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Energie

Deutschland hinkt bei Energiewende hinterher

Es gab mal eine Zeit, da war Deutschland bei Erneuerbaren Energien Vorreiter. Doch nach aktuellen Prognosen hängen wir mittlerweile hinterher, auch beim vereinbarten EU-Klimaziel. Warum?

Der Anteil von Erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch soll in Deutschland im Jahr 2020 bei mindestens 18 Prozent liegen. Zu diesem Ziel hat sich die Bundesregierung im Rahmen der EU-Klimaziele verpflichtet.

Nach einer aktuellen Prognosevom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) wird jedoch der Anteil an Erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung, beim Verkehr und bei der Erzeugung von Wärme bei lediglich 16 Prozent liegen. Im letzten Jahr lag der Anteil der Erneuerbaren Energien am sogenannten Endenergieverbrauch in Deutschland bei 14,6 Prozent. Das heißt: Das von Deutschland gesetzte Ziel wird ohne nachhaltige Kurskorrektur voraussichtlich deutlich verfehlt.

Warum hinkt Deutschland hinterher?

Ein Grund für die prognostizierte Zielverfehlung liegt am Scheitern der deutschen Politik für mehr Energieeffizienz. Die Bundesregierung hatte sich im Rahmen der EU-Klimaziele verpflichtet, den gesamten Energiebedarf bis 2020 im Vergleich zu 2008 um 20 Prozent zu senken.

Bis 2014 sank der Energieverbrauch in Deutschland jedoch lediglich um 7,4 Prozent und das Zwischenziel von zehn Prozent wurde verfehlt. Hinzu kommt, dass seit 2014 der Energieverbrauch in Deutschland sogar wieder steigt. Die Chancen, dass das gesetzte EU-Einsparziel ohne Kurskorrektur noch erreicht werden kann, stehen demnach schlecht .

"Das Klimaschutz-Problem in Deutschland verschärft sich, weil auch die Energieeffizienz-Ziele nicht umgesetzt werden und der Energieverbrauch steigt", beschreibt Tina Löffelsend, Klimaexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Entwicklung. "Die Bundesregierung hat sich Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben, aber viel zu wenig dafür getan. Auch beim Ausbau von Erneuerbaren Energien wurde die Bremse eingebaut."

Vor allem bei der Wärmerzeugung mit Erneuerbaren Energien und auch im Verkehr kommt Deutschland beim Energieumbau nicht richtig voran, der Energieverbrauch nahm gerade hier wieder zu.

Besonders groß sind die Probleme im Verkehr: Hier stieg der Energiebedarf zwischen 2005 und 2016 um über vier Prozent und entsprechend die CO2-Emissionen. Zudem ist der Anteil von Erneuerbaren Energien zu gering und ging von damals sieben auf heute 5,2 Prozent sogar noch zurück.

Kriegt Deutschland die Kurve?

Nach Ansicht von Umweltverbänden steuert Deutschland auf eine internationale Blamage zu. Die nächste Weltklimakonferenz ist in Bonn und so steht Deutschlands Klimabilanz im Fokus der internationalen Öffentlichkeit. "Der einstige Klimaschutz-Vorreiter Deutschland droht nicht nur sein CO2-Emissionsziel für 2020 krachend zu verfehlen, sondern auch noch das in der EU vereinbarte Ziel für den Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch. Deutschland kommt bei der Umsetzung der Ziele des Pariser Klimaabkommens im eigenen Land nicht voran", sagt Christoph Bals von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Laut aktueller Analyse von Agora Energiewende dürfte Deutschland ohne Kurskorrektur das festgelegte Regierungsziel zur Treibhausgasminderung deutlich verfehlen. Die Bundesregierung hatte international angekündigt, bis 2020 seine CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. Ohne kräftiges Gegensteuern wird aber voraussichtlich nur eine Minderung von 30 bis 31 Prozent erreicht.

"Wir werden Wege finden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten", versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel kürzlich in einer Wahlsendung des ZDF. Details wie sie dies noch erreichen will, sagte sie jedoch nicht.

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Klimaschutz wird zur großen Herausforderung

Für Umwelt- und Klimaexperten ist klar, dass die nächste Bundesregierung dringend und umfassend nachbessern muss, "sie muss all das aufholen, was die jetzige hat schleifen lassen", so Löffelsend.

Zu den erforderlichen Maßnahmen gehört nach Ansicht der Experten der deutlich beschleunigte Ausbau von Erneuerbaren Energien, ein deutliches Absenken des Energieverbrauchs und ein zügiger Einstieg in den sozialverträglichen Kohleausstieg. "Den Klimaschutz und die Energiewende voranzutreiben, darf in der neuen Regierung kein Nischenthema mehr sein. Sonst handelt sie auch gegen das Wohl und den Willen ihrer Bürger", sagt Klimaexperte Michael Schäfer vom WWF.

In einer aktuellen und repräsentativen Umfrage im Auftrag des WWF gaben 88 Prozent der Befragten an, dass die Themen Energie und Klimaschutz ein wichtiger oder sehr wichtiger Faktor für ihre Wahlentscheidung seien. Die Mehrheit der Befragten (51 Prozent) sagte allerdings auch, dass Klima- und Umweltschutz im Wahlkampf bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurde.

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