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Afrika

Energiegeladene Musik aus Luanda

"Luanda, Factory of Music", ein Film über die boomende Musikszene der angolanischen Hauptstadt, begeistert bei Dok Leipzig die Zuschauer und die Auswahlkommission. Der Film landete sogar im Nachwuchswettbewerb.

Luanda (Foto: dpa)

Angolas Hauptstadt Luanda

Laute Musik schallt aus einem kleinen Haus in einem Armenviertel von Luanda, tiefe Bässe und aggressiver Sprechgesang. Hier hat DJ Buda zwei kleine Tonstudios eingerichtet – und produziert die Musik, die inzwischen ganz Luanda hört: Kuduro, eine Mischung aus Rap, traditionellen angolanischen Rhythmen und elektronischer Musik.

Die Studios von DJ Buda sind immer voll, von morgens bis abends wird hier gesungen, aufgenommen, diskutiert, gemischt und dann am Wochenende zur fertigen Musik gefeiert. DJ Buda liefert die Beats und die Jugendlichen aus seinem Viertel kommen mit ihren Texten, die sie selbst geschrieben haben, ins Studio.

Schlange stehen im Studio

Ines Goncalves, Regisseurin von Luanda (Dok Leipzig)

Ines Goncalves, Regisseurin von Luanda

Die Musik spielt im Leben der Kinder und Jugendlichen eine entscheidende Rolle, erzählt Ines Goncalves, die zusammen mit Kiluanje Liberdade "Luanda, factory of music" gedreht hat. Fast jeder Junge aus Luanda habe schon einmal ein Stück aufgenommen, und die eigentlich schon in den 1980er Jahren entstandene Musik erlebe gerade einen richtigen Boom und werde immer populärer. "Die Kinder kommen oft jeden Tag ins Studio. Manchmal warten einhundert, um etwas aufzunehmen."

Im Studio steht gerade ein Teenager und singt, brüllt fast zu den elektronischen Klängen ins Mikrofon, so als wolle er sich allen Frust aus dem Leib schreien. Die Texte der Kinder und Jugendlichen handeln von ihrem Alltag, von Gewalt, Armut, Ärger mit der Polizei und den Mitgliedern anderer Gangs. Aggression und Frust schwingen in der energiegeladenen Musik mit.

Die politische Situation in Angola, den Bürgerkrieg und seine Folgen thematisiert der Film nicht direkt, auch wenn seine Spuren überall zu sehen sind: in den kaputten Häusern, der fehlenden Infrastruktur, den Sirenen der Polizei. Und auch in der Musik – wenn auch eher unbewusst, glaubt Regisseurin Ines Goncalves.

Beginn einer neuen Ära?

Deshalb haben sich die beiden Regisseure auch entschieden, das Thema Politik nicht offen anzusprechen. Denn sie wollten den Film über die Kinder erzählen. "Ich habe oft nachgefragt, was ihre Texte und die Musik bedeuten", berichtet Goncalves. "Die Kinder singen sie, aber sie können nur schwer erklären, warum sie diese Texte ausgewählt haben." Doch in der Musik könne man fühlen, dass die junge Generation in Angola ein neues Leben beginnt, davon ist die Regisseurin überzeugt.

Diese Kraft des Kuduro überträgt sich auf den Film, er ist rhythmisch und energiegeladen. Und vor allem gelingt es ihm, den Protagonisten nahe zu kommen, mit ihrem Ärger, ihren Ängsten, aber auch ihrem positiven Blick in die Zukunft.

Autorin: Sarah Mersch

Redaktion: Christine Harjes

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