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Birma

Erste private Tageszeitungen in Myanmar erschienen

Und wieder ein Stück weniger Diktatur: Im früheren Birma können die Menschen erstmals seit 1962 wieder nicht-staatliche Tagespresse lesen. Und auch gegenüber ausländischen Medien öffnet sich das südostasiatische Land.

Die Menschen in dem jahrzehntelang abgeschotteten Myanmar (früher Birma) konnten am Montag an den Kiosken zwischen vier neuen Zeitungen wählen. Insgesamt haben die Behörden 16 Tageszeitungen ab dem 1. April zugelassen - darunter auch die Zeitung der Partei Nationale Liga für Demokratie von Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Aber nur vier dieser Blätter schafften es, gleich am Montag druckfrisch auszuliegen. Bislang durften Zeitungen aus privater Hand lediglich wöchentlich erscheinen.

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Wandel: Pressefreiheit in Myanmar

"Neues goldenes Land"

Unter den vier Tageszeitungen ist mit der "The Union Daily" ein der Regierung nahestehendes Blatt, "The Voice Daily" wiederum ist die Zeitung eines der größten Magazine des Landes. "Wir haben sechs Monate auf diesen Tag hingearbeitet", sagte Aung Soe von "The Voice Daily". "Wir wollten unbedingt an diesem historischen Datum dabei sein." Einem Zeitungshändler in Rangun zufolge gab es eine rege Nachfrage nach den neuen Zeitungen.

Einer, der sich noch an die Zeit der Pressefreiheit in Myanmar erinnert, ist der 81-jährige Khin Maung Lay. Er ist Chefredakteur der Tageszeitung "Neues goldenes Land", die ebenfalls seit Montag erscheint. "Ich sehe einige Hindernisse, aber ich werde die Zeitung im Geiste der Pressefreiheit und der Professionalität betreiben", freute sich Khin. Eines der Hindernisse ist die Finanzierung: Viele privaten Zeitungen haben im Vergleich zu den staatlichen weniger Geld für ihre Arbeit zur Verfügung.

Eine druckfrische Ausgabe der birmanischen Tageszeitung Golden Fresh Land (Foto: picture alliance/AP Photo)

Eine druckfrische Ausgabe der birmanischen Tageszeitung "The Golden Fresh Land"

Festes Büro von Associated Press in Rangun

Auch gegenüber ausländischen Medien öffnet sich das südostasiatische Land. Als erste internationale Nachrichtenagentur hat die Associated Press (AP) ein festes Büro in Rangun eröffnet. Das Informationsministerium in der Metropole Rangun hatte der AP am Samstag die Genehmigung für das Büro erteilt. Auch der japanische Rundfunk NHK darf ein Büro eröffnen. Unter dem früheren Militärregime, das das Land fast 50 Jahre lang beherrschte, waren die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua und die chinesische Zeitung "Guangming Daily“ zeitweise die einzigen ausländischen Medien mit eigenen Korrespondenten in Myanmar.

Die Militärjunta in Birma hatte vor gut einem halben Jahrhundert alle Tageszeitungen verstaatlicht und eine strikte Medienzensur verhängt. Unter der Junta wurden alle Veröffentlichungen zensiert - auch Liedtexte und Märchen. Die Regierung von Präsident Thein Sein verfolgt seit ihrem Amtsantritt im März 2011 nach Jahrzehnten der Militärherrschaft eine demokratische Öffnung des Landes, wofür die Freigabe des Zeitungsmarktes ein weiteres Zeichen ist.

sti/gmf (afp, apd)

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