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Asien

Eine Woche Operation Muschtarak

Die Operation Muschtarak soll ein Wendepunkt sein. Rund 15.000 Soldaten sind daran beteiligt: vor allem US-Amerikaner und Briten, aber auch so viele afghanische Soldaten wie noch nie.

US-Soldaten in Helmand (Foto: AP)

Durch die vielen zivilen Opfer ist es schwer, die Bevölkerung vom Wohlwollen der ISAF-Soldaten zu überzeugen

Richard Holbrooke, der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, ist nach der ersten Woche zufrieden mit dem Verlauf der Großoffensive. Zufrieden - aber nicht euphorisch. "Dafür ist es noch zu früh", meint Holebrooke. "Das ist erst der Anfang einer neuen Welle moderner, politischer Kriegsführung zur Aufstandsbekämpfung. Die Menschen stehen im Mittelpunkt, damit es möglichst wenig Opfer gibt. Insofern war die Operation bis jetzt ein Erfolg. Aber es gibt noch kein Abschlussurteil.“

Die größte Offensive gegen die Taliban seit dem Sturz ihres Regimes vor mehr als acht Jahren findet in der südafghanischen Provinz Helmand statt und konzentriert sich auf die beiden Distrikte Nad Ali und Mardscha. Dort leben rund 120.000 Menschen, die meisten von ihnen sind Paschtunen. Sie sind die größte Volksgruppe im ethnisch zerrissenen Afghanistan. Aus den Paschtunen ist die Taliban-Bewegung hervorgegangen.

Taliban in Afghanistan (Foto: dpa)

Aus der Bevölkerungsmehrheit der Paschtunen rekrutieren sich die militanten Taliban

Nick Carter, der britische Kommandeur aller ISAF-Truppen im Süden Afghanistans, ist sich darüber im Klaren, dass viele Bewohner der Kampfzone seine Soldaten als Besatzer wahrnehmen. "Ich rede gerne vom Ende des Anfangs", sagt Carter. "Wir haben gute Fortschritte gemacht. Aber es wird noch ein paar Tage dauern, bevor wir hier in Sicherheit zivile Strukturen aufbauen können. Und es wird natürlich noch Wochen dauern, bis die Bevölkerung spürt, dass wir das alles für sie machen."

Der Erfolg der US-Strategie zur Bekämpfung des Aufstands im paschtunischen Süden Afghanistans ist vom Vertrauen der Bevölkerung abhängig. Die Menschen sollen sehen, dass es eine gute und sichere Alternative jenseits der Taliban gibt. Wenn aber NATO-Raketen und Gewehrkugeln Zivilisten töten, dann gerät das gesamte Konzept ins Wanken. Das weiß auch Generalmajor Nick Carter: "Wir bemühen uns sehr, zivile Opfer zu vermeiden. Es wirft uns zurück, wenn Zivilisten sterben. Aber wir sind uns sicher, dass die Menschen von Mardscha wollen, dass wir weitermachen und diese Gegend säubern. Wir beraten uns mit den Stammesältesten, und unser Eindruck ist, dass sie verstehen, warum so was passiert."

Anschlag in Kabul (Foto: dpa)

Noch können die afghanischen Sicherheitskräfte die Gewalt im Land nicht alleine in den Griff bekommen

Die NATO-geführte ISAF wirft den Taliban vor, sich absichtlich hinter der Zivilbevölkerung zu verstecken. Vor allem Mardscha soll übersäht sein mit Minen und versteckten Sprengfallen. Heckenschützen und kleine, bewaffnete Gruppen greifen aus dem Hinterhalt an. Aber der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak ist sich trotzdem sicher, dass die Operation Muschtarak einen Keil zwischen die Zivilbevölkerung und die Taliban treibt. Zumal die Islamisten ihren wichtigsten, militärischen Führer verloren haben. Mullah Baradar, die Nummer Zwei der Taliban, ist kurz vor Beginn der Offensive in Pakistan gefasst worden.

Jetzt sollen die Soldaten bleiben und auf Dauer Präsenz zeigen, damit der Staat sich auch im sehr konservativen und tief religiösen paschtunischen Süden entwickeln kann. Eine zweifelhafte Strategie, findet Haroun Mir, Politikwissenschaftler aus Kabul. Seiner Meinung nach müssen die eigenen afghanischen Sicherheitskräfte die Bevölkerung schützen. "Die Menschen brauchen funktionierende Gerichte und eine staatliche Grundversorgung", sagt Mir. "Aber die afghanische Regierung ist in Korruption verstrickt und hat es ja noch nicht mal in Kabul geschafft, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Und dann soll das in Helmand gelingen?“

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Nicola Reyk

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