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Aktuell Welt

Erfinder der Anti-Baby-Pille Carl Djerassi ist tot

Er hat die sexuelle Revolution erst möglich gemacht und damit das Leben der modernen Gesellschaft tiefgreifend verändert. Jetzt ist Carl Djerassi, einer der Väter der Pille, hochbetagt gestorben.

Trockener kann eine Sensation kaum klingen: Djerassi war, gemeinsam mit zwei Kollegen, die Synthetisierung des progesteron-ähnlichen Steroids Norethindron gelungen. Doch damit veränderte er die ganze Welt: Die Grundlage für orale Verhütungsmittel, also eine

Anti-Baby-Pille

, war geschaffen.

In der Nacht zum Samstag ist der "Vater der Pille", wie er oft genannt wurde, im Alter von 91 Jahren nach langer schwerer Krankheit in San Fransisco gestorben. Das bestätigte das Museum Albertina in Djerassis Geburtsstadt Wien der Deutschen Presse-Agentur.

Epochale Wende bei der Sexualmoral

Die Bezeichnung "Anti-Baby-Pille" hatte der Forscher selbst stets zurückgewiesen, da das Verhütungsmittel "nicht gegen Babys" gerichtet, sondern "für die Frauen" geschaffen worden sei. Dass sich die neue Art, Schwangerschaften zu verhindern, so rasch durchsetzen und die Pille zum Symbol für freie Sexualität werden würde - und dass dies eine epochale Wende sowohl bei der Bevölkerungsentwicklung wie auch bei Lebensentwürfen und Sexualmoral einleiten würde, habe dennoch "niemand wissen können", so Djerassi.

Djerassi kam am 29. Oktober 1923 in Wien als Sohn eines österreichisch-bulgarischen Arztehepaars zur Welt. Da seine Eltern Juden waren, musste er 1938 vor den Nazis in die USA fliehen. Dort machte er als Wissenschaftler eine Weltkarriere. Daneben war Djerassi aber auch Schriftsteller und Kunstmäzen. So besaß er eine der größten Privatsammlungen mit Werken von Paul Klee, die er je zur Hälfte dem Museum of Modern Art in San Francisco und der Albertina vermachte.

jj/gmf (dpa, afp, munzinger)