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Wissen & Umwelt

Erdbeben in Japan und Ecuador: Doppelschlag der Natur

Erst Japan, dann Ecuador - zwei Erdbeben haben viele Menschen getötet und Tausende verletzt und obdachlos gemacht. Im DW-Interview erklärt der Seismologe Günter Asch, was die beiden Beben gemeinsam haben.

DW: Am Samstagabend bebte die Erde in Ecuador mit einer Stärke von 7,8. Kurz davor geschah ein Beben mit 7,3 in Japan. Hängen diese beiden Beben zusammen?

Günter Asch: Ja und Nein. Die Ursache für die Beben in Japan und in Ecuador ist, dass sie beide auf dem Pazifischen Feuerring liegen. Und in beiden Fällen handelt es sich um tektonische Subduktionsbeben.

Was geschieht bei dieser Art von Beben?

Die pazifische Ozeanplatte - oder im Falle Südamerikas die Nazca-Platte - schiebt sich unter die Kontinentalplatten. Diese Situation haben wir in Ecuador und in Japan. Und dieses Abtauchen der Platte bedeutet, dass wir im Kontaktbereich zwischen diesen beiden Platten ein Spannungsgebiet haben: die sogenannte seismische Kopplungszone. Hier wird Spannung aufgebaut und wenn die Spannung dann groß genug ist, rutscht die Platte weiter und das äußert sich oft in einem Erdbeben.

Inwiefern hängen die Platten und der Pazifischer Feuerring nun zusammen?

Überall, wo die ozeanische Platte unter den Kontinent geschoben wird, wirken Kräfte. Dadurch entstehen Erdbeben, sie sind aber auch entscheidend für die Gebirgsbildung - wie beispielsweise die Anden oder die Rocky Mountains.

Ein anderer Effekt ist, dass die Bewegung auch zu mineralischer Umwandlung führt. Das trägt zur Bildung von Magma bei und so entstehen dann auch Vulkane, die dann wiederum für den Aufbau der Gebirge verantwortlich sind. Die Anden sind zum Beispiel nichts anderes als das Ergebnis von Subduktion.

Der Feuerring zieht sich ja wie eine Art Hufeisen entlang des Pazifiks. Inwiefern sind alle Länder entlang des Rings von Erdbebengefahr bedroht?

An jedem Ort entlang des Feuerrings gibt es im Abstand von 100 Jahren immer wieder ein Erdbeben von der Stärke, wie wir es in Ecuador und in Japan gesehen haben. Wenn diese Platten untereinander geschoben werden, baut sich konstant Spannung auf. Dieser Prozess findet überall (Anm. der Redaktion: entlang des Pazifischen Feuerrings) gleichmäßig und kontinuierlich statt. Die Platten brechen aber natürlich zeitlich versetzt ab. Und wenn die Platte an einer Stelle bricht und ein Beben stattgefunden hat, dann ist erstmals die Spannung raus. Dann kehrt an der Stelle wieder etwas Ruhe, aber da die Subduktion immer weiterläuft, wird die Spannung auch wieder aufgebaut - bis zum nächsten Beben.

Hätte man nach dem Erdbeben in Japan denn vorhersagen können, dass die Erde danach in Ecuador bebt?

Überhaupt nicht. Die Beben haben von der Spannungsumverteilung nichts miteinander zu tun. Das Japanbeben ist nicht der Auslöser für das Ecuadorbeben. Dass die beiden gleichzeitig stattgefunden haben, ist eher Zufall.

Günter Asch ist Seismologe für das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam. Bei seiner Arbeit beschäftigt er sich viel mit der Beschaffenheit der Erde in Südamerika.

Das Interview führte Nicolas Martin

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