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Deutschland

Erzieherinnen streiken in ganz Deutschland

Unmittelbar vor der nächsten Verhandlungsrunde im Streit um bessere Arbeitsbedingungen haben die Erzieherinnen ihre Streiks in städtischen Kindertagesstätten auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt.

Mit einem Transparent stehen streikende Erzieherinnen in Halle (Saale) vor einer Kita (Foto: dpa)

Erstmals wird auch in den neuen Bundesländern gestreikt

Der Bautzener Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Christian Schramm (Foto: dpa)

Christian Schramm kritisiert den Kita-Streik

Die Streiks in kommunalen Kindertagesstätten sind am Dienstag (26.05.2009) in fast allen Bundesländern fortgesetzt worden. Erstmals gab es Arbeitsniederlegungen auch in Ostdeutschland. Nach Ver.di-Angaben legten bundesweit mehr als 25.000 Beschäftigte die Arbeit nieder. An bislang drei Streiktagen in der vergangenen Woche hatten sich bereits etwa 45.000 Beschäftigte beteiligt.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ver.di fordern für die rund 220.000 Beschäftigten in kommunalen Kindertagesstätten (Kitas) und Jugendämtern mehr Gehalt und einen Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz, mit dem der Arbeitsschutz verbessert werden soll. Erzieher sind vor allem großem Lärm ausgesetzt.

Gesundheitsverbände unterstützen Erzieherinnen

Mit den Aktionen wollen die Gewerkschaften vor den Verhandlungen mit den Arbeitgebern am Mittwoch in Berlin den Druck erhöhen. Die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeber (VKA) habe bislang nicht auf die Forderung nach einem verhandlungsfähigen Angebot für einen Gesundheitstarifvertrag reagiert und damit weitere Streiks provoziert, sagte Achim Meerkamp vom ver.di-Bundesvorstand.

Es sei völlig unverständlich, dass die Arbeitgeber nicht die Einsicht hätten, dem Streik ein Ende zu bereiten, indem sie endlich an den Verhandlungstisch kommen, um bessere Arbeitsbedingungen zu tarifieren, sagte Meerkamp. Ver.di erhalte täglich neue Zusagen für Unterstützung von Fachleuten aus Gesundheitsverbänden oder von Eltern, denen eine Verbesserung der Situation am Arbeitsplatz der Erzieherinnen wichtig sei.

"Überflüssiges Muskelspiel"

Ein kleines Mädchen mit einem Papierschirm und einer Trillerpfeife vor einer streikenden Erzieherin (Foto: dpa)

Kinder sind laut - das macht vielen Erzieherinnen zu schaffen

Dagegen kritisierte der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) den Ausstand als "überflüssiges Muskelspiel zulasten von Eltern und Kindern". Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände habe ein konkretes Angebot auf den Tisch gelegt, das den engen finanziellen Spielräumen der Kommunen entspreche, sagte DStGB-Präsident Christian Schramm in Berlin. Nun müssten die Gewerkschaften konstruktiv mit den Arbeitgebern eine Lösung suchen.

Die Forderungen der Gewerkschaften seien angesichts der jüngsten Steuerschätzung und der Milliardenbeträge, die die Kommunen in den Ausbau der Kleinkinderbetreuung stecken müssten, nicht realisierbar.

Kinder auch in neuen Bundesländern vor verschlossenen Türen

Kinder-Gummistiefel stehen in einer bestreikten Kita in einem verwaisten Flur im Regal (Foto: dpa)

Verwaiste Flure in vielen deutschen Kitas

Erstmals kam es am Dienstag auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen zu Arbeitsniederlegungen. Obwohl der Stadtstaat Berlin aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten ist und die Verhandlungen damit die dortigen Beschäftigten nicht betreffen, beteiligten sich nach den Worten von ver.di-Sprecherin Martina Sönnichsen auch Berliner Erzieherinnen an den Aktionen, indem die Frauen Flugblätter an die zurzeit dort tagenden Mitglieder des Deutschen Städtetags verteilten.

In den 20 kommunalen Kitas der Landeshauptstadt Schwerin ruhte am Dienstagvormittag für drei Stunden die Arbeit, wie die Gewerkschaft ver.di mitteilte. Wegen der schlechten Verdienstmöglichkeiten im Osten seien kaum noch junge Menschen bereit, als Erzieher in Kitas zu arbeiten. Zudem werde der Gesundheitsschutz in den bestehenden Tarifbedingungen vernachlässigt, erklärte sie. Der überwiegende Teil der Mitarbeiterinnen scheidet nach ver.di-Angaben wegen der strapaziösen Arbeitsbedingungen vorzeitig aus dem Beruf.

Bsirske erhöht Druck auf die Arbeitgeber

Neben den Streiks in ostdeutschen Kitas gingen auch Erzieher in den alten Bundesländern erneut in den Ausstand. Schwerpunkte waren dort nach Angaben der Gewerkschaften Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen.

In Wuppertal sprach ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske auf einer zentralen Kundgebung zu den Streikenden. Sollte es am Mittwoch keine Entscheidung geben, werde der Streik fortgesetzt, erklärte der Gewerkschafter. Es könne nicht sein, dass für marode Banken Hunderte Milliarden bereitgestellt würden, für die Bildung aber nichts Ausreichendes getan werde.

Die Vergütung der Erzieherinnen und Sozialarbeiter müsse deutlich um 200 bis 1000 Euro brutto je nach Eingruppierung angehoben werden. Das Einstiegsgehalt für Erzieher liege bei rund 2000 Euro brutto. Doch rund 60 Prozent arbeiteten nur Teilzeit und gingen mit 800 bis 900 Euro netto nach Hause. Sie seien häufig auf Zweitjobs angewiesen. (je/mas/ap/dpa)

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