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Wirtschaft

Erleichterung nach dem Banken-Test

Jede fünfte Bank hat den Stresstest nicht bestanden, jede zehnte Bank hat noch immer große Kapitallücken. Trotzdem überwiegt in Europa Erleichterung und Zufriedenheit.

Ingesamt fehlen den 25 Banken, die den Stresstest nicht bestanden haben, 25 Milliarden Euro an Kapital. Stichtag des europaweiten Tests war der 31.12.2013. Seitdem haben zwölf Institute nachgebessert und sich 15 Milliarden Euro frisches Geld besorgt.

Dreizehn Banken ist das noch nicht gelungen. Sie müssen in den nächsten Wochen der Europäischen Zentralbank (EZB) Pläne vorlegen, wie sie die Lücke stopfen wollen. Ihnen fehlen insgesamt zehn Milliarden Euro.

Rund zwei Milliarden Euro braucht allein die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena. Das 1472 gegründete Institut gilt als die älteste noch existierende Bank der Welt.

Italien: "beruhigend"

Italien ist das Land mit den meisten durchgefallenen Banken: Neun Institute haben den Test nicht bestanden, vier von ihnen konnten ihre Lücken bisher nicht schließen.

Trotzdem seien die Ergebnisse "insgesamt beruhigend und nicht überraschend", sagte der Vize-Generaldirektor Fabio Panetta in Rom. "Die Ergebnisse zeigen ein insgesamt stabiles Bankensystem, auch wenn in einigen Fällen die begonnenen Maßnahmen fortgesetzt werden müssen."

Das Ergebnis Italiens sei schlechter als das anderer Länder, weil der Test insbesondere beim Wachstum für das Land von einem ungünstigen Szenario ausgegangen sei, so Panetta laut der Nachrichtenagentur Ansa.

Spanien: "hervorragend"

Von den spanischen Banken hat nur die Liberbank den Test nicht bestanden, auch sie soll ihre Kapitallücke inzwischen geschlossen haben. "Das spanische Finanzsystem ist hervorragend", freute sich Ministerpräsident Mariano Rajoy.

"Es ist sehr schwierig und sehr kompliziert gewesen, aber heute hat die Europäische Zentralbank nach der Untersuchung aller Banken gesagt, dass das spanische Finanzsystem am Leben ist, und deshalb bin ich sehr stolz und zufrieden."

Die Immobilienkrise von 2008 hatte die spanischen Banken schwer getroffen. Madrid war deshalb vor zwei Jahren ein internationales Hilfsprogramm in Höhe von rund 41 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden.

Deutschland: "gut vorgesorgt"

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Eurozone, ist ebenfalls nur ein Institut durch den Test gefallen, die Münchener Hypothekenbank. Auch sie hat sich inzwischen rekapitalisiert.

Die anderen 23 deutschen Institute haben beide Elemente des Stresstests - die Überprüfung der Bilanz und die Simulation eines Krisenszenarios - bestanden.

Die Ergebnisse bestätigten seinen Eindruck, "dass deutsche Banken gut vorgesorgt haben", sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin. "Für deutsche Banken sind daher keine weiteren Maßnahmen notwendig."

Auch Hans Michelbach, Obmann der Unionsparteien im Finanzausschuss des Bundestags, wertete das Abschneiden der deutschen Banken als "positiv". Allerdings sei der Stresstest "nur eine Etappe" und "kein Grund für eine voreilige Entwarnung".

Damoklesschwert faule Kredite

Er verwies auf die rund 880 Milliarden Euro an faulen Krediten, auf die die EZB bei ihrer Überprüfung der Bilanzen in der Eurozone gestoßen ist - mehr als bisher vermutet. "Das ist das Damoklesschwert, das über den Bilanzen der Banken schwebt", so der Finanzpolitiker.

"Es ist die bislang ehrlichste Einschätzung des trostlosen Zustands der Eurozonen-Banken seit der Finanzkrise", sagte Phoebus Theologites von der Investment-Firma Steppenwolf Capital. Das Ergebnis "dürfte Investoren etwas Vertrauen geben", glaubt Kevin Corrigan vom Schweizer Vermögensverwalter Lombard Odier Investment Managers.

Neue Kredite fraglich

"Jetzt sind die Banken aufgefordert, dieses neue Vertrauen zu nutzen", sagte Carsten Schneider, Vize der SPD-Fraktion im Bundestag. "Für mehr Kreditvergabe, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, aber auch zur Konzentration auf ihre eigentliche Rolle, der realen Wirtschaft zu dienen."

Genau das bezweifelt jedoch Erik Nielsen, Chefvolkswirt der italienischen Bank Unicredit. Es sei extrem unwahrscheinlich, dass die Ergebnisse des Stresstests zu einer stärkeren Kreditvergabe an Firmen und Privatkunden führen werde.

"Der bei weitem größte Teil des Kreditvergabeproblems ist ein Nachfrageproblem", so Nielsen. Mit anderen Worten: Weil die Wirtschaftslage so schlecht ist, wollen Firmen nicht investieren.

Bisher sei es immer so gelaufen: Erst wachse die Wirtschaftsleistung (BIP), dann weiten die Banken mit einigen Monaten Verzögerung ihre Kredite aus. Chefvolkswirt Nielsen: "Die Annahme, dass die Kreditvergabe irgendwie dem BIP vorangehen könnte, ist eine Illusion und ich weiß nicht, wie das in die Diskussion gekommen ist."

bea/ml (dpa, reuters)