützer des Arzachs und seiner Kirchen. Unsere Kinder, unsere Söhne", erklärt der Abt, Ter-Ogannes Oganesjan. Seit 1992 ist er nicht nur geistiges Oberhaupt des Klosters. Auf einer DVD, die man im Kloster-Kiosk kaufen kann, ist Oganesjan mit einem Maschinengewehr zu sehen. Er hat Gandzasar und Arzach, wie die Armenier Berg-Karabach nennen, gegen die Aserbaidschaner verteidigt. Bis heute bezeichnet er sie als Feinde.

Mindestens 25.000 Menschen starben im Krieg

Den dreijährigen Krieg haben die Armenier für sich entschieden. Damals, Anfang der 90er-Jahre, starben unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 25.000 und 50.000 Menschen. Mehr als eine Million Menschen mussten flüchten. So wurde der Name "Karabach" ("Schwarzer Garten") für beide Seiten zu einem tragischen Omen.

Im Gegensatz zu den umliegenden Gebäuden wurde die Kathedrale von Gandzasar trotz des Beschusses nicht zerstört. Für die Restaurierung der Anlage hat ein in Russland lebender Unternehmer armenischer Herkunft, Levon Airapetjan, viel Geld gespendet. Ihm gehören mehrere Unternehmen in seinem Heimatdorf Vank.

Die Armeen stehen sich noch immer gegenüber

Nur wenige Kilometer von Vank entfernt stehen sich noch immer zwei verfeindete Armeen gegenüber, die eine aus Aserbaidschan und die andere aus der selbsternannten Republik Berg-Karabach. Aber in Vank spürt man nichts davon, denn Vank ist ein reiches Dorf, in dem die Menschen Arbeit haben. Vor allem auf dem Bau, denn Levon Airapetjan baut in Vank und in der Umgebung Häuser, Straßen und eine Schule. Sogar ein Krankenhaus und ein Stadion sind geplant.

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Weniger Glück haben die Einwohner von Stepanakert, der Hauptstadt von Berg-Karabach. Die große Schuhfabrik ist geschlossen, die Auftragsbücher sind leer. In der benachbarten Milchfabrik ist die Lage nur wenig besser. Morgens um neun ist Direktor Arkadij Grigorjan zur Arbeit erschienen, doch von den 34 Mitarbeitern ist noch keiner zu sehen. Die Arbeit fange erst gegen elf Uhr an, wenn die Milch geliefert wird, sagt Grigorjan: "In der Winterzeit wird wenig, viel zu wenig hergestellt. Eine, höchstens zwei Tonnen Milchprodukte am Tag."

Monatslohn: 100 Dollar

In der Sowjetzeit, aus der noch die Fabrik-Einrichtung stammt, erhielt die Molkerei täglich 100 Tonnen Milch zur Verarbeitung. Davon kann Arkadij Grigorjan heute nur träumen. Seine Hoffnungen verbindet der Direktor mit einem ausländischen Investor, dessen Namen er aber nicht nennen will. Bald, versichert er, werde die Fabrik wieder schwarze Zahlen schreiben. Vielleicht verdienen seine Mitarbeiter dann mehr als die heutigen 100 Dollar im Monat.

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