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Kultur

"Erste Epidemie des 21. Jahrhunderts"

Zwischen Besorgnis und Panik schwanken die Reaktionen auf die Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS. Das Entscheidende bleibt die Entwicklung in China.

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Peking: Masken gegen die Gefahr - und die Angst

WHO-Chefin Gro Harlem Brundtland forderte am Sonntag (27.4.03) in der britischen BBC globale Anstrengungen gegen SARS, damit die Krankheit nicht zu einer weltweiten Bedrohung wie Aids oder die Grippe wird. SARS sei die "erste globale Epidemie des 21. Jahrhunderts", sagte Brundtland.

Nach Angaben von Roy Anderson vom Imperial College in London liegt die Sterberate im Fall einer SARS-Erkrankung bei zehn Prozent - und damit doppelt so hoch wie bisher von der WHO angegeben. Nach der Untersuchung von rund 1400 SARS-Fällen in Hongkong müsse die von der WHO angegebene Sterberate nach oben revidiert werden.

Im Verlauf des Wochenendes starben nach amtlichen Angaben 16 weitere Chinesen, 18 Bewohner Hongkongs und erstmals auch ein Taiwaner an SARS. Damit fielen in China bereits 131 Menschen der bislang kaum erforschten Virusinfektion zum Opfer. Insgesamt sind in China derzeit 2914 Krankheitsfälle registriert, in Hongkong werden etwa 1500 Kranke behandelt.

Die neue Gesundheitsministerin greift durch

Im Kampf gegen die Ausbreitung von SARS hat Chinas Regierung in beispielloser Weise das Alltagsleben von Millionen Bürgern eingeschränkt. In Peking ordneten die Behörden nach dem Amtsantritt der neuen Gesundheitsministerin Wu Yi die Schließung aller Vergnügungsstätten an. Kinos, Internetcafes, Theater und Karaoke-Bars müssten ab sofort geschlossen bleiben, Sportveranstaltungen werden abgesagt.

SARS in Peking

Straßenszene in Peking: Nur das Plakat trägt keine Maske

Im Zuge der verstärkten Bekämpfung der Seuche wiesen die Behörden sogar auch Anträge auf Eheschließungen zurück, um Massenansteckungen bei Hochzeitsfeiern zu verhindern. Nach den Schulen wurde auch die Pekinger Volksuniversität geschlossen. Die Regierung stellte zusätzlich 384 Millionen Euro zum Kampf gegen die Epidemie bereit.

Zunehmende Infektionen in China

In Kanada starb am Samstag ein SARS-Patient, die Opferzahl stieg damit auf 20. Kanada ist außerhalb Asiens das am stärksten von SARS betroffene Land. In Indonesien war am Wochenende der erste vermutete Todesfall durch SARS bekannt gegeben worden. Im Norden der Philippinen wurden 200 Dorfbewohner unter Quarantäne gestellt, nachdem eine Bewohnerin erkrankt war. In Kanada, Singapur, Hongkong und Vietnam werde aber nicht mit einem weiteren beträchtlichen Anstieg der Zahl der Infizierten gerechnet, sagte der WHO-Experte David Heymann. In allen Ländern, in denen am 15. März SARS-Infektionen gemeldet wurden, sei offenbar der Höhepunkt erreicht worden, sagte Heymann. Dies gelte bedauerlicherweise nicht für China. "Dort nimmt die Zahl der Infektionen weiter zu", sagte der WHO-Experte. Auf die Frage, ob er zuversichtlich sei, dass eine weitere Ausbreitung von SARS gestoppt werde könne, sagte Heymann: "Nein, sind wir nicht. Wir hoffen es." Entscheidend für die Eindämmung der Krankheit sei die Lage in China. Wenn die Krankheit dort nicht eingedämmt werden könne, könne die weltweite Ausbreitung von SARS nicht gestoppt werden.

Drakonische Kontrollen

Auf einem Krisengipfel in Kuala Lumpur, Malaysia, einigte sich China mit den ASEAN-Staaten und Japan auf deutlich verschärfte Kontrollen von Reisenden. Es muss fortan mit drakonischen Kontrollen gerechnet werden. China, Japan und die zehn Länder der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN kamen überein, die Reisenden auf allen wichtigen Flughäfen, Häfen und Grenzstationen auf Anzeichen von SARS hin zu untersuchen.

SARS Monitor Wärmekamera

Thermische Kameras auf dem Flughafen von Taipeh

Die wichtigste Methiode scheint dabei der Einsatz vom thermischen Kameras zu sein, wie sie in Taiwan eingesetzt werden: Patienten mit erhöhter Körpertemperatur über 38 Grad Celsius werden dabei auf einem Monitor angezeigt und anschließend weitergehend auf SARS untersucht.

Nicht funktionierende Kontrollen

Diese Maßnahmen scheinen auch dringend nötig zu sein: Nach Ansicht des Virologen Wolfgang Preiser, der im Auftrag der WHO China bereist hatte, funktioniert die Kontrolle der Flugreisenden nach wie vor nicht. Es werde nicht verhindert, das Erkrankte an Bord von Flugzeugen gelangten. "Bis das nicht wirklich in Ordnung kommt, werden wir mit Einschleppungen rechnen müssen."

Am Dienstag (29.4.03) wollen die Regierungschefs der ASEAN-Staaten in Bangkok mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao zu einem weiteren Krisengespräch zusammenkommen.(sams)

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