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Aktuell Europa

Erste Haftbefehle gegen Journalisten in der Türkei

Richter, Staatsanwälte, Lehrer: In der Türkei leben seit dem Putschversuch viele Berufsgruppen unter schwierigen Bedingungen. Jetzt geht die türkische Regierung auch massiv gegen mehr als 40 Journalisten vor.

Zu sehen sind Verhaftungen nach dem Putschversuch.

Seit dem Putschversuch ist eine Verhaftungswelle in Gang (Archivbild)

Zum ersten Mal seit dem gescheiterten Putschversuch sind gegen Journalisten Haftbefehle erlassen worden. Das berichtet unter anderem die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Nachrichtenagentur DHA schreibt, dass die Ermittlungen gegen Medien aus dem Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen gerichtet seien. Eine der 42 Beschuldigten soll die bekannte Journalistin Nazli Ilicak sein. Sie war vor drei Jahren von der regierungsnahen Zeitung "Sabah" entlassen worden. Sie hatte im Zusammenhang mit einem Korruptionsskandal Minister kritisiert.

Laut der Zeitung "Hürriyet" hatte das Büro des Istanbuler Anti-Terror-Staatsanwalts Irfan Fidan die Haftbefehle erlassen. Er sagte, dass schon ein Polizeieinsatz begonnen habe, um die Journalisten festzunehmen. Ob diese bereits festgenommen wurden, ist unklar.

Polizei kann Regierungskritikerin nicht finden

Ilicak wurde demnach aber nicht in ihrer Wohnung in Istanbul angetroffen. Möglicherweise mache sie an der türkischen Mittelmeerküste Urlaub. Die Polizei dort wurde den Angaben nach schon alarmiert.

Nach dem Militärputsch vom 15. Juli hatte es in der Türkei eine Entlassungs- und Verhaftungswelle gegeben. Nach Angaben von Ministerpräsident Binali Yildirim wurden bereits mehr als 13.000 Menschen in Gewahrsam genommen. Unter ihnen sind gut 8800 Armeeangehörige, 1300 Polizisten sowie 2100 Richter und Staatsanwälte.

Erdogan contra Gülen-Bewegung

Am Wochenende ordnete die Regierung zudem die Schließung tausender Einrichtungen an, die zur Hizmet-Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen gehören sollen. Erdogan beschuldigt den in den USA lebenden Gülen und seine Anhänger, hinter dem Umsturzversuch zu stehen. Gülen weist dies zurück. Die türkische Regierung hatte Gülen auch für den Korruptionsskandal 2013 verantwortlich gemacht.

pv/sti (dpa, afp, rtr)

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