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Wirtschaft

Eiszeit zwischen Iran und Deutschland

Das Embargo der UN und Druck aus den USA haben den Wirtschaftsfluss zwischen Deutschland und dem Iran immer mehr ins Stocken gebracht. In der deutsch-iranischen Industrie- und Handeslkammer macht man sich Sorgen.

Zwei riesige Bauteile für Kugelmühlen liegen zum Abtransport in den Iran bereit (Foto: dpa)

Deutsche Kugelmühlen für den Iran

Eine Anhängerin des reformorientierten Präsidentschaftskandidaten Mir Hussein Mussawi macht mit ihrer grün bemalten Hand ein Victory-Zeichen (Foto: AP)

Wahlkampf im Iran - Freitag ist es soweit

In den Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Iran, die einst gut und eng waren, knischt es. Im Januar 2009 sind die Exporte von Deutschland in den Iran im Vergleich zum Vorjahresmonat drastisch eingebrochen - um rund 28 Prozent. Sie seien damit um fast ein Drittel zurückgegangen und würden nur noch bei etwa zwei Milliarden Euro liegen, sagt Daniel Bernbeck, der Geschäftsführer der deutsch-iranischen Industrie- und Handelskammer. Und auch die Exporte des Irans nach Deutschland sind um rund 24 Prozent gesunken.

Deutsche "katholischer als der Papst"

Marktstand in Teheran (Foto: AP)

Lebensmittel unterliegen nicht dem Embargo

Den Grund des Exporteinbruches meint Moghtadi Kermanshahani, Vizepräsident der Kammer, zu kennen. "Deutschland ist katholischer als der Papst. Das Land ist strenger, als es die Vereinten Nationen vorgeben." Waren wie beispielsweise Lebensmittel oder Drehbänke hätten nichts mit den Sanktionen zu tun, und trotzdem schreibe die deutsche Regierung vor, sie nicht in den Iran zu exportieren.

Fast noch schlimmer als die harsche Auslegung der Sanktionen empfindet Kammer-Geschäftsführer Daniel Bernbeck die derzeitige Stimmung gegen deutsche Unternehmer. "Da heißt es, dass jeder, der mit dem Iran oder mit iranischen Unternehmen Geschäfte macht, sich quasi mitverantwortlich macht für das, was die iranische Regierung tut oder angeblich tut."

Deutschen drohen asiatische Kopien

Frau mit mehreren gefälschten Uhren am Arm (Foto: AP)

Nicht nur Maschinen, auch Uhren werden in Asien kopiert und gefälscht

Bernbeck, der im Iran aufgewachsen ist und fließend Farsi spricht, bemüht sich um Schadensbegrenzung. Ein großes Problem sei Asien. Dort würden schon jetzt deutsche Produkte kopiert und dann in den Iran geliefert. Mit iranischem Know-how arbeite man anschließend an der Qualitätsverbesserung.

Am Ende gebe es dann ein Produkt, dass zu 90 Prozent der deutschen Qualität entspreche, aber deutlich günstiger sei, warnt Bernbeck. "Es wird für Deutsche sicher sehr viel schwieriger werden, solche günstigeren Lieferungen aus Asien dann wieder aus dem Markt rauszudrängen. Das geht dann wieder nur durch eine noch höhere Qualität, durch besondere Serviceleistungen oder schlicht durch Preisnachlässe." Und das könne kaum im Sinne der Deutschen sein.

Amerikaner sind weniger zimperlich

Die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Iran werden außerdem zusätzlich dadurch erschwert, dass es seit Anfang des Jahres keine Hermesbürgschaften mehr für Neugeschäfte gibt. Die Amerikaner sind da etwas pragmatischer. Während sich die Deutschen vor allem dem Druck der USA beugen, machen die Amerikaner ihrerseits Geschäfte mit dem vermeintlichen Schurkenstaat, meint Moghtadi Kermanshahani. "Wir haben 2007 Importe von 270 Millionen gehabt und 2008 gemäß unseres Zollregistrierungsamtes in Höhe von 720 Millionen. Das heißt, der Export aus den USA in den Iran hat sich verdreifacht."

Logo am Gebäude der Citigroup in New York (Foto: AP)

Citigroup bemüht sich um Geschäft mit dem Iran

Und dieser Trend werde sich fortsetzen, ist sich Kermanshahani sicher. Hartnäckig halte sich beispielsweise das Gerücht, die US-amerikanische Citigroup habe eine Lizenz für den Iran beantragt. Wohingegen sich die Deutsche Bank erst kürzlich zugunsten ihres US-Geschäfts aus dem Iran verabschiedet hat. Ziehen also die Amerikaner möglicherweise an den Deutschen vorbei? Bernbeck ist sich da ziemlich sicher. "Es ist mir aus persönlicher Kenntnis bekannt, dass Vertragsdokumente amerikanischer Anbieter zur Unterschrift vorliegen, so dass die iranischen Auftraggeber tatsächlich nur ihren Haken drunter setzen müssten, um zum Vertragsabschluss zu kommen."

Das, so Bernbeck, wäre dann ein Bruch des US-Embargos - des bilateralen US-Embargo, nicht des UN- oder EU-Embargos. Doch das würden die Unternehmen in Kauf nehmen, um sich entsprechende Vertragsverhältnisse zu sichern. Nämlich für die Zeit nach der Präsidentschaftswahl, wenn sich der Iran in der Atomfrage vielleicht etwas kooperativer zeigt. Das übrigens erhofft sich Kammer-Geschäftsführer Bernbeck auch von der deutschen Politik nach der Bundestagswahl im September.

Autorin: Kathrin Erdmann

Redakteurin: Insa Wrede

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