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Kultur

Erdbeben im Iran

Nur 14 Monate nach dem schweren Beben von Bam haben heftige Erdstöße den Iran erschüttert. Noch ist das genaue Ausmaß unklar. Die Menschen in der Region leben in ständiger Angst.

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Leben mit der Angst

Um 6:00 Uhr morgens bebt die Erde in der Stadt Sarand und in den Dörfern der Provinz Kerman, im Südwesten des Iran. 6,4 auf der Richterskala messen Wissenschaftler in den Instituten rund um die Welt. Doch lange ist unklar, wie schlimm das Beben die Region getroffen hat. Kerman ist ein besonders entlegenes Gebiet des Iran. Staatlichen Medien zufolge wurde davon ausgegangen, dass es mehr als 500 Totesopfer gebe, mehr als 600 Menschen wurden verletzt, hieß es. Rettungskräfte gingen dagegen von weit höheren Zahlen aus.

"Viele Dörfer sind von den Hilfskräften noch gar nicht erreicht worden, und wir glauben, dass die Zahl der Toten noch stark ansteigen könnte", sagt der Krankenhausdirektor von Sarand, Iradsch Scharifi. Ein Großteil der Gebäude in Sarand wurde komplett zerstört, die umliegenden Dörfer existieren nicht mehr. Alleine in Sarand leben knapp 130.000 Menschen.

Erinnerungen an Bam

Zahl der Erdbebenopfer steigt auf 20.000

Bie dem Erdbeben in Bam im Dezember 2003 starben knapp 30.000 Menschen

Ängste und Erinnerungen an das Erdbeben von Bam werden wach, als ebenfalls im Südosten des Iran kurz nach Weihnachten 2003 mehr als 30.000 Menschen in den Trümmern der historischen Stadt Bam starben. Auch hier war das Ausmaß der Katastrophe lange unklar. Doch auch, wenn dieses Mal das Beben offenbar weniger Opfer forderte, mit der Angst vor der Katastrophe leben die Menschen hier ständig.

Geologisch hochaktive Zone

Das Land liegt in einer geologisch hochaktiven Zone. Zwei Erdplatten, die Indisch-Australische und die Arabische, treffen hier auf die Eurasische Landmasse und verkeilen sich jedes Jahr ein Stück weiter ineinander. Das baut enorme Spannungen in der Erdkruste auf, die sich, wenn der Druck zu stark wird, in Erdbeben entladen. Jeden Tag registrieren Geologen im Iran kleine Erdstöße, und alle paar Jahre kommt es zu einem großen Beben.

Horrorszenario für Teheran

Die letzten Beben erschütterten die besonders dünn besiedelten Gegenden im Süden und Südosten des Iran. Trotzdem waren hohe Opferzahlen zu beklagen. Die Sorge ist daher groß, dass eines Tages ein Erdbeben auch die dichter besiedelten Gebiete oder gar eine der Millionenstädte des Landes treffen könnte. Meschhed oder die Hauptstadt Teheran - beides Millionenmetropolen liegen unmittelbar auf der Plattenzone, an der besonders häufig und besonders starke Beben registriert werden. Ein seismologisches Ereignis wie jetzt wieder in Kerman wäre hier ein Horrorszenario.

Freies Bildformat: Schweres Erdbeben im Iran

Neues Erdbeben im Südosten des Iran: Blick auf ein völlig zerstörtes Dorf

Das hat auch die Teheraner Führung erkannt. Die Stadtväter diskutierten nach den Zerstörungen von Bam sogar eine Verlegung der Hauptstadt, weiter weg von dem hochgefährdeten Gebiet, in dem Teheran liegt. Die Pläne sind mittlerweile wieder in den Schubladen verschwunden, eine Finanzierung schien unmöglich.

Entscheidend: Bauqualität

Erdbeben im Iran

Bilder des iranischen Fernsehens aus der betroffenen Provinz Kerman

Stattdessen soll in Zukunft mehr daran gesetzt werden, die Bauqualität im Iran zu verbessern. Denn auch stärkere Erdbeben stellen bei soliden Bauten kaum eine Gefahr dar. Die traditionellen Konstruktionen aus gebrannten Ziegeln und losem Mörtel jedoch halten selbst leichteren Erdstößen nicht stand.

Doch auch für solche Vorsorgemaßnahmen fehlt in dem Land das Geld. Die weltweite Spendenbereitschaft Ende 2003, nachdem die antike Altstadt von Bam in wenigen Sekunden für immer vernichtet worden war und zehntausende unter den Trümmern der Stadt begraben worden waren, hat bereits vieles ermöglicht. Aber für eine nachhaltige Sanierung der Infrastruktur und der Wohnverhältnisse wären in einem Land mit knapp 70 Millionen Einwohnern Milliarden Euro notwendig. (cs)

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