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Musik

Ein Konzert gegen Trumps Grenzmauer

Mit ihrem Konzert an der amerikanisch-mexikanischen Grenze haben die Dresdner Sinfoniker ein starkes Signal gesetzt - gegen Donald Trumps Mauerpläne und gegen alle Mauern dieser Welt. Aus Tijuana Alexandra von Nahmen.

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Musik gegen Trumps Mauer

Sogar den Grenzzaun zwischen Tijuana und San Diego brachten sie zum Klingen. Mexikanische Perkussionisten performten während des Konzerts auf Schrottteilen, die sie an den Metallstäben des Zauns angebracht hatten. So wurde das Bauwerk selbst zum Instrument - sehr zur Freude der Zuschauer und der Dresdner Sinfoniker, die für ihr Konzert an der US-mexikanischen Grenze viele Künstler aus der Region gewinnen konnten.

Markus Rindt, Gründer und Intendant der Sinfoniker, hatte die Idee zu dem ungewöhnlichen Konzert, das unter dem Motto "Tear down this wall" für Aufsehen sorgte. Er selbst ist in Ostdeutschland aufgewachsen. Mit 21 Jahren wagte er die Flucht aus der DDR, um nur kurze Zeit später den Mauerfall zu erleben.

Gegen Nationalismus und Abschottung

Konzert Tear Down the Wall der Dresdner Sinfonieorchester im Tijuana am 3. Juni 2017 (DW/E.Usi)

Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker, setzt sich ein für eine Welt ohne Mauern

"Unser Konzert hier richtet sich nicht nur gegen Donald Trumps Mauerpläne, sondern gegen alle Mauern dieser Welt", erklärte Rindt in Tijuana, den Grenzzaun fest im Blick. Es gehe nicht nur um die USA. Es gehe auch um Europa, das sich abschotte, und wo Nationalismus und Fanatismus zunähmen, fügte er hinzu. Das war seine Motivation, das Projekt zu starten.

Ursprünglich hatten die Dresdner Sinfoniker im Rahmen ihrer Mexiko-Tournee nur ein Stück an der Grenze spielen wollen. Daraus wurde am Ende ein fast sechsstündiges Konzert, ein buntes Happening entlang der Grenze am Strand von Tijuana mit vielen verschiedenen Ensembles und Musikern.

Punk und Balladen

Die mexikanische Punk-Band "Tijuana No!" zum Beispiel - bekannt für ihre politischen Texte - begeisterte die Zuschauer mit einem eindrucksvollen Auftritt. Die guatemaltekische Maya-Sängerin Sara Curruchich berührte die Zuschauer hingegen mit ihren selbst geschriebenen Songs gegen Unterdrückung und Gewalt, die sie gemeinsam mit den Sinfonikern aufführte.

Mexiko Tijuana - Dresdener Sinfoniker spielen Konzert am Grenzzaun (DW/A. v. Nahmen)

Sara Curruchich sang eigens komponierte Lieder

Die Musiker aus Deutschland mussten allerdings für diesen einen Auftritt viele Hindernisse überwinden. Markus Rindt bangte bis zum Ende, ob alles klappen würde. Ein Parallelkonzert auf der US-amerikanischen Seite der Grenze wurde von den Behörden nicht genehmigt. Ein amerikanischer Kinderchor sagte ab. Hungrige Künstler, fehlende Hotelbetten und technische Probleme machten dem Orchester zu schaffen.

Als Musiker Haltung zeigen

Doch dadurch ließ sich niemand entmutigen. Die Dresdner Sinfoniker verknüpfen ihre musikalischen Programme schon seit Jahren mit politischen Anliegen, die für Schlagzeilen sorgen. Tom Goetze, Gründungsmitglied des Orchesters, fand es faszinierend, in Tijuana dabei zu sein. "Es ist wichtig, dass ich als Musiker konkret etwas tun kann, und zwar an dem Ort, um den es geht", sagte er.

Gitarrist Kalle Kalima beschrieb den Auftritt in Mexiko als "eine seltene Chance, sich als Musiker an einer so wichtigen politischen Diskussion zu beteiligen." Allerdings bitte ohne zu viel Pathos und Schwermut, das war für Harald Thiemann wichtig. Für den Auftritt hat er mit "The Big, The Bug, The Cricket and The Quack” extra ein Stück für Perkussionisten komponiert, das von deutschen und mexikanischen Musikern uraufgeführt wurde.

Mexiko, Tijuana. Menschen stehen am bunt bemalten Grenzzaun. (DW/A. v. Nahmen)

Der Grenzzaun wurde zum Instrument - und zur Leinwand umfunktioniert

Ein Finale mit Problemen

Premiere feierte beim Konzert auch die Ballade "Beyond” von Wieland Reißmann, die die Dresdner Sinfoniker gemeinsam mit dem Jugendorchester "Sinfonia Juvenil" aus Tijuana spielten. Es war zugleich auch das Finale des Konzerts. Nachdem es zunächst so aussah, als würden Tonprobleme die Aufführung der Ballade unmöglich machen, gelang alles am Ende doch. "Ich bin glücklich”, sagte Markus Rindt erleichtert.

Von den Zuschauer gab es dafür reichlich Applaus und Lob. "Musik ist das, was wir brauchen, um Menschen zu vereinigen, und eine politische Botschaft auszudrücken", sagte eine Tijuanerin begeistert. Das ist den Musikern auf jeden Fall gelungen: Sie haben ein starkes Zeichen gegen alle Mauern dieser Welt gesetzt, wo auch immer sie stehen.

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