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Politik

Erneut US-Luftangriffe in Somalia

Am dritten Tag in Folge hat die US-Armee Luftangriffe gegen mutmaßliche Verstecke der Terrororganisation El Kaida im Süden Somalias geflogen. Das Vorgehen der USA in Somalia löste international Besorgnis aus.

US-Soldaten auf einem Flugzeugträger vor der Küste Somalias (Quelle: AP)

US-Soldaten auf einem Flugzeugträger vor der Küste Somalias

"Es gab erneut Luftangriffe der Vereinigten Staaten und sie werden andauern, bis die Terroristen in dieser Region Somalias ausgeschaltet sind", sagte der Vizepremierminister Hussein Mohamed Aidid am Mittwoch (10.1.) in Mogadischu. Zuvor hatten Einwohner von Dörfern nahe der Grenze zu Kenia per Funk von einem Luftangriff in ihrer Region berichtet. Das Pentagon bestätigte die neuen Angriffe zunächst nicht.

Die USA hatten am Montag erstmals seit dem Abzug aus Somalia 1994 wieder militärisch in dem ostafrikanischen Land eingegriffen und im Süden des Landes mutmaßliche Verstecke der El Kaida attackiert. Auch die Kämpfe zwischen Milizen und regierungstreuen Truppen in der Hauptstadt Mogadischu nahmen zu. Dabei kamen somalischen Medienberichten zufolge mehrere Menschen ums Leben. Unbestätigten Augenzeugen-Berichten zufolge sollen bei den US-Luftangriffen am Montag zwischen 20 und 30 Menschen ums Leben gekommen sein.

UN-Friedenstruppe für Somalia?

Somalia-Karte

Die Angriffe fanden in der Gegend um Ras Kamboni an der kenianischen Grenze statt

Der UN-Sicherheitsrat will am Nachmittag über die Entsendung einer Friedenstruppe nach Somalia beraten. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die US-Luftangriffe auf Somalia kritisiert. "Der Generalsekretär ist besorgt über die mögliche Eskalation, die diesen Angriffen folgen könnte", sagte Bans Sprecherin Michele Montas am Dienstagabend (Ortszeit) in New York. Bans Sorge gelte vor allem den Zivilisten am Horn von Afrika.

Dagegen betonte der Sprecher des Weißen Hauses Tony Snow, die USA hätten das Recht, weltweit gegen das Terrornetzwerk El Kaida vorzugehen. Die USA würden weiterhin jene verfolgen, die für die Anschläge auf die US-Botschaften vom 7. August 1998 in Tanzania und Kenia verantwortlich seien.

Gesuchter Terrorist unter den Opfern?

US-Fahndungsplakat (Quelle: AP)

Angeblich war auch der Top-Terrorist Fazul Abdullah Mohammed unter den Getöteten

Allerdings wollten bislang weder das Pentagon noch das Weiße Haus Berichte bestätigen, wonach einer der meistgesuchten Terroristen, der wegen der Botschaftsanschläge von 1998 angeklagte Fazul Abdullah Mohammed, getötet worden ist. US-Medien berichteten am Mittwoch, dass der 34-Jährige gemeinsam mit weiteren El-Kaida-Mitgliedern auf einer "Zielliste" stehe.

Unterstützung erhielten die USA aus Großbritannien: Der britische Premierminister Tony Blair verteidigte die US-Luftangriffe auf mutmaßliche Terroristenlager in Somalia. Die Angriffe seien gegen den "weltweiten Terrorismus" gerichtet und deshalb berechtigt, sagte der Labour-Chef am Mittwoch in der Fragestunde des Unterhauses. Auch EU-Justizkommissar Franco Frattini billigte das US-Vorgehen.

Weitere Destabilisierung Somalias befürchtet

Dagegen äußerte sich Frankreich am Mittwoch "besorgt" wegen der US-Luftangriffe. Die Luftangriffe "machen die Lage in Somalia komplizierter und können die schon sehr großen Spannungen in diesem Land erhöhen", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Jean-Baptiste Mattéi. "Wir bedauern die zivilen Opfer dieser Bombardements."

Unterstützung erklärte Frankreich für die "regionalen und internationalen Initiativen für eine nationale Aussöhnung" und den Wiederaufbau der Staatsinstitutionen in Somalia. "Das Horn von Afrika ist eine zerbrechliche Region, die man stabilisieren muss", sagte Mattéi.

Auch die Bundesregierung will die Stabilisierung Somalias vorantreiben. Außenamtssprecher Martin Jäger sagte am Mittwoch, mit Sorge habe die Bundesregierung Berichte zur Kenntnis genommen, wonach Zivilisten dabei getötet worden seien. Priorität habe in den kommenden Tagen und Wochen die Stabilisierung das ostafrikanischen Landes im Inneren. Deutschland, das den EU-Vorsitz inne hat, arbeite daran in der internationalen Somalia-Kontaktgruppe intensiv mit. (ana)

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