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Wirtschaft

Energiewende bringt sozialen Fortschritt

Global agierende Unternehmen, Investoren und Experten empfehlen die Halbierung der CO2-Emissionen bis 2040. In einem aktuellen Report fordern sie eine schnellere Energiewende und betonen die sozialen Chancen.

Es ist technisch und wirtschaftlich machbar, zuverlässige und saubere Energie für alle Menschen bereitzustellen, Wirtschaftswachstum zu erzielen und gleichzeitig die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht Better Energy, Greater Prosperity , der von der Energy Transitions Commission (ETC) verfasst und heute in London veröffentlicht wurde.

Zu der breit gefächerten ETC-Gruppe gehören führende Vertreter der Energie- und Finanzwirtschaft, Klimaexperten und Forscher. Darunter sind auch Namen, wie der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, der Ex-Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, und führende Vertreter von BlackRock, Shell, RWE, den Vereinten Nationen und des Rocky Mountain Institute.

"Wir haben ambitionierte, aber realistische Ziele. Trotz der gewaltigen Herausforderungen sind wir überzeugt, dass die erforderliche Wende technisch und wirtschaftlich zu schaffen ist, vorausgesetzt, es werden umgehend Maßnahmen ergriffen", erklärt Adair Turner, Vorsitzender der ETC.

Sauberer Strom weltweit in 15 Jahren möglich

Dem Bericht zufolge ist kosteneffektiver und sauberer Strom durch sinkende Kosten für erneuerbare Energien und Akkus unaufhaltsam. So könne ausreichend klimafreundliche Energie weltweit ermöglicht werden.

Würden die geeigneten Strategien entsprechend umgesetzt, wird es nach Einschätzung der Experten innerhalb von 15 Jahren möglich sein, mit erneuerbaren Energien 80 bis 90 Prozent der Stromversorgung weltweit abzudecken. Der so erzeugte Strom würde dann zudem weniger als 6,4 Eurocent pro Kilowattstunde (kWh) kosten und wäre so nicht teurer als die Stromerzeugung mit fossilen Energien.

Erneuerbare Energie für Heizung, Industrie und Verkehr

Der Report sieht die sogenannte Dekarbonisierung der Stromerzeugung als zentrales Element zur Erreichung der Pariser Klimaziele. Bis 2040 ließen sich durch die Umstellung auf erneuerbare Energien die CO2-Emissionen im Vergleich zu heute so weltweit halbieren.

Wichtig sei zudem die Nutzung des sauberen Stroms auch für Heizung, Industrie und Verkehr. Zum einen lässt sich vor allem Wind- und Solarstrom direkt vor Ort weltweit günstig erzeugen, zum anderen ist der Einsatz von Strom oft viel effektiver und spart somit Energie: Dem Bericht zufolge brauchen Elektromotoren im Vergleich zu Verbrennungsmotoren drei bis vier Mal weniger Energie - das sind nach Berechnungen der Experten umgerechnet nur etwa 1,4 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Auch Wärmepumpen zur Gebäudeheizung kommen im Vergleich zur Gasheizung mit bis zu 90 Prozent weniger Energie aus.

Nach Ansicht von ETC könnte die optimierte Energienutzung zu einem 30-prozentigen Rückgang aller fossilen Brennstoffe bis 2040 weltweit führen; der Verbrauch von Kohle könnte im Vergleich zu heute um 67 Prozent sinken; der von Erdöl um 32 Prozent; nur der Gasverbrauch bliebe gleich.

Infografik Energieverbrauch pr Person in der Welt DEU

In einigen Ländern ist der Energieverbrauch sehr hoch. Durch mehr Effizienz lässt sich dieser deutlich senken.

Als eine besondere Herausforderung sehen die Autoren der Studie die CO2-Reduktion im Schiffs- und Luftverkehr, der Schwerindustrie und in der Stahl-, Zement- oder Chemiebranche. "Hier gilt es, eine Revolution in Bezug auf die Energieproduktivität herbeizuführen", heißt es. Jedoch gingen die Fortschritte viel zu langsam voran. Um schnellere Verbesserungen zu erzielen, seien zudem konsequentere Entscheidungen in der Politik und erhebliche öffentliche und private Investitionen erforderlich, damit die Technologien wie Bioenergie, Abwärme, Wasserstoff und CO2-Abscheidung (CCS) "kosteneffektiv werden".

Soziale Vorteile durch Energieumbau

Die Wende zu einem CO2-armen Energiesystem sei laut ETC zudem mit bedeutenden sozialen Vorteilen verbunden. Erwähnt werden die verbesserte Luftqualität und ein generell gesünderes Leben. In Verbindung mit der Weiterentwicklung von Technologien und innovativen Geschäftsmodellen würden sich zudem wirtschaftliche Chancen ergeben. "Wir zeigen auf, wie die Barrieren beseitigt werden können, um aus Herausforderungen Chancen zu machen, und dies nicht nur in ausgereiften Wirtschaftssystemen, sondern auch in Schwellenländern", erklärt Ajay Mathur, Ko-Vorsitzender der ETC.

Voraussetzung für den Umstieg auf kohlenstoffarme Energiesysteme in der ganzen Welt sei jedoch ein rascherer Fortschritt als in den letzten 20 Jahren. Jahr für Jahr müsse die Energieproduktivität um drei Prozent wachsen, und der Energieanteil aus kohlenstofffreien Quellen müsse um mindestens ein Prozent steigen. Erforderlich seien hierfür eine "durchgreifende Politik", ein "sinnvoller Preis" für CO2-Emissionen, ein Auslaufen der Subventionen für fossile Brennstoffeund öffentliche Investitionen in das Transportwesen und in die urbane Infrastruktur.

Andere Studien sehen die sozialen Vorteile durch den globalen Energieumbau ähnlich, fordern aber ein viel schnelleres Umsteuern in der Politik weltweit, um die Erderwärmung noch rechtzeitig zu bremsen und die Zukunft von nachfolgenden Generationen zu sichern.

Die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) geht in ihrer aktuellen Analyse davon aus, dass zur Erreichung der Pariser Klimaziele der weltweite Zuwachs an erneuerbaren Energien pro Jahr zwischen 1,5 und zwei Prozent liegen sollte und so die fossilen Energien bis zur Mitte des Jahrhunderts ersetzt werden könnten.

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