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Amerika

Enthusiasmus und Skepsis

Präsident Barack Obama verfügte kurz vor dem Amerika-Gipfel, die US-Sanktionen gegen Kuba zu lockern. Die 1,5 Millionen Exil-Kubaner in den USA dürfen ihre Verwandten in Kuba besuchen und unbeschränkt Geld überweisen.

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Eine der größten Exil-Kubaner-Gemeinden in den USA ist die in Los Angeles. In der Metropole an der Westküste leben rund 85.000 Bürger kubanischer Herkunft. Die Reaktionen auf die Entscheidung des Präsidenten sind sehr unterschiedlich.


Erinnerung an Enteignung verhindert Versöhnungsgedanken


Rosa Legra zeigt stolz auf ein Schwarz-Weiß-Photo über der Theke ihres Fachgeschäfts für Tauf-, Kommunions- und Hochzeitskleidung: es zeigt ihre Mutter bei der Kommunion in einem Kloster von Havanna. Die Legra-Familie besaß Zucker- und Tabakplantagen auf Kuba. Unter dem Castro-Regime wurde ihr Besitz verstaatlicht. Als Rosas Mutter, ihr Mann, zwei Töchter und ihre Eltern 1961 in die USA flüchteten, konnten sie nur die Kleidung mitnehmen, die sie am Körper trugen. Rosa Legra hält nichts davon, Sanktionen gegen Havanna zu lockern. Sie werde nie nach Kuba reisen oder mit ihren Dollars das kommunistische Regime unterstützen, erklärt die Geschäftsbesitzerin leidenschaftlich.

Rosa's Shop - Rosa Legra

Rosa Legra, Besitzerin von "Rosa's Shop", hält nichts von Reiseerleichterungen für Exilkubaner

Sie würde gehen, wenn die Familie ihren Besitz zurück bekäme. Doch, so Rosa Legra: “Meine Mutter weint die ganze Zeit, mein Vater ist deprimiert. So etwas vergisst man nicht. Wir werden niemanden besuchen!”


Vorfreude auf Familienbesuche


Ganz anders reagieren Maya Velásquez und Tina Allen, zwei Schwestern aus der zweiten Generation von Exil-Kubanern, auf die Nachricht von Embargo-Lockerungen. Ihre Mutter kam vor rund 40 Jahren aus Kuba in die USA - mit einem Bruder und ihren Eltern. Die 27jährige Tina würde am liebsten sofort einen Flug nach Havanna buchen, um Cousinen und Cousins zu besuchen, die sie seit Jahren nicht gesehen hat. Tina findet, die Reisebeschränkungen hätten schon lange aufgehoben werden sollen. Sie freut sich sehr, dass sie nun nach Kuba fliegen kann.


Ein halbes Jahrhundert Sanktionen - Zeit für eine neue Politik

Castro während der Invasion

Die Invasion der Schweinebucht scheiterte, Fidel Castro blieb bis 2006 im Amt

Seit fast 50 Jahren bestehen Handels- und Reisebeschränkungen zwischen den USA und Kuba. Kurz nachdem die Brüder Fidel und Raúl Castro, Ernesto “Che” Guevara und andere Revolutionäre Kubas Diktator Batista gestürzt hatten, entwickelte US-Präsident Dwight Eisenhower 1960 einen Aktionsplan mit dem Ziel, die Etablierung eines sozialistischen Staates zu verhindern. Er verbot, Zucker aus Kuba zu importieren sowie Öl und Waffen nach Kuba zu liefern. Eisenhower wies den CIA an, mit Hilfe der Exil-Kubaner einen Putsch auf der Karibikinsel vorzubereiten. Unter seinem Nachfolger John F. Kennedy scheiterte die Invasion in der Schweinebucht. Das Verhältnis zwischen beiden Staaten verschlechterte sich weiter. Kennedy verhängte ein umfangreiches Reise- und Handelsembargo.


William Ratliff, Lateinamerika-Experte des Hoover-Politik-Institutes an der Universität von Stanford fordert von der US-Regierung, die Sanktionen weiter zu lockern. Ratliff hat das Handels-Embargo in der Zeit des Kalten Krieges unterstützt. Seit fast 20 Jahren ist er dagegen. Zur Begründung erklärt er: “Es hat nicht funktioniert. Es hat Kuba keine Demokratie gebracht, die Region nicht sicherer gemacht, die Lebenssituation der Kubaner nicht verbessert.” Der Lateinamerika-Experte erwartet nicht, dass Präsident Obama sich schnell für weitgehende Embargo-Lockerungen einsetzen wird. Dafür sei die Gemeinde der 1,5 Millionen Exil-Kubaner in den USA zu einflussreich und kapitalkräftig. Ratliff geht davon aus, dass der Präsident nicht annähernd so weit gehen wird, wie er es sich wünscht, weil er so viele wichtige Probleme lösen müsse und dafür jede Stimme im Kongress brauche. “Der Präsident kann nicht Kongressmitglieder abschrecken, deren Stimmen er möglicherweise bekommt, wenn er mit großen Veränderungen in der Kubapolitik noch etwas wartet,” vermutet Ratliff.


Warnung vor Verklärung und Neugier auf das Land der Vorfahren

Maya Vasquez und Tina Allen

Maya Vásquez (links) und Tina Allen (rechts), wollen endlich die Heimat ihrer Eltern kennenlernen

Besonders älteren Exil-Kubanern in den USA gehen die von Präsident Obama beschlossenen Lockerungen bereits viel zu weit. Sie und ihre Unterstützer verweisen auf anhaltende Menschenrechtsverletzungen der Castro-Regierung. Rosa Legra warnt vor einer verklärten Sicht der Situation, in der viele Menschen hungern und nichts anzuziehen hätten. Ihre Mutter habe schlimme Dinge gesehen, erinnere sich daran, dass Menschen der Kopf abgehackt wurde. “Freunde von ihr wurden verhaftet, weil sie katholisch sind. Und hart dafür bestraft”.

Tina Allens Mutter erzählt nicht viel von Kuba. Die 27 jährige gibt zu, dass sie nur sehr wenig von Kuba und seiner Geschichte wisse. Weil sie nie hätte dort hin reisen können, habe sie auch nicht darüber sprechen wollen.Jetzt kann sie es kaum erwarten, sich endlich ein eigenes Bild von dem Land zu machen. Zur Feier das Tages fordert sie “Zigarren für alle!”

Autorin: Kerstin Zilm

Redaktion: Mirjam Gehrke

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