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Deutschland

Einigung im Kita-Tarifstreit

Der Durchbruch kam nach zähen Verhandlungen und den massivsten Erzieher-Streiks in der Geschichte der Bundesrepublik: Die Beschäftigten in Kindertagesstätten erhalten mehr Geld und einen besseren Gesundheitsschutz.

Kinder und Erzieherin beim Mittagessen in der Kita (Foto: dpa)

Erzieherinnen werden für ihre Arbeit künftig besser bezahlt

Nach sechsmonatigem Tarifstreit und einem fünftägigen Abschluss-Marathon einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber am Montag (27.07.2009) in Frankfurt am Main auf deutliche Gehaltszuwächse für die 220.000 Beschäftigten in kommunalen Kindertagesstätten und Sozialeinrichtungen. Die Neuregelungen sollen zum 1. November in Kraft treten.

Um durchschnittlich 120 Euro steigen die Monatsgehälter der Erzieherinnen und Sozialarbeiter. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, nannte für die 16 verschiedenen Entgeltgruppen einen Rahmen von 80 bis 140 Euro.

Komplizierte Tabellen

Wegen der komplizierten Tariftabellen wurden von Arbeitgebern und Gewerkschaften keine genauen Prozentzahlen für die Steigerungen angegeben. Laut Deutschem Beamtenbund können Erzieherinnen mit Einkommensverbesserungen von bis zu zehn Prozent rechnen. Für Sozialarbeiter mit besonderer Verantwortung sei in bestimmten Fällen ein Plus von über 250 Euro möglich.

"Der Abschluss fällt den Kommunen nicht leicht", sagte der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle. Die Einigung werde die Kommunen jährlich mit 500 bis 700 Millionen Euro belasten. Böhle forderte Bund und Länder auf, sich an den Kosten zu beteiligen. Verdi-Chef Bsirske sprach von einem "Schritt nach vorne, der aber hätte weiträumiger ausfallen können".

Recht auf Gefährdungsanalyse

Demonstrierende Erzieherinnen in Jena (Foto: AP)

Erzieherinnen demonstrieren Mitte Juni in Jena

Der Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz sieht vor, dass die Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf eine Gefährdungsanalyse ihres Arbeitsplatzes haben. Außerdem soll es in Zukunft betriebliche Kommissionen geben, die Vorschläge für einen besseren Gesundheitsschutz machen, zum Beispiel zu Maßnahmen gegen die Lärmbelastung in Kitas.

Beide Seiten betonten, dass es nach der Tarifeinigung eine gesellschaftliche Aufwertung des Berufsbildes von Erziehern geben müsse. "Die Arbeit an einem Auto hat hier und da einen höheren Stellenwert als die an einem Menschen", sagte Bsirske.

Mitglieder müssen noch zustimmen

Nach kontroverser Diskussion hatte eine Versammlung von knapp 300 Kita-Streikleitern aus dem gesamten Bundesgebiet den Kompromiss gebilligt. In der kommenden Woche sollen nun noch die Gewerkschaftsmitglieder in einer bis zum 15. August befristeten Urabstimmung darüber entscheiden.

Der Tarifkonflikt hatte Ende Januar begonnen und sich über Monate immer weiter verhärtet. Seit Anfang Mai gab es bundesweite Kita-Streiks. In der bereits achten Gesprächsrunde der Tarifparteien kam nun der lang erwartete Durchbruch. (gri/win/dpa/ap)

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