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Kultur

Erster deutscher Lehrstuhl zur Erforschung des Holocaust eingerichtet

Seit den Sechzigern wird in Deutschland rege der Holocaust erforscht - bisher jedoch ohne eigens dafür vorgesehenen Lehrstuhl. Mit der Historikerin Sybille Steinbacher an der Universität Frankfurt ändert sich das jetzt.

Die Goethe Universität Frankfurt am Main hat am Mittwoch etwas nachgeholt, das 70 Jahre nach der Shoah längst überfällig schien: Mit der Historikern Sybille Steinbacher unterhält erstmals eine deutsche Universität einen Lehrstuhl zur Erforschung des Holocaust. Die renommierte Forscherin, zuletzt Professorin für Vergleichende Diktatur-, Gewalt- und Genozidforschung an der Universität Wien, ist seit dem 1. Mai zudem Direktorin des an die Uni Frankfurt angegliederten Fritz Bauer Instituts. Dieses Institut, benannt nach dem jüdischen Generalstaatsanwalt und Initiator der Auschwitz-Prozesse, widmet sich seit 1995 ausschließlich der Geschichte und Wirkung des Genozids an den Juden. 

"Wichtiges Signal"

Steinbacher bewertete die Einrichtung des Lehrstuhls in Frankfurt als "wichtiges Signal". Es gebe weiterhin viele Fragen, die von den Wissenschaftlern noch nicht beantwortet worden seien, sagte sie. "Manche meinen, man weiß schon alles über Auschwitz, aber das ist ganz sicher nicht so." 

Hessens Wirtschaftsminister Boris Rhein, der die neue Lehrstuhlinhaberin am Mittwoch vorstellte, betonte: "Gerade im Land der Täter darf es kein Vergessen geben." Er hoffe, der Aufarbeitung des Holocaust einen möglichst großen Schub zu geben. Nach Angaben des Ministeriums unterstützt das Land das Fritz-Bauer-Institut dieses Jahr mit gut 375.000 Euro und finanziert die Holocaust-Professur mit weiteren 150.000 Euro.

Sybille Steinbacher ist eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Holocaust-Forschung. Seit ihrer Magisterarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sie sich mit der Vernichtungspolitik im NS-Staat. Ihre Dissertation "'Musterstadt' Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien" an der Ruhr-Universität Bochum wurde zu einem viel beachteten und in mehrere Sprachen übersetzten Standardwerk.

Deutschland spät dran

In anderen Ländern - etwa den USA, den Niederlanden, Schweden, Polen und Österreich - gibt es bereits Holocaust-Lehrstühle. Deutschland ist in dieser Hinsicht ein Nachzügler. Aber auch ohne eigens ausgewiesenen Lehrstuhl wird hierzulande seit Jahrzehnten intensiv zu den Verbrechen des Nazi-Regimes geforscht. In München hat das Institut für Zeitgeschichte eigens ein Zentrum für Holocaust-Studien etabliert. In Leipzig arbeitet das Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur intensiv zum Thema Völkermord, und Berlin-Brandenburg hat das Zentrum für Jüdische Studien. Auch in den vier Dutzend Holocaust-Museen wird Aufarbeitung und Aufklärung geleistet, zudem gibt es fast 190 Gedenkstätten und 110 Mahnmale.

bb/nf/kle (dpa, Universität Frankfurt, welt.de)

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