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Politik

Erzkonservative setzen auf Huckabee

Mit erzkonservativen Reden begeistert der ehemalige Prediger Mike Huckabee die Republikaner. In Umfragen liegt er auf Platz zwei im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur.

Kandidat Mike Huckabee, Quelle: AP

Mike Huckabee: konservativ, aber mit Humor

Natürlich ist der Mann gegen die Homosexuellenehe. Und für den Irak-Krieg und die Todesstrafe. Mike Huckabee entspricht ganz dem Klischee des amerikanischen Konservativen: Er ist gegen Abtreibung und strengere Waffengesetze. Er ist auch Mitglied der Waffenlobby „National Rifle Association“. Und er will der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden.

Es ist noch nicht lange her, da wurde der 52-Jährige als chancenloser Außenseiter im Rennen um die amerikanische Präsidentschaft gehandelt. Das hat sich im letzten halben Jahr rapide geändert. Inzwischen hat er gute Chancen, von den Republikanern als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden. In vielen Umfragen liegt er schon auf Platz zwei hinter Rudolph Giuliani, dem ehemaligen Bürgermeister von New York. Was um so überraschender ist, da Huckabee bislang nicht annähernd so viele Wahlkampfspenden eintreiben konnte wie mancher seiner Konkurrenten.

Konservativer Pin-up-Boy

Huckabees Erfolg ist schnell erklärt: Der ehemalige Baptistenprediger ist der Pin-up-Boy der Evangelikalen, der christlichen Rechten in den USA. Giuliani zum Beispiel ist vielen christlich-konservativen Wählern zu liberal. Außerdem war er Bürgermeister von New York, einer Stadt, die nicht gerade als leuchtendes Beispiel für Gottesfürchtigkeit und Tugend gilt.

Auch die bisherige Nummer zwei unter den Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, Mitt Romney, konnte die christliche Rechte bislang nicht überzeugen: Der Gouverneur von Massachusetts ist Mormone. Und die sind in den Augen der Evangelikalen eine Sekte. Außerdem gilt Romney als "Flip-Flopper", als Umfaller und Opportunist, weil er noch vor wenigen Jahren für das Recht auf Abtreibung war. Heute ist er dagegen.

Markige Sprüche

Mike Huckabee hat es da leicht, sich mit markigen Sprüchen zu profilieren. So gab er kürzlich in einer Wahldebatte damit an, in Arkansas mehr Menschen hingerichtet zu haben als jeder seiner Vorgänger. Auch gegen die Schließung von Guantanamo hat er sich ausgesprochen: "Die meisten unserer Gefangenen würden liebend gerne in einem Gefängnis sitzen, das mehr wie Guantanamo und weniger wie unsere Staatsgefängnisse ist." 1992 wetterte er, Homosexualität sei ein "abnormaler, unnatürlicher und sündhafter Lebensstil". Und: "Wir wissen jetzt, dass sie eine Gefahr für die allgemeine Gesundheit ist." Kürzlich darauf angesprochen, rechtfertigte er sich damit, dass diese Äußerungen aus einer Zeit stammen, als es eine wirkliche Aids-Krise gegeben habe. "Heute würde ich solche Bemerkungen etwas anders machen", sagte er.

Huckabees Anhänger stören sich ohnehin nicht an solchen Ausfällen. Sie lieben seinen Humor und die Schlagfertigkeit, mit der er bei Auftritten glänzt. Die besten Huckabee-Witze kursieren längst auf Youtube. Genau so wie ein Auftritt mit Band: Da greift Huckabee im Wahlkampf zur Bass-Gitarre und spielt mit seiner Band den Rock'n'Roll-Gassenhauer "Born to be wild". Wer jahrelang erst Prediger und dann Politiker war, weiß, wie man mit Menschen umgeht.

Mitfühlend konservativ

Über Religion spricht Huckabee derzeit allerdings nicht so gern. Ständig werde er nur danach gefragt, klagte er kürzlich im Magazin Newsweek. Immerhin sei er auch zehn Jahre Gouverneur von Arkansas gewesen. "Das sagt eine Menge darüber aus, was für ein Gouverneur ich war und was für ein Präsident ich sein werde." In Arkansas hat sich Huckabee als "mitfühlender Konservativer" einen Namen gemacht, der zum Beispiel Einwandererkindern die Studiengebühren ermäßigte. Mit solchen Positionen könnte Huckabee auch demokratische Wähler ansprechen. Mit seinen christlich-rechten Ansichten in moralischen Fragen dürfte er es außerhalb des eigenen Lagers indes schwer haben.

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