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Aktuell Europa

Erdogan: "Wir wünschten, es wäre nie passiert"

"Und ich hoffe, so etwas wird nicht wieder passieren", äußert der türkische Präsident sein Bedauern über den Abschuss des russischen Kampfjets. Dabei wird die Liste der beiderseitigen Konsequenzen immer länger.

Putin bei Erdogan in Ankara im Dezember 2014 (Foto: Anadolu Agency)

Nicht die besten Freunde: Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan (Archivbild)

Russland und die Türkei sollten beide versuchen, das Thema auf eine positivere Art und Weise anzugehen, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan. "Ich bin über den Zwischenfall wirklich betrübt", gab er zu. "Wir wünschten, es wäre nie passiert, aber es ist passiert."

Der UN-Klimagipfel in Paris in der kommenden Woche sei eine gute Gelegenheit, um die zwischenstaatlichen Spannungen zu überwinden. Zuletzt hatte der türkische Staatschef erklärt, er wolle am Rande des Gipfels "von Angesicht zu Angesicht" mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin sprechen. Der Streit um den Abschuss solle die Beziehungen nicht dauerhaft beschädigen.

Unterdessen empfahl die türkische Regierung ihren Bürgern, von Reisen nach Russland abzusehen, sofern diese nicht dringend notwendig seien. Der türkische Außenminister, Mevlüt Cavusoglu, erklärte, Reisende sähen sich in Russland "Problemen" gegenüber. Sie sollten ihre Urlaubspläne daher solange verschieben bis "die Situation klarer wird".

Sanktionen und Beschränkungen

Damit reagierte das Außenministerium in Ankara auf die Ankündigung des russischen Außenministers Sergej Lawrow, die Visafreiheit mit der Türkei vom 1. Januar 2016 an einseitig aufzuheben. Der visafreie Reiseverkehr zwischen beiden Ländern war im April 2011 in Kraft getreten und vor allem von Touristen genutzt worden. Nach dem Abschuss des russischen Kampfjets hatten Reisebüros sämtliche Türkeireisen vorerst annulliert.

Darüber hinaus hat Moskau bereits den Import türkischer Lebensmittel eingeschränkt. Weitere Wirtschaftssanktionen sollen an diesem Samstag angekündigt werden.

Abgeschossener russischer Kampfjet (Foto: UPI /LANDOV)

Die Ursache für die historische Krise: der abgeschossene russische Kampfjet

Diplomatischer Stillstand

Auch auf diplomatischer Ebene herrscht Eiszeit zwischen den beiden Großmächten. Erneut betonte der Kreml, der Schaden in den russisch-türkischen Beziehungen sei schwer wieder gut zu machen. Präsident Putin widme dem Vorfall seine maximale Aufmerksamkeit, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow im russischen Staatsfernsehen. Der Türkei warf er vor, Beweise zu manipulieren. Der abgeschossene Su-24-Bomber sei nicht wie von Ankara behauptet in den türkischen Luftraum eingedrungen. Eine von Ankara präsentierte Karte sei manipuliert, so Peskow.

Am Freitag verweigerte Putin einen direkten Kontakt zu seinem türkischen Kollegen Erdogan. Der Grund: Dieser habe noch immer keine Entschuldigung angeboten. Präsident Erdogan wiederum warnte die russische Regierung vor einem "Spiel mit dem Feuer". Er sei dagegen, den Konflikt auf andere Gebiete der zwischenstaatlichen Beziehungen auszudehnen. In dem französischen Fernsehsender "France 24" warf Erdogan Moskau vor, in Syrien gegen die gemäßigte Opposition und nicht gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" vorzugehen. Russland bombardiere zudem die in der Grenzregion lebende Minderheit der Turkmenen. Die Türkei versteht sich als Schutzmacht der Turkmenen in Syrien.

Anstoß des Konflikts

Die türkische Armee hatte am Dienstag ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen, das nach Darstellung der Regierung in Ankara ihren Luftraum verletzt hatte. Laut Erdogan war den Streitkräften die Herkunft des russischen Bombers vom Typ Su-24 nicht bekannt. Sie habe nicht bewusst ein russisches Flugzeug abgeschossen, sondern sei nur gemäß den geltenden Einsatzregeln vorgegangen. Nach russischer Darstellung flog die Maschine ausschließlich über syrischem Territorium. Die türkische Darstellung, der Kampfjet sei vor dem Abschuss im türkisch-syrischen Grenzgebiet gewarnt worden, wies Moskau vehement zurück und sprach von "geplanter Provokation".

nin/pg (dpa, rtr, ape)