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Aktuell Europa

Ein Terrorist kam als Flüchtling in die EU

Am Wochenende war es nur eine Vemutung, nun steht es so gut wie fest: Einer der Attentäter von Paris ist als Flüchtling in die EU gekommen. Justizminister Maas warnt vor voreiligen Schlüssen.

Ein Mitglied der Terrorkommandos von Paris ist offenkundig aus Syrien als Flüchtling nach Europa gekommen. Die Fingerabdrücke eines der Selbstmordattentäter stimmen nach Angaben der Staatsanwaltschaft in der französischen Hauptstadt mit denen überein, die bei einem Mann registriert wurden, der im Oktober mit syrischem Pass als Flüchtling nach Griechenland eingereist war.

Bei dem mutmaßlichen Syrer handelt es um einen der Selbstmordattentäter vom Fußballstadion Stade de France, in dessen Nähe ein syrischer Pass auf den Namen Ahmad Almohammad gefunden worden war. Der Inhaber des Passes wurde 1990 im syrischen Idlib geboren. Er war im Oktober als Flüchtling in Griechenland registriert worden.

während der Anschläge das Spiel Deutschland - Frankreich stattfand

Das Stade de France, in dem während der Anschläge das Spiel Deutschland - Frankreich stattfand

Übereinstimmende Fingerabdrücke

Die Echtheit des Passes müsse aber noch bestätigt werden, betonte die Pariser Staatsanwaltschaft. Auch wenn offen ist, ob der Pass von dem Attentäter gestohlen, gekauft oder gefälscht wurde, stimmen die Fingerabdrücke des Mannes mit jenen überein, die bei der Registrierung des Flüchtlings in Griechenland abgenommen wurden.

Die griechische Regierung veröffentlichte inzwischen ein Foto des Mannes (Artikelbild). Der Flüchtling wurde demnach am 3.Oktober auf der griechischen Insel Leros registriert. Später reiste er nach Serbien und beantragte dort Asyl, wie das Innenministerium in Belgrad bestätigte.

Von Kroatien nach Österreich?

Der weitere Weg führte den Mann nach kroatischen Angaben am 8. Oktober in das Flüchtlingslager in Opatovac nahe der serbischen Grenze. Von dort sei er nach Ungarn und schließlich nach Österreich weitergereist. Das Innenministerium in Wien bezeichnete es allerdings als Spekulation, dass der Mann nach Österreich gekommen sei.

Bundesjustizminister Heiko Maas warnte davor, voreilige Schlüsse daraus zu ziehen, dass einer der Attentäter von Paris aus Syrien gekommen sei. "Das ist möglicherweise ein gefälschter Pass. Und wir wissen auch vom IS, dass bewusst solche Spuren gelegt werden, um die Flüchtlingsfrage in Europa weiter zu politisieren und zu radikalisieren", sagte der SPD-Politiker in deutschen Fernsehen. Daher sei in der Bewertung sehr große Vorsicht angebracht.

Maas fordert Zurückhaltung

Maas betonte, es gebe "keine einzige nachweisbare Verbindung" zwischen dem Terrorismus und den Flüchtlingen. "Außer vielleicht eine: Nämlich, dass die Flüchtlinge vor den gleichen Leuten in Syrien flüchten, die verantwortlich sind für die Anschläge in Paris." Daher sei es völlig unverantwortlich, ohne jeden Beweis eine solche Verbindung herzustellen, erklärte der Justizminister.

Von der Leyen gegen "Generalverdacht"

Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen warnte davor, Flüchtlinge nach der Anschlagsserie in Paris unter Generalverdacht zu stellen. "Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, Flüchtlinge mit Terroristen gleichzusetzen", sagte die CDU-Politikerin der "Passauer Neuen Presse".

"Hunderttausende Männer, Frauen und Kinder haben ihre Heimat verlassen, um genau vor solchen Grausamkeiten zu fliehen, wie wir sie am Freitag in Paris erlebt haben. Was wir aber definitiv brauchen, ist mehr Ordnung an den Grenzen, das gilt insbesondere auch für die Außengrenzen der EU", sagte von der Leyen.

Nach den Terroranschlägen in Paris war in Deutschland eine Debatte über den Kurs in der Flüchtlingspolitik entbrannt. Unter anderem hatte Bayerns Finanzminister Markus Söder verlangt, die Zeit unkontrollierter Zuwanderung könne so nicht weitergehen. "Paris ändert alles", sagte der CSU-Politiker.

Muslime: Schulterschluss gegen Gewalt

Acht muslimische Verbände in Deutschland fordern als Konsequenz aus den Anschlägen von Paris einen stärkeren gesellschaftlichen Schulterschluss gegen Extremisten und Gewalt. Die Attentate seien "barbarisch und niederträchtig", das Mitgefühl der Muslime gelte Familien und Freunden der Anschlagsopfer sowie der gesamten französischen Nation, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Verbände.

wl/stu (dpa, afp, rtr, epd)