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Reise

Eine Stadt macht sich frei

Bautzen - ein Synonym für "Stasi-Knast" und "Senf". Zum 1000-jährigen Jubiläum kämpft die heimliche Hauptstadt der Oberlausitz um einen guten Ruf.

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Früher war Bautzen vielen wurst

Die sächsische Stadt Bautzen war bisher ein Symbol für Schrecken und Angst, für "Gelbes Elend" und "Stasi-Knast" - gerade für die Menschen im Westen Deutschlands. Jüngere Ostdeutsche denken vielleicht eher ans Essen, an "Bautz'ner Senf". Beides wird dem deutsch-sorbischen Städtchen nicht gerecht. Langsam merken das auch Besucher aus Ost und West. Einen großen Schub beim Imagewandel erhofft sich die Stadt nun durch ihr Programm zum 1000-jährigen Bestehen.

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Mädchen aus der Gemeinde Storcha bei Bautzen

Mädchen aus der Gemeinde Storcha bei Bautzen in ihren traditionellen Kostümen

Fast 200 Veranstaltungen stehen in den nächsten Wochen an in der Stadt, in der Deutsche und Sorben seit Jahrhunderten friedlich miteinander leben, und wo Straßenschilder zweisprachig sind. Ein Höhepunkt ist ein historischer Festzug am 1. September mit 2500 Mitwirkenden. Zum offiziellen Festakt wird eine eigens für das Stadtjubiläum komponierte Festmusik erklingen. Mittelaltermärkte und ein Lager der Milzener, einem sorbischen Stamm, erinnern an längst vergangene Zeiten.

Wiederauferstehung

In dieses junge Bautzen sind seit der Wende fast 52,7 Millionen Euro für die Sanierung geflossen, nachdem im Herbst 1989 die 300 Baudenkmäler massiv vom Verfall bedroht waren und 42 Prozent der Altbauten leer standen. Entstanden ist ein buntes, historisches Stadtbild, das täglich Reisebusse anzieht. Über 22.000 Menschen ließen sich im vergangenen Jahr bei 1202 Stadtführungen durch den Ort führen. Majestätisch erhebt sich die historische Altstadt auf einem steilen Felsplateau über der Spree. Die mittelalterliche Silhouette beeindruckt den Besucher - vor allem, wenn er zum ersten Mal in diese Stadt kommt.

Bei der Touristinformation in Bautzen gibt es im Festjahr eine Flut von Anfragen. "Sogar nach Afrika und Japan schicken wir Material", sagt Mitarbeiterin Evelin Kann. "Es ist eine Neugier auf die Stadt entstanden, die zunehmend weniger mit dem Leid zu tun hat, das in dieser Stadt geschehen ist und dem Bautzen seinen negativen Ruf zu verdanken hatte", sagt Stadtsprecherin Elke Lorenz.

Die Vergangenheit nicht vergessen

Gleichwohl weicht die Stadt dem düsteren Kapitel nicht aus. Zum Festprogramm gehören eine Geschichtsreihe und eine Ausstellung in der Gedenkstätte, die in dem ehemaligen Stasi-Gefängnis entstanden ist. Auch das einstige "Gelbe Elend", wie das bis heute betriebene Gefängnis Bautzen I in Erinnerung an das einstige Internierungslager jahrelang hieß, stellt sich als Baudenkmal einer breiten Öffentlichkeit vor. "Wir wissen, dass uns dieses Bild begleitet und nutzen es, um die anderen, die schönen Seiten der Stadt vorzustellen", sagt Lorenz. Ein Konzept, das nach ihren Worten aufgeht. "Wenn die Leute einmal hier waren, sind sie meist begeistert."

Beispielsweise von der einzigartigen Kulturlandschaft, die Bautzen als heimliche Hauptstadt der Oberlausitz zu bieten hat. Hier ist das Deutsch-Sorbische Volkstheater, die einzige zweisprachige Berufsbühne in Deutschland, zu Hause. Seit 1961 erfreut sich die zweisprachige Bautzener Puppenbühne großer Beliebtheit. Ende des Jahres wird sie auf das Gelände der Bautzener Ortenburg ziehen. Dort hat auch das Sorbische
Musem (Serbski Muzej) seinen Platz.

"Durch das Jubiläum erfahren wir eine neue große Öffentlichkeit, und viele Journalisten wollen heute ein Stadtporträt schreiben statt die übliche Gefängnis-Reportage", sagt Lorenz. "Wir hoffen, dass diese Bilder von Bautzen in der Öffentlichkeit bleiben." (dpa/kas)

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  • Datum 24.05.2002
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