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Wirtschaft

Ein schwieriger Gang

Alle guten Dinge sind drei: Der renommierte US-Börsenbetreiber Nasdaq Stock Market will nach Fehlversuchen in Japan und Brüssel nun in die deutsche Börsenlandschaft eindringen.

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Zeigt die Fieberkurve amerikanischer High-Tech-Aktien: Die New Yorker Nasdaq-Tafel

Zumindest eines kann man dem New Yorker Unternehmen The Nasdaq Stock Market nicht absprechen: Mut. Der angesehene Börsenbetreiber erweiterte trotz der Turbulenzen auf den internationalen Kapitalmärkten die deutsche Börsenlandschaft um einen eigenen Marktplatz.

Die US-Technologiebörse Nasdaq startete am Freitag (21.3.2003) in Berlin zusammen mit Partnerbanken sowie der Berliner und Bremer Börse ihren Deutschlandableger. Neben den drei Gründungsbanken der neuen Handelsplattform seien mit dem Online-Broker ConSors, der Citibank sowie zwei Regionalbanken Verträge abgeschlossen worden. Nasdaq hat vor allem Privatanleger im Visier und tritt in direkte Konkurrenz zur Frankfurter Börse und zu den verbliebenen fünf Regionalbörsen. Die elektronische Handelsplattform geht zunächst mit knapp 130 US-Werten an den Start. Der Handel mit deutschen Titeln soll zwei Wochen später beginnen.

Bisher sieht es jedoch ganz und gar nicht danach aus, dass die Amerikaner einen gelungenen Auftakt in der deutschen Börsenlandschaft erleben werden. Denn das Interesse unter den Marktteilnehmern ist gering. "Wir sehen für uns und unsere Kunden keinen Vorteil durch den neuen Börsenanbieter", sagt der Chef-Aktienhändler Martin Kruse von Deutschlands größter Sparkasse, der Hamburger Sparkasse. "Wir werden das Angebot deshalb auch nicht weiter bewerben, sondern vorerst abwarten, wie sich die Nasdaq Deutschland entwickelt", so Kruse im Interview mit DW-WORLD.

Ruhiges Abwarten

Börsenhändler vor dem DAX

Ein Händler auf dem Frankfurter Börsenparkett. Die Börse wird vom größten deutschen Börsenbetreiber, der Deutsche Börse AG, gemanagt

Der Aktienhändler aus Hamburg steht nicht allein mit seiner Meinung. Auch Marius Hoerner, leitender Händler vom Düsseldorfer Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz, sieht dem Projekt der Amerikaner skeptisch entgegen. "Wir warten in aller Ruhe ab", so der Aktienmarkt-Experte. Bisher vermisst er vor allem das Interesse institutioneller Anleger, also von Banken und anderen großen Vermögensverwaltern wie beispielsweise Fondsgesellschaften, an dem neuen Marktplatz. Die Deutsche Bank hat nach Informationen von Finanzzeitschriften bereits ihr Desinteresse an dem neuen Börsen-Dienstleister bekundet.

Der deutschen Nasdaq dürfte es wegen des harten Wettbewerbs auf dem hiesigen Aktienmarkt schwer fallen, einen ausreichenden Kundenstamm aufzubauen; zumal sich das Unternehmen weniger an professionelle, sondern vielmehr an private Investoren richtet. Diese haben sich in den vergangenen zwei Jahren auf dem glatten Börsenparkett so blutige Nasen geholt, dass sie ihre Engagements entweder stark zurückgeschraubt oder sogar ganz eingestellt haben.

Best-Price-Garantie

Denjenigen, die weiter auf steigende Kurse hoffen, will die Nasdaq Deutschland den elektronischen Handel mit den wichtigsten Aktien des DAX 100, EuroSTOXX 50, Nasdaq 100 sowie des Dow 30 anbieten. Zu den großen Vorteilen ihres Angebots gehört nach den Worten von Sprecherin Eva Klose unter anderem eine Best-Price-Garantie. Das bedeutet, ein Investor erhält bei einem Kauf oder Verkauf in jedem Fall den günstigsten Preis, der an der Konkurrenz-Börse mit dem größten Handelsvolumen erzielt werden könnte. In der Praxis ist eine solche Garantie freilich nur mit einigem Aufwand überprüfbar.

Die amerikanische Muttergesellschaft wird nach eigenen Angaben über ihre europäische Tochter Nasdaq Europe die Hälfte der Anteile von Nasdaq Deutschland halten. Die anderen Anteile übernehmen die Dresdner Bank (15 Prozent), die comdirect bank und die Commerzbank (je 7,5 Prozent) sowie die Börsen Berlin und Bremen (je zehn Prozent). Die beiden Börsen fusionierten eigens zu diesem Zweck fusionieren und nahmen anschließend den Namen Nasdaq Deutschland AG an.

Machen Erfahrungen klug?

Aktien

In Japan kam der Einstieg zu einem ungünstigen Zeitpunkt, nämlich zu Beginn der internationalen Börsen-Baisse vor fast drei Jahren

Die Zukunft des neuen Unternehmens dürfte besonders düster werden, falls es dem Börsenbetreiber misslingt, schnell ein ausreichendes Handelsvolumen für seinen elektronischen Handelsplatz aufzubauen. Dies würde vor allem die professionelle Kundschaft verprellen. Geringe Umsätze in einer Vielzahl von Titeln sind für sie ein großer Hinderungsgrund, über den neuen Börsenplatz Aktien zu kaufen und zu verkaufen.

Auf das gleiche Problem stieß bereits die Nasdaq Europe mit Sitz in Brüssel. "Sie ist zu illiquide, zu teuer und zu unüberschaubar", klagt Marius Hoerner von Lang & Schwarz. Wo jedoch keine hohen Handelsvolumina und keine lukrativen Spannen von Geld- und Briefkursen zustande kommen, kann ein Börsenanbieter kaum auf hohe Umsätze hoffen. Ein gewinnbringender Betrieb ist damit nahezu ausgeschlossen. Aus diesem Grund mussten die Amerikaner im Dezember 2002 weitere 20 Millionen Dollar in ihre europäische Tochter investieren. Andernfalls wäre diese laut Presseberichten von der Zahlungsunfähigkeit bedroht gewesen.

Noch schlechtere Erfahrungen machte das auf dem US-Markt nach wie vor renommierte Börsenunternehmen in Japan. Dort hatte man im Sommer 2000 zusammen mit der Börse Osaka die Nasdaq Japan gegründet. Als es jedoch zu finanziellen Schwierigkeiten und zu Streitigkeiten mit dem Partner kam, beendeten die Amerikaner zwei Jahre später ihr Engagement. Ob sie aus diesen Erfahrungen in Brüssel und Japan gelernt haben, wird sich nun in Deutschland zeigen.

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