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Wissen & Umwelt

Ein Superbakterium im Kampf gegen Plastikmüll

Ansätze und Ideen, wie man das Meer von dem ganzen Plastikmüll befreien könnte, gibt es viele. Nun gibt es wieder einen neuen Hoffnungsträger: das Bakterium Ideonella sakaiensis 201-F6. Seine Leibspeise? PET-Flaschen!

Von dem Bakterium berichten japanische Forscher jetzt erstmals im Fachblatt "Science". Bislang waren nur Pilze bekannt, die Plastik abbauen. Dieses Bakterium hier habe aber wohl zwei Enzyme, mit denen es den Kunststoff PET (Polyethylenterephthalat) zersetzt, so die Forscher um Shosuke Yoshida vom Kyoto Institute of Technology.

Auf der Suche nach der richtigen Probe

Das haben sie herausgefunden, indem sie an einer Recycling-Anlage für PET-Flaschen 250 Proben entnahmen - zum Beispiel von Boden, Abwasser und Schlamm. Im Labor überprüften sie dann, ob darin Mikroorganismen zu finden waren, die in der Lage sind, einen dünnen PET-Film zu zersetzen. Und in genau einer Probe würden sie fündig - dieses Bakterium tauften sie Ideonella sakaiensis 201-F6.

Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich, dass das Bakterium nicht nur in Flüssigkeit, sondern auch direkt am Kunststoff zu finden war. Die Zellen waren über kleine Anhänge miteinander verbunden - so fanden sie auch an der Kunststoffoberfläche Halt.

Es dauerte 60 Wochen - bei einer konstanten Temperatur von 30 Grad Celsius - bis die Bakterien den PET-Film vollständig aufgefuttert hatten. Zwei Enzyme haben die Forscher identifiziert, die dafür zuständig sind: Eines wandelt das Plastik in ein Zwischenprodukt um, das andere das Zwischenprodukt danach weiter um - bis schließlich nur noch Terephthalsäure und Glykol übrig bleiben. Beide seien nicht giftig für die Umwelt, betonen die Forscher.

Mit dem Super-Bakterium gegen Plastikmüll?

Ob man die Bakterien auch einmal einsetzen könnte, um Plastik aus der Umwelt zu entfernen? Bisher sieht es noch nicht danach aus.

"Der Abbauprozess ist relativ langsam", meint Uwe Bornscheuer von der Universität Greifswald in einem Kommentar zu der Studie. 60 Wochen für einen solch dünnen Plastikfilm sind im Vergleich zu dem, was es zu beseitigen gibt, noch viel zu lange.

Allein im Jahr werden rund 300 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. 56 Millionen davon sind PET (Stand: 2013). Davon wird nur ein geringer Teil recycelt. Der Großteil verbliebe lange in der Umwelt, wo der Abbau nur sehr, sehr langsam vorangehe. 450 Jahre dauert das Zersetzen einer Plastikflasche, so das Bundesumweltamt.

Trotzdem hält Bornscheuer die Entdeckung vor allem mit Blick auf das PET-Recycling interessant. "Wenn die Terephthalsäure isoliert und wiederverwertet werden könnte, würde das erhebliche Einsparungen bedeuten bei der Produktion neuer Polymere ohne Erdöl-basierte Ausgangsmaterialien."

hf/fs (dpa)

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