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Politik

Eine globale Kraft in Europa

Es war die größte Anti-Kriegs-Demonstration in Europa seit Jahren. Wochenlang hatte die italienische Regierung Randale an die Wand gemalt. Doch das "Europäische Sozialforum" blieb bis zum Ende ein friedliches Fest.

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Hauptthema in Florenz war der drohende Feldzug gegen den Irak

In Florenz trafen sich vom 6. bis 9. November 2002 Globalisierunsgegner zum ersten "Europäischen Sozialforum". Geschätzte 40.000 Teilnehmer haben in zahlreichen Workshops und Diskussionskreisen nach Alternativen zur neoliberalen Globalisierung gesucht. Die Veranstaltungen standen unter dem Motto "Ein anderes Europa ist möglich". Dabei wollten die Teilnehmer die europäischen Regierungen an ihre Verantwortung für eine gerechte Entwicklung in Sachen Menschenrechte, Ernährung, Gesundheit und Bildung erinnern.

Zum Abschluss fand eine riesige Demonstration mit einer halben Million Teilnehmern statt. Dazu waren Globalisierungskritiker und Friedenstruppen aus der ganzen Welt in die Toskana-Metropole gereist. Selbst die Veranstalter hatten es sich nicht träumen lassen, dass so viele Teilnehmer kommen würden.

Während sich die Welt ansonsten mit dem herafusfziehenden Krieg fast abzufinden scheint, US-Präsident George Bush immer mehr Rückendeckung bekommt, und selbst das arabische Syrien im Sicherheitsrat der Irak-Resolution zustimmt, ist Florenz eine beispiellose Mobilisierung gelungen.

Eine Wiedergeburt der Friedensbewegung?

Das Thema Irak-Krieg hat das erste Sozialforum auf europäischem Boden beherrscht. Überall auf dem Tagungsgelände wiesen Spruchbänder und Plakate auf den drohenden Feldzug gegen das Regime von Saddam Hussein hin, bei dem vor allem die Bevölkerung betroffen sein würde. Die Teilnehmer in Florenz betonten, dass es weiter politische Alternativen zu einer möglichen US-amerikanischen Intervention gibt.

Globalisierungsgegner in Florenz

Globalisierungsgegner in Florenz

Sicherheit wurde in Florenz großgeschrieben. Die Stadt stand bereits vor dem Europäischen Sozialforum in einem Belagerungszustand. Tausende Polizisten und Sicherheitskräfte bewachten Straßen und öffentliche Plätze - aus Angst vor gewalttätigen Auseinandersetzungen.

"Zuerst hatten wir natürlich etwas Angst", meint eine Studentin, die mit dem Sonderzug aus Rom angereist kam. Die Demonstranten durften nicht einmal in die historische Altstadt. Sie mussten auf die Außenbezirke ausweichen. Das Abschlusskonzert fand weitab in einem Fussballstadion statt. Zwar hatten viele Florentiner Geschäftsleute aus Furcht ihre Läden geschlossen - aber nicht wenige Menschen standen trotzdem am Fenster ihrer Wohnungen und applaudierten den Demonstranten.

Mehr als nur linke Parteien

Es waren nicht nur Linkskräfte, die in Florenz auf die Straßen gingen. Es waren auch kirchliche Gruppen, Gewerkschafter und Ökolologiebewegte gekommen - viele aus Frankreich, aus Spanien, aus Großbritannien und natürlich auch aus Deutschland.

Längst nicht alle Teilnehmer waren junge Studenten. "Wenn die Linksparteien nicht aufpassen, werden sie von dieser Bewegung überrollt", meinte ein italienischer Grüner. Statt sich offensiv mit der "Lebensfrage Krieg oder Frieden" auseinanderzusetzen, ducke sich die europäische Linke einfach weg.

Soziale Folgen diskutieren

Neben Krieg und Frieden standen in Florenz auch soziale Fragen wie Massenarbeitslosigkeit und Ausgrenzung von Minderheiten aus der Gesellschaft im Mittelpunkt. Alternativen zu den Schattenseiten der ökonomischen Globalisierung wurden von den Organisatoren in den Vordergrund gestellt.

Europa soll bei den sozialen Bewegungen künftig stärker zusammenwachsen - vor allem auch beim Widerstand gegen die geplante Liberalisierung von öffentlichen Gütern wie sauberes Wasser und Energie. Die Welthandels-Organisation WTO will bis zum Jahre 2005 diesen Bereich privatisieren. Die Globalisierungskritiker forderten die europäischen Regierungen auf, sich diesem Kurs zu verweigern. Öffentliches Eigentum soll nicht in kommerzielle Hände geraten.

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